Unabhängigkeit der EZB

„Trichet ist nicht mehr Schiedsrichter der Geldpolitik“

Nach dem Stark-Rücktritt steht die EZB vor schweren Zeiten. Im Gastbeitrag skizziert FDP-Finanzexperte Frank Schäffler wie EZB-Chef Trichet die Unabhängigkeit wahren kann - und leistet sich einen Seitenhieb auf Schäuble.
24 Kommentare
Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

(Foto: dpa)

Die Maßnahmen der Staats- und Regierungschefs, der EZB und der EU-Kommission von Mai letzten Jahres haben damals viele als alternativlos bezeichnet. In einer Notsituation sei es gerechtfertigt, mit unkonventionellen Maßnahmen gegen eine Krise vorzugehen. Immerhin stand nach Auffassung vieler der Zusammenbruch des Finanzsystems auf dem Spiel.

Auch die beiden Falken im damaligen EZB-Rat, der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber und der damalige EZB-Volkswirt  Jürgen Stark stimmten am 10. Mai 2010 für den Ankauf griechischer Staatsanleihen, um den Anleihenmarkt zu stützen. Sie dachten wohl, dass die Einmaligkeit der Situation dies erlaube. Dass dies nicht gelang, erklärt wohl ihren Rücktritt.

Ob jetzt nach Weidmann erneut ein treuer Beamter in das wichtigste Gremium der EZB, in das Direktorium, wechseln muss, darf bezweifelt werden. Deutschland würde der gemeinsamen Währung Euro besser dienen, wenn es einen ausgewiesenen Falken zur EZB schickt. Dem Sozialdemokraten Asmussen eilt dieser Ruf nicht gerade voraus.

Diese "Überschreitung des Rubikon" wie es der ehemalige Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger kürzlich ausdrückte, hat inzwischen jedoch eine Interventionsspirale in Gang gesetzt, die in der Geschichte des Euro und auch der Deutschen Mark ihres Gleichen sucht. Interventionen ziehen neue Interventionen nach sich. Glaubte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lange, er könne die quantiative Lockerung der Geldpolitik wieder zurückfahren, so ist er spätestens seit der Intervention der EZB im italienischen und spanischen Anleihenmarkt im Sommer diesen Jahres, eines besseren belehrt. 

Gescheiterte Rettungslogik
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Unabhängigkeit der EZB - „Trichet ist nicht mehr Schiedsrichter der Geldpolitik“

24 Kommentare zu "Unabhängigkeit der EZB: „Trichet ist nicht mehr Schiedsrichter der Geldpolitik“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Staatsverschuldung" ist auch eine Folge unzureichender "Wettbewerbsfähigkeit". Doch kein Umkehrschluss - keine Schulden des Staates gleich ausreichende "Wettbewerbsfähigkeit". "Wettbewerbsfähig" sind die Unternehmen, welche die von ihnen "produziert en" Güter und Leistungen verkaufen (können). Und "wettbewerbsfähig" sind diejenigen Menschen, welche den Gebrauch ihrer Arbeitskraft verkaufen können.
    Wenn Frank Schäffler meint: "Griechenland, aber vielleicht auch Portugal haben im Euro kaum eine Chance Wettbewerbsfähig zu werden", also deren Unternehmen und Arbeitskräfte deshalb, weil sie die Preise für das von ihnen zu Verkaufende in Euro ausdrücken? Also, wenn zum Beispiel die griechischen Unternehmen und Arbeitskräfte diese Preis in Drachmen ausdrückten, dann wären sie wieder "wettbewerbsfähig"?
    Ja, es geht darum, global konkurrenzfähig zu sein, zu bleiben. Dazu braucht es hohe Produktivität des "Produzierens" und hohe Qualität des zu Verkaufenden, aber eben auch Verfügungsgewalt zur Bestimmung globaler Währungsverhältnisse. Die Analyse und Auseinandersetzung dazu wird die Veränderungen bestimmen, in deren Folge Kleinstaaterei aufgelöst, also Menschen von Ländern, die ein gemeinsames wirtschaftliches Gleichgewicht haben oder erreichen können, bestimmen, wer ihr (gemeinsamer) "Staat" sein soll.

  • "Denn verletzt die EZB nachweislich diesen Rahmen, muss gegen sie vorgegangen werden. Im Zweifel vor dem Europäischen Gerichtshof. Denn Not bricht nicht jedes Gebot......

