Umweltminister Röttgen

„Der Kernenergie fehlt die Akzeptanz“

Auf Norbert Röttgen richten sich momentan viele neugierige Blicke, denn der neue Umweltminister macht mit ungewöhnlichen Aussagen von sich reden. Im Handelsblatt-Interview spricht er über den Gipfel von Kopenhagen, die Chancen des Klimaschutzes für die Wirtschaft und die Zukunft der Atomkraft.
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Bundesumweltminister Röttgen: "Deutschland soll ein Industrieland bleiben." Quelle: Reuters

Bundesumweltminister Röttgen: "Deutschland soll ein Industrieland bleiben."

(Foto: Reuters)

Handelsblatt: Herr Röttgen, in der kommenden Woche stehen auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen die Entscheidungen an. Rechnen Sie mit einem Happy End?

Norbert Röttgen: Es gibt positive Signale. Dass US-Präsident Barack Obama seine Terminplanung geändert hat und nun doch zum Abschluss des Gipfels kommt, markiert einen wichtigen Einschnitt. Der US-Präsident ist bereit, seine Autorität in die Waagschale zu werfen, um verbindliche Klimaschutzziele zu erreichen. Ich werte das als echte Kurskorrektur, die mich Hoffnung schöpfen lässt. Obama weiß, dass er ein Ergebnis liefern muss. Ich bin mir sicher, dass ihm das gelingen wird.

Trotz der symbolträchtigen Entscheidung Obamas, zum Abschluss des Gipfels zu erscheinen, bleiben die Angebote der Amerikaner in der Sache aber völlig unzureichend.

Einerseits haben Sie Recht. Die Amerikaner bieten an, ihre Emissionen bis 2020 um 17 Prozent zu reduzieren, beziehen sich dabei aber auf das Basisjahr 2005. Legt man dagegen wie die Europäer das Basisjahr 1990 zugrunde, beträgt die Reduktion nur knapp vier Prozent. Das ist zu wenig. Die Amerikaner können und müssen da noch drauflegen. Andererseits sollten wir aber auch anerkennen, dass die USA unter Präsident Bush acht Jahre verloren haben. Nun sind sie bereit, die Richtung ihrer Politik grundlegend zu ändern. Das ist ein entscheidender Fortschritt.

Besteht nicht die Gefahr, dass die US-Regierung der eigenen Wirtschaft und Gesellschaft meilenweit vorauseilt?

In den USA hat sich in den vergangenen Monaten ein beachtlicher Wandel vollzogen. Die Dynamik ist in Wirtschaft und Gesellschaft angekommen. Und wenn die Amerikaner erstmal Witterung aufgenommen haben, werden sie sehr schnell konsequent handeln. Wenn dies geschieht, müssen wir uns in Sachen Klimaschutz und Umwelttechnologie auf einen starken Wettbewerber einstellen.

Die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes sind so etwas wie das Leitmotiv Ihrer ersten Amtswochen. Es gibt aber auch Risiken, etwa für klassische Industriebranchen - für die Aluminium-, Stahl- und Zementindustrie. Ist Deutschland auch in 20 Jahren noch der Industriestandort, wie wir ihn heute kennen?

Mein unbedingtes Ziel ist es, dass Deutschland ein Industrieland bleibt. Eine Deindustrialisierung ist kein Beitrag zum Klimaschutz. Klimaschutz ist vielmehr die Bedingung für Wohlstandsentwicklung. Klimaschutz produziert Märkte, Wachstum, Exportchancen und damit auch Arbeitsplätze.

An anderer Stelle werden aber Jobs verloren gehen.

Entscheidend ist die Bilanz. Es muß unser grundsätzliches Ziel sein, Wachstum von der Ressourceninanspruchnahme zu entkoppeln. Volkswirtschaften, die dieses Ziel erreichen, haben den entscheidenden Vorsprung.

Zumindest in einer Übergangsphase wird es Verlierer geben. Oder?

Wir haben durch den Klimaschutz einen größeren Aufbau an Marktvolumen und Beschäftigung als an Bedrohungspotenzial für unsere Wirtschaft.

Dieses Bedrohungspotenzial ist für einige Branchen bereits Realität. Sie können die Industriestrompreise, deren Höhe zum Teil durch den Emissionshandel zu erklären ist, nicht mehr verkraften. Was sagen Sie den betroffenen Unternehmen?

