Umweltschutz Schwarzer Peter für die Landwirtschaft

2017 war ein Jahr des umweltpolitischen Stillstands. Das beklagen Umwelt- und Naturschutzverbände. Der Regierung mangele es an Ambitionen und Tatkraft, die Landwirtschaft verhindere Fortschritt. Wie wird 2018 aussehen?
Update: 28.12.2017 - 12:20 Uhr 9 Kommentare
Die Trophäe „Dinosaurier des Jahres“ verleiht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) jedes Jahr. Diesmal an den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes. Quelle: dpa
Landwirtschaft

Die Trophäe „Dinosaurier des Jahres“ verleiht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) jedes Jahr. Diesmal an den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes.

(Foto: dpa)

BerlinAlle Jahre wieder verleiht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zwischen Weihnachten und Silvester den peinlichsten aller Umweltpreise: Den „Dinosaurier des Jahres“ für besonders rückschrittliches öffentliches Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz. In diesem Jahr trifft es Joachim Rukwied, den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Rukwied erhält den Preis für „seine rücksichtslose Blockade einer umweltfreundlichen Agrarreform“, wie es beim Nabu heißt.

„Die Öffentlichkeit ist erschüttert über die erneute Zulassung für Glyphosat, über zu viel Nitrat im Grundwasser und das drastische Insekten- und Vogelsterben – doch Herr Rukwied hält unbeirrt an seiner Linie fest, das System der Agrarpolitik mit milliardenschweren Blankoschecks vom Steuerzahler ohne Wenn und Aber zu verteidigen“, kritisierte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke.

Dabei ist genau dieses System hochumstritten. „29 Prozent des EU-Haushalts fließen derzeit in pauschale, flächenbezogene Agrarsubventionen, die Landwirtschaft und Natur mehr schaden als nutzen“, sagt der Naturschutzverband WWF. Es brauche eine gezielte Förderung von Leistungen etwa im Naturschutz und ein Ende von Subventionen, die sich nur an der Größe der Betriebe orientierten. Umweltverbände haben wiederholt einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft gefordert und eine Verteilung der Agrargelder verlangt, die sich stärker an Nachhaltigkeits- und Umweltvorgaben orientieren.

Die EU-Agrarsubventionen setzen sich aus zwei Säulen zusammen: Die erste Säule bilden die sogenannten Direktzahlungen an die Landwirte, die je Hektar landwirtschaftlicher Fläche gewährt werden. Die zweite Säule bilden gezielte Förderprogramme für die ländliche Entwicklung, wobei auch auf Nachhaltigkeit und Tierschutz geschaut wird.

Allein in Deutschland stehen von 2014 bis 2020 jährlich rund 6,2 Milliarden Euro an EU-Fördermitteln zur Verfügung, davon 4,85 Milliarden Euro in Form von Direktsubventionen. Nur 1,35 Milliarden Euro sind an bestimmte Leistungen gebunden. Insgesamt sind es in der Europäischen Union fast 60 Milliarden Euro, die jedes Jahr für Bauern und den ländlichen Raum ausgegeben werden.

EU-Kommissar Phil Hogan hatte Ende November erste Pläne für die Förderperiode ab 2021 vorgestellt, in denen die Säulenstruktur zum Missfallen der Umweltverbände nicht angetastet wurde. Hogan wolle zwar den einzelnen Ländern mehr Spielraum für die Verteilung der Gelder geben, damit sie auf soziale und ökologische Herausforderungen besser eingehen könnten, so der WWF. Fatalerweise fehlten in Hogans Vorschlag jedoch klare und verbindliche Ziele für die Mitgliedsstaaten. Ohne diese, fürchten die Umweltverbände, werde es nichts mit mehr Effizienz und Naturverträglichkeit. Der Nabu forderte einen völligen Stopp der bisherigen Pauschalzahlungen. Tschimpke kündigte mit Blick auf eine mögliche weitere Große Koalition von Union und SPD an, den öffentlichen Druck in den nächsten Monaten weiter zu erhöhen.