    Zweitens: die Maastricht-Kriterien spielen keine Rolle mehr. Kein Land hat sich je daran gehalten, kein Land wird sich auch künftig daran halten. Daran wird auch ein neuer Sanktionsmechanismus nichts ändern." (zitate)

    ja - dann sind wir ja in einem "rechtsfreien europäischen" Raum schon längst angekommen -und keiner gibt es wirklich zu! Doch die Aussage " Not bricht nicht jedes Gebot" dürfte längst "gebrochen" sein
    oder wir haben noch keine "Not " mit der EZB und ihren Staatsanleihverbunkerungen?
    Die baldige Abstimmung des Bundestages mit dem noch weiterem Aufblasen der " Rettungsschirmchen- Luftballons " dürfte also dann nicht mehr sein als eine Farce!

  • @ Auslandsdeutscher,
    Trichet geht bald, als nächster kommt ein Mann der im Interesse der Mehrheit der Euroländer handeln wird.
    Was die die 1 Stimme betrifft das liegt daran dass man vermeiden wollte dem Diktat des Geldes unterworfen zu sein.
    Übrigens es ist auch so bei den üblichen Wahlen, es ist egal wie viel Steur Sie bezahlen, Sie haben trotzdem nur eine Stimme wie jeder Hartz IV-Empfänger oder Grundsicherungsempfänger.

  • Sie sind genau so ein Demagoge und Verdreher von Wahrheiten und haben Lust am Diffamieren von Positionen, die Ihnen nicht passen wie Ihr berühmter Namensvetter Adolf H.

  • „Trichet ist nicht mehr Schiedsrichter der Geldpolitik“

    War Trichet jehmals Schiedsrichter?

    Unter diesem Präsidenten wird das Recht mit Füßen getreten!
    Eine Präsidentschaft des Untergans! Danke Herr Trichet, dass Sie das Geld der Sparer vernichten! Ich hoffe, dass man Sie noch zur Rechenschaft ziehen wird, für den Rechtsbruch der EZB unter Ihrer Präsidentschaft.

  • @ Thomas-Melber-Stuttgart,
    Zu 1. Nach den Verträge darf ein Land nur simultan die Eurozone et die EU.
    Zu 2. Benachteiligung des betroffenen Landes durch Erschwernis der Exporte in die andere EU-Länder durch Zölle, dadurch Verringerung der Produktionszahlen und ergo wesentliche Verteuerung der Produkte vor allem im Ausland.

  • Die amerikanische Öffentlichkeit wird mit allem, was über den eigenen Tellerrand hinausgeht nicht konfrontiert, d.h. sie ist bewußst infantilisiert und ist gar nicht in der Lage sich ein objektives Bild zu machen. Das ist in Europa noch etwas anders und so sollte es auch bleiben.
    Dass die von ihnen avisierte europäische Instanz "objetiv" entscheiden wird, glauben Sie doch wohl selber nicht,selbstverständlich wird sie genau so interessegeleitet entscheiden, wie das in der Politik, seitdem es sie gibt, geschieht. Nur soll sie ja nach Ihren Vorstellungen nicht mehr demokratisch kontrollierbar sein und sogar umfassende Immunität besitzen. Ein Skandal sondersgleichen.

  • Trichet war niemals neutraler Schiedsrichter sondern immer schon Platzhalter für französische Interessen - im Gegensatz zu Duysenberg. In jedem geordneten Unternehmen halten die Kapitaleigner Stimmrechte entsprechend der Kapitalanteile. Dass die Bundesbank trotz Kapitalanteil von ca. 30% nur 1 Stimme hat - genau wie die Südländer, belegt die Unfähigkeit unserer Politiker. Trichet hätte niemals EZB Chef werden dürfen. Die Konsequenzen muss nun der deutsche Steuerzahler ausbaden.

  • Berechtigte Frage: Warum bekommt gerade der Schäffler das Wort? Das ist doch der schlimmste Scharfmacher in der gesamten Eurozone.
    Ich denke das HB will unbedingt die FDP retten.
    Es ist die Geldpartei und die Medien müssen sich gut stellen mit dieser Mafia damit über die Werbung und Spenden der Lebenssaft weiter fließt.

  • Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen nach dem Zusammenbruch der EZB zur Verantwortung gezogen werden. Wer gegen geltendes Recht versößt, auch wenn es nur Vertragsrecht unter Staaten ist, soll zur Verantwortung gezogen werden.

    Die EZB schädigt uns redlichen Sparer durch hohe Inflation. Mein Geldwert sinkt um ca. 2,5 % jährlich. Und was macht die EZB dagegen, diese Lügenorganisation? Nichts!

    Ich wünsche der EZB, dass sie an den aufgekauften Schundanleihen ersickt und letztendlich die Verantwortlichen bestraft werden, wenn es noch einen Funken Gerechtigkeit geben sollte.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%