Mit unserer Strategie zum Klimaschutz ist es durchaus vereinbar, wenn einzelne, energieintensive Branchen von Sonderregelungen profitieren. Das sage ich diesen Unternehmen. Darum unterstütze ich die von der Bundesregierung geplanten Strompreishilfen, die in erster Linie den Aluminiumhütten helfen sollen, ausdrücklich. Hier liegt das Problem woanders: Dass die EU-Kommission diese Hilfen kritisch sieht, zeigt mir, dass die Themen Klimaschutz und Industrie an einigen Stellen noch in Einklang gebracht werden müssen. Unser Ziel muss es sein, die energieintensive Industrie in Deutschland zu halten. Das geht nur mit Ausnahmeregeln beim Beihilferecht. Das muss auch Brüssel verstehen.

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19 Kommentare zu "Umweltminister Röttgen: „Der Kernenergie fehlt die Akzeptanz“"

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  • @ Denkerist (18)

    „Auch mit der Sicherheit ist es nicht weit her, daß sehen wir doch an den permanenten Störfällen.“

    Das, was in den Medien zu „Störfällen“ gemacht wird, sind betriebsstörungen, die bei KKW grundsätzlich der Öffentlichkeit gemeldet werden müssen. Mit Störfall und der Minderung der Sicherheit hat das nichts zu tun, wenn z.b. eine Speisewasserpumpe ausfällt. Fällt in die Kategorie N (Normalmeldung) Wie viele „Störfälle“ es in den letzten 40 Jahren in deutschen KKW gegeben hat, können Sie hier erfahren: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/atomkraft/Meldepflichtige_Ereignisse_in_Deutschen_AKWs_ab_65.pdf

    ihre These, daß die Sicherheit eines KKW zugunsten des Gewinns vernachlässigt wird, ist haarsträubend, denn dies würde das Totalversagen der jeweiligen Landesregierung bedeuten, die ihrer Kontrollpflicht nicht nachkommt.
    Wenn an ihrem Auto eine Glühlampe ausgefallen ist, handelt es sich um eine Störung, denn es ist auch weiterhin verkehrs- und betriebssicher.

  • @ Hoffmann M
    "Mit den erneuerbaren Energien kann bis heute und wird in Zukunft unser Wohlstand in Deutschland nicht gehalten werden."
    Wohlstand? Der Wohlstand konzentriert sich auf einen immer kleiner werdenden Kreis von Menschen. Sehen sie sich mal in der Welt um. So groß wie vor 30 Jahren ist der Wohlstand hierzulande im Vergleich nicht mehr. Die Reichen sind reicher und die Masse aber auch viel ärmer geworden. in vielen Dingen rangiert Deutschland am Ende der Skala.

    "Mit reiner erneuerbarer Energie hält die Mangel- und Verzichtskultur in unserem Land wieder einzug."
    Die Mangelkultur hat doch schon längst Einzug gehalten: Denken sie an die Sozialsysteme. Die Gewinne der Konzerne werden immer größer und den bürgern geht es immer schlechter.

    Warum favoritisieren denn die Energiekonzerne und ihre Regierung denn Kernkraft? Es sind hier die höchsten Gewinne zu machen. Und, verbunden mit ein paar Medienkampagnen ist es bei dem bildungsgrad unsere bürger nicht schwer, viele von der Notwendigkeit der Kernkraft zu überzeugen. Auch mit der Sicherheit ist es nicht weit her, daß sehen wir doch an den permanenten Störfällen. Denn, Sicherheit kostet Geld und das fehlt dann beim Gewinn.

    Einfach mal akzeptieren, daß die Deutschen nicht immer die größten sind, und sich in der Welt umsehen, wie andere Staaten alternative Energien nutzen.

  • @Michael
    ich gehöre nicht zur "Atomlobby" sondern zur "Zivilisationslobby" ich habe jetzt 30 Jahre lang den immergleichen Sermon der baumknutscher und Ökotalliban ertragen und kann es nicht mehr hören. Nächstes jahr soll ich 2 cent pro Kliowattstunde direkte Subvention für die Solarzelle meines Nachbarn zahlen die genau nichts bringt, und für irgendwelche Windräder die 2006 schon mal zu einem Riesenstromausfall in halb Europa beigetragen hatten, bei dem über 10 Millionen Haushalte ohne Strom waren. ich werde langsam Nervös ob dieses gequirlten Schwachsinns. ich würde sogar auf die Strasse gehen für Kernkraft und auch mal "Aktionen" machen, z.b. Decken über Solardächer werfen, damit bei Sonnentagen nicht der Strompreis ins unermessliche steigt, denn dann bekommen die betreiber ja bis zu 50 cent/kWh von uns.
    ES REiCHT
    Gottseidank wird dieser Restlaufzeitquatsch jetzt beendet.

