Umweltminister on tour
Altmaiers Energiewende - „Ah, ein Maisfeld“

Das leidige E10-Thema, ein zu schneller Ökoenergie-Ausbau, Windparks als Gefahr für Seehunde und der Strompreis: Fast 100 Tage im Amt, unternimmt Umweltminister Altmaier einen Ausflug in die Realität der Energiewende.
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CuxhavenAm Busfenster rauschen Peter Altmaiers Probleme vorbei. „Ah, ein Maisfeld“, sagt der Umweltminister. Es erinnert ihn an die Probleme durch den massiven Maisbedarf für die Stromgewinnung in Biogasanlagen. Die Monokulturen haben eine neue Wortschöpfung hervorgebracht: Vermaisung. In Ländern wie Niedersachsen wird auf fast jedem zweiten Acker Mais angebaut, was die Böden auslaugt und dem Getreideanbau für die Brotproduktion Konkurrenz machen kann. Ein paar Kilometer weiter: große Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Viehställen. Der Solarboom treibt den Strompreis der Bürger.

Der CDU-Minister ist auf dem Weg zur nicht gerade sonnenverwöhnten Nordseeküste, „Energiewende vor Ort“ lautet das Motto von Altmaiers viertägiger Sommerreise durch die Republik. Erster Halt bei der Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig-Holstein. Mit Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) füttert Altmaier Seehunde, das gibt schöne Bilder. Dann klettert er kurz auf eine Seehundwaage, 141 Kilo blitzen an der blauen Digitalanzeige auf. „Die Waage ist nicht geeicht“, sagt der gut genährte Saarländer.

Aber die Waage ist ein gutes Bild, auf Schritt und Tritt wird der 54-Jährige damit konfrontiert, dass er bei den Problemen der Energiewende abwägen muss. Was tun gegen die Konkurrenz von Tank und Teller, die durch tausende Biogasanlagen verschärft wird? Den Biosprit E10 und die Biomasse-Förderung abschaffen? Wie soll dann aber mehr für den Klimaschutz getan werden? Und was würde mit der Bioenergie-Branche passieren? Zum Ruf von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nach einem E10-Aus wegen der Rekordstände bei Getreidepreisen will Altmaier sich bisher nicht äußern.

Intern aber rechnet sein Ministerium längst durch, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen E10 und Nahrungskrisen geben könnte. Er bleibt seiner Art treu, nicht auf jede Forderung eines FDP-Ministers zu reagieren, so schweigt er auch zum Ruf des Koalitionspartners nach einer Abschaffung der von allen Bürgern über den Strompreis zu zahlenden Ökostrom-Förderung. Altmaiers Credo: Substanz statt Schnellschüsse.

An der Küste stellt sich die Frage, wie Windparks in der Nordsee gebaut werden können, ohne dass Seehunde und Schweinswale vor Lärm krank werden? „Hier hier wird uns die Verletzlichkeit der Natur vor Augen geführt“, betont Altmaier. Der Landrat von Dithmarschen, Jörn Klimant, klagt zudem, dass in Schleswig-Holstein bereits jährlich zweistellige Millionenbeträge Entschädigung für Windparks gezahlt werden müssen, die mangels Netzen ihren Strom nicht einspeisen können. Der Ausbau müsste mit dem Netzausbau synchronisiert werden.

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Kommentare zu " Umweltminister on tour: Altmaiers Energiewende - „Ah, ein Maisfeld“"

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  • Altmaier ist genauso orientierungslos wie alle seine Vorgänger , egal aus welcher Partei ! Die Deutschen werden zu Versuchskaninchen , was ist möglich ohne das es zu einer Revolte kommt , der bogen wird immer weiter gespannt , nur um zu sehen wann die "Bombe" platzt !
    Nun ist gut , schafft dieses überflüssige amt wieder ab , lasst alle noch verfügbaren Kernkraftwerke mit max.Leistung laufen und das auf längere Sicht .
    Wenn ihr ein wirklich ausgereiftes und real durchführbares Konzept habt , legt es uns vor, wir werden darüber abstimmen und können vielleicht einen neuen Termin für einen Atomausstieg festlegen .
    Aber so nicht liebe Leute !!!

  • Der Mann hat es nicht leicht und erfüllt seine Aufgabe im gegebenen Rahmen nicht schlecht. Er muss eine "Energiewende" organisieren die auf (öko)religiösen Illusionen basiert.

    Ich vermute dass ständig mittels reichlicher Geld aufgesattelte Politiker, Oekolobbyisten und Oekokonzerne wie Grün und Frieden mit Subventionswünschen an Ihn herantreten. Er muss sich mit dem ökokriminellen Komplex auseinandersetzen der Lebensmittel lieber mit reichlich Subventionen verbrannt wissen will anstatt das man diese Lebensmittel indirekt über den Weltmarkt an Hungernde gibt.

    Die traditionelle Energiebranche möchte Geld zum Ausbau der Netze und Bereitschaftssubventionen für die immer häufiger stillstehenden fossilen Kraftwerke.

    Da er kaum sagen kann, dass die "Energiewende" der Chefin hin zu "Erneuerbaren Energien" ein Schwindel/Illusion ist, muss er diese irgendwie organisieren so dass die Strompreise für die Industrie und Private einigermassen erträglich bleiben.

    Jetzt lässt der Mann langsam Luft aus Illusionen wie der dass man eine Stromversorgung mit mittelalterlichen Quellen zum Preis einer modernen Stromversorgung haben kann. Er sucht den Ausbau "Erneuerbarer Energien" zu verlangsamen um Netzzusammenbrüche zu vermeidn. Er versucht die Subventionierung von Bereitschaftskapazitäten zu verzögern und die Versorger weichzukochen. Er sucht mit der DENA und den Versorgern nach Wegen den Netzausbau zu beschleunigen.

    Der Mann hat eine wenig beneidenswerte Aufgabe.

    Vandale

  • "Ich bin ein lernendes System"
    ja richtig.
    Wie wäre es den, wenn wir endlich mal wirkliche Fachleute ranlassen würden?
    Die ganzen "leernenden Systeme" in Berlin haben uns in allen Bereichen nun genug Schaden zugefügt.

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