Umstrittenes Wahlkampfmotto - Thierse sieht "Anbiederung an Sprache der Neonazis"
CDU-Abgeordneter immer stärker in der Kritik

Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche gerät wegen eines umstrittenen Wahlkampfmottos immer stärker in die Kritik. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse warf ihm am Samstag "Anbiederung an die Sprache und Argumente der Neonazis" vor.

HB BERLIN. CDU-Chefin Angela Merkel müsse diesem Treiben sofort Einhalt gebieten. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Stephan Hilsberg und Michael Müller verlangten Nitzsches Rückzug. Der umstrittene Spruch "Arbeit, Familie, Vaterland" ist auch bei Rechtsextremen eine beliebte Parole.

Nitzsche hatte am Freitag jeden Bezug zu rechtsextremem Gedankengut zurückgewiesen. Ihm gehe es allein um die in dem Wahlmotto enthaltenen Themen. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass der Slogan 2004 über dem Bundesparteitag der rechtsextremen NPD stand. Rückendeckung erhielt er vom sächsischen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, der den Kritikern Nitzsches "billigen Wahlpopulismus" vorwarf. Das Wahlmotto enthalte die "Hauptthemen, die die Menschen in Sachsen bewegen".

Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Abgeordneten, Hilsberg, sagte der "Netzeitung", Nitzsches Haltung sei für die CDU wie für jede andere demokratische Partei "untragbar". Ähnlich äußerte sich SPD - Fraktionsvize Michael Müller. Er forderte die CDU auf, sich "möglichst schnell davon zu distanzieren und Klarheit zu schaffen".

Den Spruch "Arbeit, Familie, Vaterland" hatte sich auch das französische Vichy-Regime auf die Fahnen geschrieben, das von 1940 bis 1944 mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollaborierte. Nitzsche war bereits 2003 mit Äußerungen über Muslime in die Kritik geraten. Damals hatte er in einem Vortrag über Zuwanderung vom "letzten Ali aus der letzten Moschee" gesprochen. Außerdem hatte er in einem Interview gesagt, eher würde einem Muslim "die Hand abfaulen", als dass er CDU wähle.

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