  • @ Michael (13)

    „ich weiß nicht wie alt sie sind, aber evtl. werden sie es noch erleben wenn das letzte Kern-und Kohlekraftwerk vom Netz geht. Das hat mittlerweile fast jeder Regierung weltweit erkannt, daß diese Art der Energiegewinnung nicht zukunftsfähig ist.“

    Das ist vermutlich der Grund, weshalb weltweit Kernkraftwerke im bau, bzw. in Planung sind. Sogar Länder wir Dänemark und Norwegen, in denen es bisher keine Kernkraftanlagen gibt, stellen Überlegungen zu Standorten derselben an, - für die Zukunft.
    in den nächsten 10 Jahren werden mehr als 120 Kernkraftprojekte realisiert, davon 76 in Asien, 10 in Gb, 13 in den USA.

  • @ Michael (7)

    „Zudem wird es bald wie Öl, Gas und Kohle ausgehen.“

    Öl soll schon seit 30 Jahren alle sein, die Gasvorräte können nicht einmal annähernd geschätzt werden und Kohle steht auf dieser Erde in ausreichender Menge zur Verfügung. Die geologischen Ressourcen an Kohle betragen nach heutiger Kenntnis rund 11000·109 t SKE, davon sind erst 3060·109 t SKE identifiziert. Der überwiegende Teil der identifizierten Kohlevorräte liegt in Nordamerika, den Ostländern und Westeuropa. Die OPEC-Staaten haben mit Ausnahme von indonesien und Venezuela praktisch keine Kohlevorkommen.

    „Was passiert mit dem verstrahltem Sondermüll? Hier gibt es selbst nach jahrzehnterlanger Forschung keine Lösung.“

    Würden Sie und ihre Freunde die Lösung dieses Problems nicht seit Jahrzehnten, unter Vorgabe die Umwelt schützen zu wollen, blockieren, wäre die Einrichtung eines Endlagers um diesen Zeitraum fortgeschritten. Statt dessen muß immer wieder von vorn begonnen werden.

    „Und wie gefährlich Atomkraft ist muß man ja niemandem mehr erklären.“

    Wie gefährlich ist sie denn?

    „Über Kohlekraftwerke muß ich wohl nichts sagen.... „

    Weshalb nicht, gefällt ihnen der Wirkungsgrad und die ständige Verfügbarkeit nicht?

    „Sie stehen unendlich zur Verfügung und warten nur darauf endlich zu 100% genutzt zu werden.“

    So, tun sie das? biogasanlagen vielleicht, in denen die grünen Heuchler Lebensmittel zu Heizenergie verarbeiten und anderen Völkern die Lebensgrundlage entziehen? Oder meinen Sie die Uralttechniken Windmühle und Solarzelle. beides sind keine innovativen Techniken mit sehr begrenztem Wirkungsgrad und unsteter Verfügbarkeit.

    „@Tom und Hofman: Erst Hirn einschalten, dann schreiben ! „

    Probieren Sie ihren Rat an die beiden erst einmal selbst aus.

  • @ Michael (7)

    „Zudem wird es bald wie Öl, Gas und Kohle ausgehen.“

    Öl soll schon seit 30 Jahren alle sein, die Gasvorräte können nicht einmal annähernd geschätzt werden und Kohle steht auf dieser Erde in ausreichender Menge zur Verfügung. Die geologischen Ressourcen an Kohle betragen nach heutiger Kenntnis rund 11000·109 t SKE, davon sind erst 3060·109 t SKE identifiziert. Der überwiegende Teil der identifizierten Kohlevorräte liegt in Nordamerika, den Ostländern und Westeuropa. Die OPEC-Staaten haben mit Ausnahme von indonesien und Venezuela praktisch keine Kohlevorkommen.

    „Was passiert mit dem verstrahltem Sondermüll? Hier gibt es selbst nach jahrzehnterlanger Forschung keine Lösung.“

    Würden Sie und ihre Freunde die Lösung dieses Problems nicht seit Jahrzehnten, unter Vorgabe die Umwelt schützen zu wollen, blockieren, wäre die Einrichtung eines Endlagers um diesen Zeitraum fortgeschritten. Statt dessen muß immer wieder von vorn begonnen werden.

