Umstrittene Russland-Reise
Wirtschaftsverband wegen Siemens-Chef in der Kritik

Die Kritik an der umstrittenen Reise von Siemens-Chef Kaeser zu Russlands Präsident Putin weitet sich aus. Nun gerät auch der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft unter Beschuss. Der Verband wehrt sich.
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BerlinDas Treffen des Siemens-Chefs Joe Kaeser mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sorgt weiter für Zündstoff. Nun gerät auch der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft in die Kritik. „Mit seinem Auftritt in Moskau setzt der Siemens-Chef die problematische Politik des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft fort“, sagte die osteuropapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Marieluise Beck, Handelsblatt Online. „Die deutsche Wirtschaft darf die eigenen Geschäftsinteressen nicht unabhängig von dem politischen Schaden verfolgen, der von Putin angerichtet worden ist.“

Auch die CSU geht auf Distanz. Der Vizechef der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe und stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Hans Michelbach, bezeichnete den Auftritt Kaesers in Moskau im Gespräch mit Handelsblatt Online als „peinlich“.

Die Grünen-Politikerin Beck betonte, Geschäft und Politik ließen sich nicht trennen. „Ich würde mir wünschen, dass in der deutschen Wirtschaft auch ein Bewusstsein über eine historische deutsche Verantwortung besteht.“ Deutschland habe aufgrund seiner Geschichte eine „politische Sorgfaltspflicht“ gegenüber den Ländern Osteuropas. Das gelte auch für die Ukraine. „Deshalb darf die deutsche Wirtschaft sich keinesfalls dafür hergeben, dass die Ukraine von Putin ökonomisch stranguliert wird.“ Mit Blick auf das Vorgehen Russlands auf der Krim fügte Beck hinzu: „Die deutsche Wirtschaft darf nach dieser Völkerrechtsverletzung nicht nach dem Motto business as usual verfahren.“

Der Ost-Ausschuss vertritt die Interessen der deutschen Wirtschaft im östlichen Europa. Träger sind fünf Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Bankenverband, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels und der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Aktuell gehören dem Ost-Ausschuss über 180 Mitgliedsunternehmen an.

Kommentare zu " Umstrittene Russland-Reise: Wirtschaftsverband wegen Siemens-Chef in der Kritik"

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  • Frau Merkel möchte bitte hierzu den Mund halten, das ist einfach unverschämt von ihr.

    So lange wir keine Volksabstimmung hie rhaben, haben auch wir keine wirkliche Demokratie, denn wir sind eh bei ALLEN wichtigen Belangen außen vor. Anders in der Schweiz, anders in der Krim und hoffentlich auch bald in der Ost-Ukraine.

    "Wenn man im Glashaus sitzt, solte man nicht mit Steinen werfen"

  • Demnächst bekommen noch Schröder und Helmut Schmidt Redeverbot, so weit sind wir schon.
    Dieses Land bräuche mindestens ein Dutzend Helmut Schmidts, die mal wieder aufräumen und die ganzen strammen Faschisten zum Teufel jagen

  • Applaus für Herrn Joe Kaeser! Mögen noch ganz viele Vorständler deutscher Industrieunternehmen nach Russland reisen!

    Inzwischen dürfte doch dem Letzten noch klar geworden sein, wieso es zu dieser Krise kam. Die USA wollen einen Keil zwischen die EU (und besonders Deutschland) und Russland treiben. Die engen Wirtschaftsbeziehungen sind ihnen schon lange ein Dorn im Auge. Lieber wollen sie das Geschäft selbst machen (Stichwort: Freihandelsabkommen) - ohne jedoch wirklich etwas liefern zu können. Das Schlimmste was den USA hätte passieren können, wäre ein Wirtschaftsabkommen der EU mit Russland gewesen. Das musste unbedingt verhindert werden.
    Gleichzeitig geht es um einen weiteren Schritt in Richtung NATO Osterweiterung, das Zuziehen der Schlinge um Russland und die Übernahme des wichtigen Flottenstützpunktes Krim im Schwarzen Meer.
    Schliesslich soll den Europäern ein schwerer wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden ("fuck the EU"), denn deren Euro gräbt dem Dollar immer mehr das Wasser ab.
    Täuschen wir uns nicht: Die USA sind in Wahrheit ein marodes Land, das kurz vor dem Abgrund steht. Sie brauchen dringend "Nachschub" von Aussen um überleben zu können. Aus der Ukraine wurden 54 Tonnen Gold in die USA geflogen. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt haben sie die EU dazu gebracht, von ihnen heimlich Staatsanleihen von über 300 Milliarden zu kaufen (www.wallstreet-online.de/nachricht/6654455-finanzmarktwelt-de-belgien-us-staatsanleihen-laeuft-da). Damit unterstützt die EU nach Griechenland und anderen Bankrottstaaten nun auch noch die USA!
    Aber noch nicht genug: Nun fordern sie noch Waffenkäufe der EU bei ihnen in ähnlichem Umfang.

    In Wahrheit richtet sich also das alles gegen Europa als Ganzes nicht nur gegen Russland. Und unsere Politiker sind wirklich nicht in der Lage, das Spiel zu durchschauen??

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