Umstrittener Putin-Besuch
Koalitionspolitiker verteidigen Siemens-Chef Kaeser

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Grube will geächteten russischen Amtskollegen treffen

Bahnchef Grube sagte auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens in Frankfurt, das oberste Gebot sei Deeskalation. Das sei das Ziel, „das wir gemeinsam verfolgen“. Zunächst soll Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rauch kommende Woche nach Russland reisen, Grube selbst will demnächst folgen und dort seinen Kollegen von der russischen Staatsbahn, Jakunin, treffen. „Über Jahrzehnte sind diese Partnerschaften mit viel Energie und Kraft aufgebaut worden, so etwas ist aber schnell zerstört“, warnte Grube. Es gehe in Russland um ein Geschäftsvolumen von 250 Millionen Euro, was für den Gesamtkonzern nicht sehr viel sei. „Aber auch diese 250 Millionen Euro wollen wir nicht gefährden.“

Die Deutsche Bahn kooperiert seit Jahren mit der russischen Staatsbahn, etwa bei Gütertransporten aus China. Zudem ist die Logistik-Sparte Schenker mit Spezialtransporten auf dem russischen Markt aktiv. Die Deutsche Bahn ist zu 100 Prozent im Besitz des Bundes. Strategische Entscheidungen des Konzerns können nur in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen werden, in dem Regierungsvertreter das Sagen haben.

Für viele deutsche Firmen ist Russland ein wichtiger Markt. Der Arzneimittelhersteller Stada erlöst dort gut ein Fünftel seines Jahresumsatzes. „Die Osteuropa-Strategie steht unverändert“, sagte Konzernchef Hartmut Retzlaff. „Wir gehen fest davon aus, dass sich das alles stabilisieren wird, dass die Konsumenten wieder mutiger werden.“ Der Agrarhändler BayWa verdient wegen der Krim-Krise sogar besser als erwartet. Die Furcht vor Lieferausfällen wegen des Konflikts heize die Getreidepreise weltweit an, Händler nennen den Auftrieb „Putin-Prämie“, wie BayWa-Chef Klaus Josef Lutz erläuterte. Sein Haus handle jährlich zwei bis 2,5 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine, die als Kornkammer Europas gilt.

Putin warnte westliche Firmen unterdessen vor einem Verlust von Gewinnen und Marktanteilen, sollten sie den Zahlungsverkehr in seinem Land einschränken. „Es ist wirklich bedauerlich, dass gewisse Unternehmen Restriktionen beschlossen haben“, sagte Putin. „Das wird wohl nur dazu führen, dass sie gewisse Segmente des Markts verlieren – einem sehr profitablen Markt.“

Die beiden weltgrößten Kreditkarten-Anbieter Visa und Mastercard hatten wegen der US-Sanktionen nach der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation ihre Zusammenarbeit mit einigen russischen Banken eingestellt. Später wurden die Dienste in den meisten Fällen wieder aufgenommen.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Umstrittener Putin-Besuch: Koalitionspolitiker verteidigen Siemens-Chef Kaeser"

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  • Seit wann sorgen sich deutsche Politiker um Deutsche,deutsche Wirtschaft und deutsche Arbeitsplätze? Alles was deutsch ist, wird von unseren Politiker vernichtet!

  • Soweit mir bekannt ist, ist Herr Kaeser bei der Firma Siemens angestellt, deren Interessen er zu vertreten hat. Die Interessen der Bundesregierung vertritt u.a. Frau Merkel, aber eben nur diese, die des Deutschen Volkes vertritt sie nicht, denn dem geht das amerikanische Kriegsgeschrei mehr als auf den Keks.

  • Wenn Koalitionspolitiker irgendwas verteidigen sollte spätestens dann höchste Aufmerksamkeit geboten sein:
    Frau Merkel spricht Vertrauen ja auch immer dann aus, wenn etwas fällig gestellt wurde.
    Man hofft, dass Herr Kaeser wenigstens noch einen angenehmen Rückflug hatte, samt entsprechenden Aufmerksamkeiten des Carriers.

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