Umstrittenes Saatgut Unions-Krach nach Aigners Genmaisverbot

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat den Anbau der umstrittenen Genmais-Sorte MON 810 in Deutschland verboten. Mit dieser Entscheidung legt sich die CSU-Politikerin mit der EU-Kommission an, die für eine Aufhebung von Anbauverboten plädiert hatte. In der Großen Koalition aber liegt Aigner damit auf einer Linie mit der SPD. Die CDU ist empört.
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Derzeit ist die Mais-Sorte MON 810, die ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler entwickelt, die einzige in Europa, die auch wirklich angebaut wird. Quelle: dpa

Derzeit ist die Mais-Sorte MON 810, die ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler entwickelt, die einzige in Europa, die auch wirklich angebaut wird.

(Foto: dpa)

HB BERLIN. Die Entscheidung Aigners war mit Spannung erwartet worden. Zuletzt war unklar gewesen, ob sie noch vor der Aussaat fallen würde. Lob für das ausgesprochene Verbot kommt vom bayerischen Umweltminister Markus Söder. „Das ist eine mutige und fachlich richtige Entscheidung“, sagte der CSU-Politiker. Die Risiken des Genmaises seien bei weitem nicht erforscht. „Jetzt kann Bayern zur gentechnikanbaufreien Zone werden. Das wird von der Bevölkerung und den Landwirten mit Freude und Erleichterung aufgenommen.“

In der Unionsfraktion im Bundestag regte sich dagegen heftige Kritik. „Ich halte die Entscheidung für falsch, weil wir damit eine Zukunftstechnologie in Deutschland verhindern oder große Umwege gehen müssen“, sagte der agrarpolitische Fraktionssprecher Peter Bleser (CDU). Langfristig könnten deshalb auch Arbeitsplätze in Gefahr sein. Die Entscheidung sei „stark CSU- geprägt“. Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) sagte: „Ich habe für ein Verbot überhaupt kein Verständnis.“ Die Entscheidung halte sie für „populistisch“.

Die FDP-Fraktion sprach von einer Fehlentscheidung und Populismus. „Der Wissenschaftsstandort Deutschland nimmt schweren Schaden“, warnte die FDP-Gentechnikexpertin Christel Happach-Kasan. Die Folgen müssten Verbraucher und Landwirte tragen, deren Entscheidungsfreiheit begrenzt werde. Grüne und Linke werteten das Verbot der Genmaissorte MON 810 des Gentechnik-Unternehmens Monsanto dagegen positiv. „Die Entscheidung war überfällig“, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Die Linke-Agrarpolitikerin Kirsten Tackmann sagte, der Genmais MON 810 gefährde die gentechnikfreie Landwirtschaft und die Imkerei.

Das Verbot bezieht sich ausschließlich auf den Genmais der Sorte MON 810 des US-Konzerns Monsanto. Dabei handelt es sich um die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die seit 1998 in der Europäischen Union angebaut werden darf.

Die CSU-Politikerin Aigner hatte sich mehrfach kritisch zum Anbau von Genmais geäußert. MON 810 produziert ein Gift gegen den Schädling Maiszündler. Umweltschützer befürchten, dass dadurch auch andere Insekten und Schmetterlinge vernichtet werden und sich das Gift im Boden anreichern könnte.

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