Das erste Opfer des Klimawandels
Der pazifische Inselstaat heute
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Am Strand von Tabiteuea im Norden der Hauptinsel Tarawa auf Kiribati schwimmen Kinder im Licht der untergehenden Sonne. Quelle: Urs Wälterin

Trügerische Idylle
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Stimmen die Prognosen der Wissenschaftler, dürfte Kiribati als erste Nation der Welt dem Klimawandel zum Opfer fallen. Quelle: Urs Wälterin

Kiribati
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Diese Brücke wurde vom Meer einfach weggespült, erzählt der junge Mann. Beton und Stahl gegen die steigende Flut, die hämmernden Wellen haben sie keine Chance. Dabei sei das erst der Anfang, warnen Fachleute. Quelle: Urs Wälterlin

Gefährliches Meer
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Das Meer frisst sich wie ein Krebsgeschwür ins Land, es sickert in Gärten, Baumplantagen. Salz und Pflanzen, das geht nicht zusammen. Palmen Lieferanten von Kokosnüssen sterben ab. In getrockneter Form werden sie zu Kopra verarbeitet, dem wichtigsten Exportprodukt von Kiribati. Quelle: Urs Wälterlin

Abfall als Schutzwall
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Die Menschen schützen sich mit dem, was sie haben. Sie bauen Seedämme, Schutzwände, um das eindringende Wasser abzuhalten, so gut es eben geht. Sie verwenden Korallenschutt, auch Beton. Und Abfall. Müllsäcke, Konservendosen, Babywindeln, Tierkadaver, Autowracks. Quelle: Urs Wälterlin

Anote Tong
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Anote Tong vor seinem Haus, im Hintergrund das Meer. Es wird alles viel schlimmer, als meine Leute hier glauben, sagt er. Klimaskeptiker, die es besser wissen müssten, vergleicht er mit Kriminellen. Quelle: Urs Wälterlin

Das Trinkwasser
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Amon Timan fischt Müll aus Wasser vor seinem Strand. Hinter den Bäumen, nur gerade etwa zwei Meter unter dem Meeresspiegel, liegt die Trinkwasserlinse. Er sei dankbar, sagt der 68jährige: das Wasser noch nicht so brackig ist wie an anderen Orten in Kiribati. „Ich hoffe, das bleibt weiter so“. Quelle: Urs Wälterlin

2017 sei ein Jahr des umweltpolitischen Stillstands gewesen, kritisierte auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Der Bundesregierung warf sie Totalversagen bei der Luftreinhaltung und dem Natur- und Klimaschutz vor und kündigte an, verstärkt den Rechtsweg beschreiten zu wollen. Schwerpunkte für 2018 seien die Durchsetzung der Regeln für saubere Luft in den Städten, die Reduzierung von CO2, Klimaschutz sowie eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaftspolitik.

Beim Klimaschutz sei es offensichtlich, dass es der Bundesregierung an Ambitionen und Tatkraft mangele, so der Vorwurf. Mehr als Ankündigungen habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der jüngsten Klimakonferenz in Bonn nicht zu bieten gehabt. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, warnte davor, dass Deutschland beim Klimaschutz weiter zurückfalle. Er forderte ein klimapolitisches Sofortprogramm, damit die verbindlichen Ziele für 2020 erreicht würden. Außerdem müssten die erforderlichen langfristigen Maßnahmen im Energie-, Wärme- und Verkehrssektor eingeleitet werden.

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9 Kommentare zu "Umweltschutz: Schwarzer Peter für die Landwirtschaft"

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  • Herr Spiegel und Herr Berger, ja wir haben eine industriellen Fleischproduktion und
    Verarbeitung und etwas anderes ist bei ueber 80 Mio. Buergern nicht moeglich.
    Darueber hinaus exportieren wir eine Menge Nahrungsmittel. Deutschland ist nicht
    ueberbevoelkert. Der zweitgroesste Nahrungsmittel-Exporteur der Welt (nach den
    USA) ist Holland mit einer groesseren Bevoelkerungsdichte. Wir haben auch keine
    erhoehte Wasserverschmutzung durch Guelle - unser Wasser ist heute wesentlich
    sauberer als vor 60 Jahren - damals konnte man im Rhein nicht schwimmen.
    Normal ist das heute in Deutschland jeder alles moegliche behauptet (nach-
    schwaetzt) was ueberhaupt nicht stimmt. Und niemand muss Schweinefleisch
    essen, der es nicht mag (Schweinefleisch ist im Mix mit anderen Nahrungsmitteln durchaus gesund). Es gibt genuegend bezahlbare Alternativen.

