Umstrittener Kredit Wulff weist Täuschungs-vorwurf zurück

Der Vorwurf wiegt schwer: Bundespräsident Christian Wulff soll die Unwahrheit gesagt haben, als es um einen privaten Kredit ging. Das Staatsoberhaupt weist das zurück. Aber seine Argumentation ist spitzfindig.
Update: 13.12.2011 - 12:06 Uhr 35 Kommentare
Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina: "wahrheitsgemäß geantwortet". Quelle: dapd

Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina: "wahrheitsgemäß geantwortet".

(Foto: dapd)

BerlinDas Bundespräsidialamt hat ein Fehlverhalten von Christian Wulff im Zusammenhang mit einem Privatkredit aus seiner Zeit als Ministerpräsident Niedersachsens zurückgewiesen. Der Sprecher des Bundespräsidenten erklärte am Dienstag in Berlin, Wulff habe von der Ehefrau des Geschäftsmanns Egon Geerkens ein Darlehen für den Kauf eines privaten Einfamilienhauses erhalten. Der damalige niedersächsische Regierungschef habe deshalb zu Recht auf eine Abgeordneten-Anfrage geantwortet, dass er keine geschäftliche Beziehungen zu Herrn Geerkens habe. „Dementsprechend wurde die unmissverständliche Anfrage wahrheitsgemäß verneint“, heißt es in der Erklärung.

Die „Bild“-Zeitung hatte am Dienstag über das Darlehens-Geschäft unter dem Titel berichtet: „Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ Wie die Zeitung berichtete, gab Wulff 2010 im Landtag auf die Frage nach einer Geschäftsbeziehung zu Unternehmer nicht an, dass er und seine Frau Bettina von der Unternehmergattin ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatten.

Zuvor soll das Ehepaar Wulff seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Florida-Villa des Unternehmers Egon Geerkens aus Osnabrück verbracht haben. Die Grünen-Landtagsfraktion fragte Wulff der Zeitung zufolge damals, ob er zu diesem geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Daraufhin ließ Wulff im Landtag unter Hinweis auf Geerkens laut „Bild“ erklären: „Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben.“ Die Zeitung spricht deshalb vom Verdacht auf Täuschung des Landtags.

Das Präsidialamt erklärte, Wulff sei seit vielen Jahren mit Edith Geerkens befreundet und habe das Darlehen zu einem Zinssatz von vier Prozent erhalten. „Im Frühjahr 2010 ist dieses Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden“, heißt es in der Erklärung von Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker weiter. Nach „Bild“-Recherchen hatte der Kreditvertrag eine Höhe von 500 000 Euro.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag reagierten auf die Erklärung Wulffs mit Kritik.  „Offensichtlich wurde das Parlament damals nicht korrekt informiert oder auch getäuscht“, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel am Dienstag in Hannover. Der ehemalige Ministerpräsident habe sich dem Bemühen des Parlaments um Aufklärung des Charakters der Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens verweigert, sagte Wenzel weiter. In der Antwort auf eine Anfrage habe er „mit recht haarspalterischen Auslegungen versucht, diese Beziehungen so weit als möglich im Dunkeln zu lassen“. Dies könne „gegen das Ministergesetz verstoßen haben“.

  • dpa
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35 Kommentare zu "Umstrittener Kredit: Wulff weist Täuschungsvorwurf zurück"

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  • Niemand hatte die Absicht ...

    Da wird Guttenberg ja wieder sympathisch.

  • Die Politiker-Verdrossenheit wird weiter gefördert durch diese Sache
    Von Wulff wird ohnehin nichts übriog bleiben außer, dass eine Frau tötowiert ist.


  • Ihr Kommentar ist sicher hart, aber realistisch.

  • Herr Wulff, ich bin enttäucht. Ich möchte Sie nicht mehr als Bundespräsidenten haben. :-(

  • war ja klar, dass dieser Gauck-Abklatsch von Merkels Gnaden nicht nur ein Agent Erdogans ist, sondern dass er plus seine tätowoierte Bundesschlampe auch an der finanziellen Leine von Maschmeyer & Co. hängen.

  • Es ist sicher kein Zufall, dass der VW-Skandal sich seinerzeit in Niedersachsen in einem Unternehmen zugetragen hat, an dem das durch Wulf vertretene Land ein massgebliche Beteiligung hält. Fisch stinkt nun mal vom Kopf !

  • Manchmal ist die Dummheit einen Fehler zu begehen, großer als der daraus erwachsende Vorteil.

  • Wer die Wahrheit auslegt, "wie man(n) sie gerade braucht", hat in der Politik nichts zu suchen. Und da Hr. Wulff nicht allein "individuelle Maßstäbe" ansetzt, käme es zur größten Massenentlassung im Bundestag, wenn irdische und moralisch korrekte Maßstäbe für Politiker existieren würden.

  • Wendn schon, dann zum "Ehrentürken"

  • Unvollständige, spitzfindige Angaben statt einer vollständigen wahrheitsgemäßen Information des Bürgers und des Parlaments.
    Und deshalb wieder ein Sachverhalt, der das Vertrauen in unsere Politiker negativ beeinflusst.

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