UN-Antrag
Struck für Bundeswehr-Einsatz im Sudan

Deutsche Soldaten könnten schon bald im Krisengebiet Darfur im Sudan eigesetzt werden. Falls die afrikanische Friedensmission scheitert, wäre Verteidigungsminister Struck zur Entsendung deutscher Truppen bereit.

HB BERLIN. „Deutschland muss nicht an der Spitze stehen, wenn es irgendwann um eine Erweiterung des UN-Einsatzes nach Darfur gehen sollte“, sagte Peter Struck der „Berliner Zeitung“. „Aber heraushalten sollten wir uns nicht.“ Die für einen Einsatz in Darfur nötigen sehr mobilen, technisch hoch spezialisierten und kampfkräftigen Einheiten habe die Bundeswehr.

Sollte der Einsatz der Soldaten der Afrikanischen Union in Darfur scheitern, müssten sich die Vereinten Nationen einschalten, sagte Struck weiter. Europa habe eine besondere Verantwortung für den afrikanischen Kontinent. „Von daher glaube ich, dass Europa beim Scheitern der afrikanischen Mission mehr Verantwortung übernehmen muss“, sagte Struck.

In der Region Darfur sind in den vergangenen zwei Jahren mindestens 180 000 Menschen durch Kämpfe, Hunger und Krankheiten ums Leben gekommen. Arabische Milizen haben dort zudem mehr als zwei Millionen Menschen - vorwiegend Schwarzafrikaner - aus ihrer Heimat vertrieben.

Struck äußerte sich in dem Blatt zudem über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Die Soldaten müssten sich darauf einstellen, dass ihr Einsatz in Afghanistan gefährlicher wird. Die deutschen Soldaten würden ab Oktober bei der Ausbildung von afghanischen Anti-Drogen-Einheiten helfen und die Einsätze logistisch unterstützen, sagte Struck. Dabei werde sich die Bundeswehr zwar nicht selbst an der Zerstörung von Drogenfeldern oder -laboren beteiligen.

„Trotzdem sehen die Drogenbarone die Fremden als die Initiatoren all solcher Aktionen an“, sagte Struck. „Das bedeutet mehr Gefährdung für unsere Soldaten.“ Darauf sei man aber vorbereitet. In dem Land sind rund 2000 deutsche Soldaten stationiert.

Der neue Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe (SPD), warnte derweil im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) vor einer Überforderung der Bundeswehr, ungeachtet seiner grundsätzlichen Zustimmung für den Vorstoß von Struck. Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Schäuble, begrüßte die Überlegungen. Dem „Kölner Stadt- Anzeiger“ sagte er: „Im Prinzip hat Struck Recht. Mich ärgert seit langem, dass die Weltöffentlichkeit über den Sudan hinwegsieht.“ Manches spreche dafür, dass die Afrikanische Union mit dem Problem alleine nicht fertig werde.

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