Umstrittener Verkauf
Merkels Opel-Euphorie unter Beschuss

Nach der Entscheidung, den Autobauer Opel an den Zulieferer Magna und russische Investoren zu verkaufen, ist Bundeskanzlerin Merkel ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Nicht nur aus der Opposition werden Vorbehalte gegen den Deal laut, auch die Vertreter des Bundes im Beirat der Opel-Treuhand legten noch einmal mit deutlicher Kritik nach. Merkel selbst reagierte sichtlich gereizt.

HB BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ ihren Sprecher ihren Unmut zum Ausdruck bringen und ihren Vertreter im Treuhand-Beirat bei Opel für sein Nein zum Verkauf an die Magna-Gruppe eine Rüge erteilen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm machte am Freitag deutlich, dass von dem ehemaligen Manager Manfred Wennemer erwartet worden sei, "die Interessen des Treugebers" zu vertreten. Die Bundesregierung bleibe bei ihrer Haltung, dass die Verkaufsentscheidung für Opel eine "gute, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung" darstelle. In diesem Sinne hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert.

Die eine oder andere Erklärung Wennemers sei "in der Sache nicht nachvollziehbar", sagte Wilhelm. Auf Empfehlung des Verwaltungsrates der Konzernmutter GM hatte der Treuhand-Beirat am Donnerstag nur mit den Stimmen der beiden GM-Vertreter dem Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an die Magna-Gruppe und weiterer zehn Prozent an die Opel-Belegschaft zugestimmt. Der zweite deutsche Vertreter, Dirk Pfeil, enthielt sich als Abgesandter der Bundesländer in der Abstimmung.

Wilhelm sagte, aufgrund einer Entscheidung der Opel-Taskforce von Bund und Ländern seien keine Beamten, sondern Persönlichkeiten aus der Wirtschaft in die Treuhand entsandt worden. Mit Wennemer und Pfeil seien im Vorfeld und im Umfeld der Entscheidung intensive Gespräche geführt worden.

Wennemer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Continental, hatte am Donnerstagabend nach der Entscheidung im Beirat kritisiert, die notwendige Umstrukturierung finde bei Opel aus politischen Gründen künftig nicht statt. Einen Tag später legte er noch einmal nach. "Die (Opel) verlieren Mrd. pro Jahr, das kriegen sie nicht einfach so schnell weg", sagte Wennemer der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. "Wenn sie alle ihre Pläne erreichen, werden sie 2010 überschuldet sein und zum Konkursrichter gehen müssen." Es sei zu erwarten, dass die nächste Bundesregierung das Insolvenzrecht ändern werde, damit Opel länger am Leben gehalten werden könne.

Ähnlich kritisch äußerte sich der Vertreter der Bundesländer bei der Opel-Treuhandgesellschaft, Dirk Pfeil. Im ZDF monierte er den politischen Druck seitens der Bundesregierung: "Es ist natürlich eine Entscheidung der Politik gewesen, zu sagen: Wir finanzieren ausschließlich Magna", sagte Pfeil. "Mit RHJ hat sich ja ein weiterer Investor interessiert, der den deutschen Steuerzahler um 1,3 Milliarden billiger gekommen wäre."

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