    „Und wie gefährlich Atomkraft ist muß man ja niemandem mehr erklären.“

    Wie gefährlich ist sie denn?

    „Über Kohlekraftwerke muß ich wohl nichts sagen.... „

    Weshalb nicht, gefällt ihnen der Wirkungsgrad und die ständige Verfügbarkeit nicht?

    „Sie stehen unendlich zur Verfügung und warten nur darauf endlich zu 100% genutzt zu werden.“

    So, tun sie das? biogasanlagen vielleicht, in denen die grünen Heuchler Lebensmittel zu Heizenergie verarbeiten und anderen Völkern die Lebensgrundlage entziehen? Oder meinen Sie die Uralttechniken Windmühle und Solarzelle. beides sind keine innovativen Techniken mit sehr begrenztem Wirkungsgrad und unsteter Verfügbarkeit.

    „@Tom und Hofman: Erst Hirn einschalten, dann schreiben ! „

    Probieren Sie ihren Rat an die beiden erst einmal selbst aus.

  • @Guido: Sie und ihresgleichen tun mir leid, ganz ganz arg leid sogar. ich weiß nicht wie alt sie sind, aber evtl. werden sie es noch erleben wenn das letzte Kern-und Kohlekraftwerk vom Netz geht. Das hat mittlerweile fast jeder Regierung weltweit erkannt, daß diese Art der Energiegewinnung nicht zukunftsfähig ist. Aber ich denk mal sie gehören zur Atomlobby und müssen einen solchen Unsinn schreiben !

  • @ Hofmann,M (10)

    „Das größte Problem in Zukunft wird eh die Zunahme der Weltbevölkerung sein und nicht die Einlagerung von Atommüll.“

    Richtig, ersteres Problem verdrängen die Grünen Männchen und machen es in Teilen Europas zur Kulturbereicherung, die Lösung des zweiten Problems behindern sie seit Jahrzehnten nachhaltig.

  • @ Denkerist (3)

    „Zur info: Strahlung heißt das Zauberwort“

    Unsinn, die Kühl- wie die Dampfkreisläufe sind immer Sekundärkreisläufe, da strahlt nichts, denn dann müßte der Dampf im Generator oder der Dampf der Kühltürme radioaktiv sein.

    Der Hinweis auf Tschernobyl macht ihre Argumentation nicht schlüssiger, denn jeder, auch Sie, weiß, daß Tschernobyl kein Unfall, sondern fahrlässige Handlung des russischen Militärs war und dieser Reaktortyp nicht mehr am Netz ist. Er wurde sicherheitstechnisch nachgerüstet.

    Daß die Wärme der KKW, wie auch anderer Kraftwerke nicht zur Heizung und Warmwasseraufbereitung genutzt wird, liegt daran, daß diese Kraftwerke nicht in unmittelbarer Nähe von Siedlungen liegen, die es „wirtschaftlich“ erscheinen lassen, eine Fernwärmeinfrastruktur zu erstellen, das ist nämlich nicht ganz billig und verursacht nicht zu unterschätzende Folgekosten. Außerdem arbeitet diese infrastruktur mit einem miserablen Wirkungsgrad, weil die längste Zeit des Jahres nur warmes Wasser aber keine Heizenergie benötigt wird. Diese bilanz wird in Siedlungen mit hohem Anteil von Energiesparhäusern noch schlechter und damit für alle Nutzer teurer.
    Kühltürme werden daher dann immer noch benötigt.

  • @Michael

    Sie und ihres gleichen reden die Kernkraft unsicher. Die Kernkraftwerke der neuesten Genartion ist die sicherste und effizienteste!
    informieren Sie sich erstmal bevor Sie wieder einmal von Tschernobyl oder Harrisburg oder Forsmark anfangen zu reden.
    All diese Ereignisse und auch nicht die Zündungen der Atombombe haben die Menschheit ausgelöscht geschweigen denn in iherer Vermehrung gestoppt.
    Auch wird hier immer gern verschwiegen, dass der meiste Atommüll von Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen stammt.
    Vor der Kernkraft braucht man nicht angst zu haben. Darin sollte man lieber die Chancen erkennen zur beweältigung unseres zukünftigen steigenden Energiehunger.
    Das größte Problem in Zukunft wird eh die Zunahme der Weltbevölkerung sein und nicht die Einlagerung von Atommüll.

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