Ungleiche Bewertungsmaßstäbe
Ökonomen stärken HWWA den Rücken

Führende deutsche Ökonomen haben das drohende Aus für das Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWA kritisiert. „Das HWWA hat sich aus meiner Sicht positiv entwickelt“, sagt Wolfgang Wiegard, Vorsitzender des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

asr/ost/pbs DÜSSELDORF. „Wenn man das HWWA von der ,Blauen Liste’ streichen würde, müssten auch zwei andere Wirtschaftsforschungsinstitute fällig sein.“ Die Blauen Liste umfasst rund 80 Forschungsinstitute, die in der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) zusammengeschlossen sind und vom Bund und den Ländern jeweils zur Hälfte finanziert werden.

In der vergangenen Woche hatte die WGL empfohlen, die Hamburger Denkfabrik als eigenständige Einrichtung nicht mehr zu fördern. Vorangegangen war die turnusgemäße Bewertung des Instituts. Die WGL kritisiert vor allem eine mangelnde Serviceorientierung. Serviceprodukte seien unsystematisch aufgebaut, es fehle die Verknüpfung von Forschungsergebnissen und Dienstleistungen, das Angebot sei nicht nutzerfreundlich. „Insgesamt weist das HWWA Defizite auf, die zu einer unzureichenden Ausschöpfung seines Leistungspotenzials führen“, heißt es in dem Bericht.

„Wenn man die gleichen Bewertungskriterien an die anderen Institute anlegt, kann man sehr wohl in Frage stellen, ob das richtige Institut geschlossen werden soll“, sagt der Münsteraner Ökonom Ulrich van Suntum. Aus seiner Sicht leistet die Hamburger Denkfabrik sehr gute Arbeit. Mit dieser Einschätzung steht van Suntum nicht allein. Charles B. Blankart, stellvertretender Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums, lobt vor allem die wirtschaftspolitische Linie des HWWA: „Es ist eines von wenigen Institute, das sich klar für die wirtschaftliche Freiheit einsetzt.“

Lob gibt es vor allem für die Arbeit von HWWA-Präsident Thomas Straubhaar: „Das Institut hat sich unter seiner Führung stark verbessert“, hebt Norbert Berthold hervor, Ökonomieprofessor und ebenfalls Mitglied des wissenschaftlichen Beirats. Auch im Ministerium selbst ist der HWWA-Chef angesehen: „Straubhaar hat gute Arbeit geleistet“, heißt es dort ausdrücklich.

Straubhaar selbst kann indes die Beurteilung nicht in allen Teilen nachvollziehen. So sei zwar der Bereich der Bibliothek als verbesserungswürdig beurteilt worden – der Forschungsbereich dagegen als gut. „Die Konzentration der Beurteilung auf die Bibliothek ist eine Verengung der ursprünglichen Spielregeln“, kritisiert Straubhaar. Bei der letzten Überprüfung der Arbeit des HWWA im Jahr 1996 hieß es im Abschlussbericht: „Das Informationszentrum soll mit angemessener wissenschaftlicher Kompetenz auf den Gebieten weltwirtschaftliche Entwicklung, insbesondere der weltwirtschaftlichen Verflechtung zwischen Industrieländern (...) ausgestattet sein.“

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