Umstrittener Auftritt in Köln
„Erdogan-Visite für Polizei gewaltige Herausforderung“

Zum Auftritt des türkischen Ministerpräsident Erdogan in Köln sind Proteste angekündigt. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft bezweifelt, dass die Veranstaltung friedlich abläuft - auf beiden Seiten.
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BerlinDer Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, befürchtet, dass die angekündigten Proteste gegen den Kölner Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht friedlich verlaufen.

„Trauer und Wut vieler Bürgerinnen und Bürger, türkische Staatsbürger genauso wie Deutsche, fokussieren sich auf den türkischen Regierungschef, der mit seiner instinktlosen und gefühlskalten Ansprache in Soma viele verletzt hat“, sagte Wendt Handelsblatt Online.

„Leider kann man nicht erwarten, dass Erdogan in Köln eine Kehrtwende vollzieht und gemäßigt auftritt, vielmehr muss man damit rechnen, dass er eher noch Öl ins Feuer gießt.“

Wenn Erdogan tatsächlich kommt, werde das die Polizei vor „gewaltige Herausforderungen“ stellen, sagte Wendt weiter. „Die Gegner des Besuchs sollen einerseits zu Wort kommen dürfen und ihre Ablehnung auch deutlich machen können.“ Gleichzeitig sei es polizeiliche Aufgabe, die Versammlung und auch den Redner zu schützen.

Gewalt „inakzeptabel“

Wendt äußerte die Hoffnung, dass die einladende Union der Europäisch-Türkischen Demokraten bei dieser Gelegenheit Erdogan zeigt, was es bedeute, „unserer europäischen Wertegemeinschaft anzugehören“ und entsprechende Proteste organisiere. „Das würde ihrer Glaubwürdigkeit nutzen.“

Alle übrigen Demonstranten müssten wissen, so Wendt weiter, dass die deutschen Gesetze zwar „weiten Raum für Proteste, Emotionen und Demonstrationen geben, Rechtsbrüche und Gewalt aber inakzeptabel sind“.

Erdogan will am Samstag vor seinen Anhängern in Köln auftreten. Kritiker des türkischen Ministerpräsidenten haben aber zu einer Gegendemonstration aufgerufen, bei der mehr als 30.000 Teilnehmer erwartet werden.

2008 hatte Erdogan in Köln für einen Eklat gesorgt. Er riet seinen Landsleuten, sich der deutschen Kultur nicht allzu sehr anzupassen. Assimilierung bezeichnete er damals als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Ihm wird jetzt vorgeworfen, er wolle seinen Auftritt vor Landsleuten in Köln möglicherweise zu Wahlkampfzwecken nutzen. Deutsche Politiker kritisierten Erdogan deshalb scharf und rieten ihm zur Absage des Besuchs.

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Merkel ermahnt Erdogan

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  • genau das habe ich vor

  • Ich meine, der kann ruhig nach Deutschland kommen und sprechen - wenn Frau Dr. Merkel auch in der Türkei zu Auslandsdeutschen reden darf.

  • JA !!!

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