Ungewollte Löschung
Parteizentrale vom Bildschirm verschwunden

Während sich die Bürger über Google-Street-View beschweren und ihre Häuser aus der digitalen Welt löschen wollen, geht es den Grünen anders: Die Parteizentrale in Berlin-Mitte hat sich scheinbar von selbst im Netz unsichtbar gemacht. Dabei hätten die Grünen nichts gegen die Veröffentlichung gehabt.
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BERLIN. Aus Sicht von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) geht der Google-Konzern bei seinem Street-View-Projekt überaus nachlässig mit den Einsprüchen von Bürgern um, die der Veröffentlichung von Bildern ihrer Häuser widersprechen. "Bei der Eile, mit der die Flut von rund einer Viertelmillion Widersprüchen bearbeitet wurde, ist leider die Sorgfalt auf der Strecke geblieben", klagte Aigner am Wochenende. Unterstützung bekommt sie von FDP-Generalsekretär Christian Lindner, der gleich neue Regeln fordert. Jeder Einzelne müsse in der Lage sein, auch bei einem kommerziellen Anbieter über seine Daten zu verfügen.

Allerdings kennt der begrenzte Einfluss auf die Verwertung von Street-View-Bildern nicht nur eine Richtung. Denn ganz ohne Zutun der Partei haben die Google-Leute auch das Gebäude der Parteizentrale der Grünen in Berlin-Mitte unsichtbar gemacht. Dabei hätten die Grünen nach Angaben von Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz nichts gegen die Veröffentlichung gehabt. Schließlich sei der gelbe Altbau am Platz vor dem Neuen Tor "wohl die schönste Parteizentrale in Berlin". Google habe erklärt, Unbekannte hätten die Verpixelung beantragt, sagte Spitz. Sie sei auch nicht rückgängig zu machen. Strenge Datenschutzregeln für den Bilderdienst hält Netzexperte Spitz weiterhin für richtig, "auch wenn wir jetzt selber von der missbräuchlichen Nutzung betroffen sind".

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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