  • Herr Peer Kabus@ Da gabs hier doch einen Artikel zur Verwendung von Schweinefleisch oder Blut mit Herr Trump.................

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/reaktion-auf-barcelona-anschlag-trump-empfiehlt-blutige-kriegslegende-als-anti-terror-methode/20205764.html


  • Ich zumindest, werde die eklige Umweltpolitik von CDU/CSU bei den nächsten Wahlen entsprechend honorieren.

  • Richtig Herr Spiegel!

    Und dann vorzugsweise ausgerechnet auch noch solche Neubürger, für die Schweinefleisch kein Nahrungsmittel, sondern je nach Verwendung auch ein Fluchtgrund sein kann.

  • Herr Michael Berger@ Ich glaube nicht, daß Schweinefleisch billiger wird, denn die Schäden entstehen nachgelagert, denken Sie nur an das Grundwasser, das mit Gülle verseucht wird. Es könnte jetzt eine lange Liste, von Schäden, folgen..........
    Die Überbevölkerung bedeutet ein schlechteres Leben für alle, mit einer Schrumpfung der deutschen Bevölkerung auf 50 Millionen wäre viel erreicht worden aber die verrückte Regierung verursacht wie immer Schäden in dem sie Gäste ins Land holt.

  • Wir haben eine industrielle Fleischherstellung. Das hat mit Landwirtschaft nichts mehr zu tun und die Qualität lässt immer mehr zu wünschen übrig. Das einzige, was stimmt, Herr Henseler, ist, dass wir preisguenstiges Essen haben. Vielseitig auch nur, wenn man man die verschiedenen Schweinerassen getrennt zählt ...

    Kein Mensch weiss, was in einer vielseitigen, gesunden Fertignahrung drin ist, von der sich der durchschnittliche Deutsche ernährt. Pferdefleisch und Phosphorsäure dürften da noch die gesündesten Zutaten sein ... wir sind weit entfernt davon, unter den Industrieländern das gesündeste Essen auf dem Tisch zu haben!

    Durch immer höheren Anteil an Monokulturen haben wir immer größere Probleme durch Bodenerosion und Überschwemmungen.

    Und ja, Herr Spiegel, auch daran ist die Politik mit schuld! Aber wenn Verbraucherverbände die Missstände nicht ansprechen, wird's gewiss nicht besser, sondern nur billiger.

  • Es muß mal geschrieben werden:
    Die Vorsitzenden von BUND, NABU, WWF usw. sind hoch bezahlte Mitarbeiter und betreiben LOBBYARBEIT auf höchsten Niveau.
    Diese Lobbyarbeit kommt keinesfalls der gesamten Bevölkerung zu Gute.
    Eine alte Volksweisheit sagt dazu:
    Wer barfuß geht,
    darf keine Dornen säen.

  • Immer mehr Gäste von Frau Dr. Merkel und ihre Angehörigen brauchen immer mehr Nahrungsmittel.
    Ich frage mich warum die Gutmenschen jammern, man muß Opfer bringen, wenn die Regierung das will.

  • Strom kommt aus der Steckdose - Nahrungsmittel aus dem Supermarkt. Die von
    niemand legitimierten Umweltverbaende haben keine Ahnung von Ackerbau und
    Viehzucht. Die Landwirtschaft hat bewundernswertes geleistet - wir haben sehr
    preisguenstiges and damit fuer Alle verfuegbares gutes und vielseitiges Essen.
    Auf unbedarfte Kritik koennen wir getrost verzichten.

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