Ungleiche Bezahlung
Zeitarbeiter sollen deutliche Zuschläge bekommen

Zeitarbeiter verdienen bis zu 80 Prozent weniger als die Stammbelegschaft. Bundesarbeitsministerin von der Leyen droht nun mit einer gesetzlichen Regelung, wenn die Branche nicht selbst Zuschläge vereinbart.
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BerlinNach IG Metall und IG BCE nimmt nun eine dritte Gewerkschaft die Durchsetzung neuer Branchenzuschläge für Zeitarbeiter in Angriff: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will mit den Zeitarbeitsverbänden ein solches Abkommen für die Ernährungsindustrie treffen. "Wir haben erste Kontakte zum Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister geknüpft und wollen als Nächstes Sondierungsgespräche führen", sagte das für Tarifpolitik zuständige NGG-Vorstandsmitglied Claus-Harald Güster dem Handelsblatt.

Die Gewerkschaft folgt damit einem Beispiel, das auch nach Ansicht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Schule machen soll: Die IG Metall hatte Ende Mai mit den beiden Zeitarbeitsverbänden BAP und IGZ vereinbart, dass Zeitarbeiter künftig bei Einsätzen in der Metallindustrie ihren Basislohn um bis zu 50 Prozent aufgestockt bekommen. Dies soll das Gefälle zwischen dem Tariflohn für Stammbeschäftigte und dem für Zeitarbeiter einebnen, damit Zeitarbeit nicht mehr als Lohnsenkungsinstrument taugt.

Die IG BCE steht bereits kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung für die Chemieindustrie. Von der Leyen droht, gleiche Löhne für Zeit- und Stammkräfte per Gesetz festzuschreiben, falls die Zeitarbeitsbranche nicht freiwillig mit den Gewerkschaften der einzelnen Branchen Zuschläge vereinbart.

In der Ernährungsindustrie ist die Ausgangslage jedoch ungleich komplizierter als bei Metall und Chemie mit ihren großen Flächentarifverträgen: Unter dem Dach der Ernährungsindustrie versammelt sich ein halbes Dutzend Sparten mit je eigenständigen Tarifverträgen. Daher sind dort auch die Abstände der einzelnen Tariflöhne für Stammkräfte zum jeweiligen Vergleichslohn der Zeitarbeitsbranche höchst unterschiedlich.

In der Obst- und Gemüseindustrie etwa macht das Gefälle je nach Tätigkeit zwischen 20 und 40 Prozent aus, wie eine Übersicht der NGG zeigt. In der Zuckerindustrie, die ihr Personal zum Teil höher bezahlt als die Metallindustrie, beträgt der Vorsprung der Stammkräfte gegenüber dem Zeitarbeitstarif sogar rund 80 Prozent.

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Die Zuckerindustrie bezahlt gut

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  • Wer derart wenig im Verhältnis zur Stammbelegschaft verdient,

    sollte auf Bildung einer Kriminellen Vereinigung zu Durchsetzung von Wucherlohn klagen.

    Nach BGB liegt Wucherlohn vor, wenn der Lohn 65% des Wertes der Arbeit unterschreitet.

    Wucherlohn ist ein Offizialdelikt, das von Staatsanwaltschaften verfolgt wird.

  • Gleiche Arbeit, gleicher Lohn. So sollte es sein. Mindestens.

    Im kapitalismus sollte mehr Profit machen, wer mehr Risiko trägt. Das sind die Leiharbeiter. Sie sollten also eher mehr bekommen als die Stammarbieter, statt weniger.

    Die Flexibilisierung der Personalkosten bedeutet weniger Risiko für das Unternehmen - mehr für die Leiharbeiter. Gerade im Kapitalismus sollten damit eigentlich höhere Lohnkosten zu rechtfertigen sein, da das Risiko auf die Leiharbeiter abgewältzt wird.

    Was läuft schief? Mehr Leistung und mehr Risiko führen zu weniger - statt mehr Lohn. Sind Leistungsprinzip und Kapitalismus abgeschafft. Oder haben es die neuen Ökonomen nur nicht verstanden - das Prinzip. Oder gibt es gar keinen Markt mehr und alle (unteren) Löhne werden, zum Wohle der Industrie, einfach angeordnet?

  • Wer will den Wahnsinn der "Amerikanisierung" EUropas eigentlich aufhalten. Gespielt wird ständig eine gegen die andere Nation zum Wohle unserer Froinde. Sie segnen durch fragile Zusagen für die Ja-Sager Nationen schon mal ihr Eigenlob ab. Wer eine eigene Meinung ohne Rückenwind von der Bevölkerung ins Spiel bringt, der wird wie Mr. Louis de Funès in den Dünen umherirren müssen. Und wer sorgt hier in Deutschland für andere Verhältnisse? Vielleicht die WählerINnen, falls sie doch noch aufgerüttelt werden.

    Es sind Dinge auf den Weg gebracht worden, die uns das Genick brechen werden. Geradewegs in den Ruin getrieben, damit die Bewohner über dem großen Teich auch fürderhin ein gesegnetes Einkommen zum Auskommen haben dürften. Natürlich nicht für die Mehrheit. 200 Jahre Filter sind genug, zu wissen wem die Welt gehört.

    Hundert Jahre Arbeiterkämpfe in EUropa werden durch kannibalistische Arbeitsverhältnisse abgesegnet und deren Erfolge für die arbeitende Bevölkerung zunichte gemacht. Cheers die einen und für diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Prost hat für sie so etwas Proletenhaftes. Leider auch in deutschen Landen mit der allgegenwärtigen Einteilung. Abgehobene, durch gezielte Lobby-Arbeit willfährige Parlamentarier an ihre Zusagen erinnernd, lassen einen kleinen Mittelstand zu, der wiederum dafür Sorge zu tragen hat, Emporkömmlinge schon dort zu korrumpieren, wo es sinnvoll erscheint, am Beutel sollt ihr genesen. In der Erweiterung darf nun wirklich von einer offenen Korruption gesprochen werden.

    Das tollste Dinge sind die Vergabebedingungen an Unternehmen, die zumindest bei mittleren bis größeren Vorhaben, dieselben vorsorglich schon einmal ausgeführt haben sollten. Wie das geht, wahrscheinlich nur durch erklärtes Schmiermittel zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Die einen arbeiten sozusagen zu, als Subunternehmer von Generalunternehmen.

    Wie Korruption zustandekommt erzählt vielleicht ein Seelsorger, weniger PolitikerINnen.

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