Umweltschutz
Erst die Demo und dann ...

Rund 50 000 Menschen haben sich am Wochenende an einer Demonstration gegen Atomstrom beteiligt. Umweltaktivisten setzen auf die Energiewende mit Strom aus Erdwärme, Sonne und Windrädern, sie wollen die Parteien auch in der Zeit nach der Bundestagswahl unter Druck setzen.

BERLIN. Am Samstagabend gingen Jochen Stay und seine Kollegen in einer Seitenstraße der Berliner Friedrichstraße in eine Kneipe und feierten. Nicht in Kreuzberg oder Neukölln, wo der Protest als Kiez lebt, trafen sich die Organisatoren der größten Anti-Atomkraft-Demonstration, die das Land seit 1986 gesehen hat. Nein, in Mitte. "Das hat sich spontan so ergeben", erzählt Stay zwei Tage nach dem Großereignis.

Es hat sich viel verändert über die Jahre. Der 44-jährige Stay trägt graues, lockiges Haar und einen Vollbart. Sein halbes Leben demonstriert er schon. Nach der Feier sind sie am Sonntag früh wieder nach Hause gefahren, nach Lüchow, der Keimzelle des Widerstands gegen das Endlager im benachbarten Gorleben.

Es bewegt sich wieder etwas im Land. 50 000 Demonstranten waren es am Wochenende in Berlin, die vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor zogen. Acht Initiativen hatten das politische Signal organisiert, rund 200 haben es mit ihrem Namen unterstützt. "Mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet", sagt Stay.

Darüber hinaus gründen sich seit Jahren von Nord bis Süd Bürgerinitiativen, wenn ein Energiekonzern wie Eon oder RWE ankündigt, ein neues Kohlekraftwerk bauen zu wollen. Etliche der Kohlegegner waren am Wochenende auch auf der Anti-Atomkraft-Demonstration in der Hauptstadt. "Es gab einen Aufruf gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke", berichtet Stay.

Nein zu Atom, nein zur Kohle. Die Gleichgesinnten wollen etwas, was sie "Energiewende" nennen. Damit trat 1998 Rot-Grün an, um den Erneuerbaren Energien zum Durchbruch zu verhelfen. "Die Jungen haben Angst vorm Atommüll", sagt Stay. "Und die Älteren sehen, dass trotz Atomausstieg erst zwei kleine Meiler vom Netz gegangen sind und obendrein längere Laufzeiten drohen."

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