Uni-Klinikärzte
Spitzengespräch soll Durchbruch im Tarifstreit bringen

Die Gespräche der Unterhändler im monatelangen Tarifkonflikt brachten auch am Dienstagabend keine Fortschritte. Die Ärzte-Gewerkschaft zeigte sich enttäuscht und kündigte an, notfalls würden die Streiks verschärft. Ein Spitzengespräch soll den Durchbruch bringen

HB KÖLN/HANNOVER. Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, schlug ein Treffen mit dem Chef des Marburger Bundes (MB), Frank Ulrich Montgomery, vor. „Jetzt müssen wir uns mal vernünftig zusammen setzen, damit wir eine Einigung auch in dieser Woche noch hinbekommen“, sagte der niedersächsische CDU-Finanzminister in Hannover.

Der TdL-Vertreter Ulrich Rieger sagte: „Die offenen Fragen sollen in einem Spitzengespräch geklärt werden, vermutlich am Donnerstag in Dresden.“ Am Mittwoch werde es eine Schaltkonferenz der Finanzminister der Länder geben. Möllring hatte den Lohnforderungen des Marburger Bundes am Dienstag trotz der erzielten Annäherung auf Arbeitsebene am Wochenende eine Absage erteilt. Eine Lösung könne erst bei einem Spitzengespräch in dieser Woche gefunden werden.

Der MB-Unterhändler Lutz Hammerschlag sagte am Abend in Köln: „Es hat keinen Zweck, mit einer Arbeitgeberseite weiter zu verhandeln, die keine Prokura hat.“ Falls es kein Angebot gebe, werde es „einen harten Erzwingungsstreik“ geben. „Die Streiks werden ausgedehnt. Zur Not fünf Tage die Woche“, kündigte Hammerschlag an.

Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, ob es bei dem Treffen in Köln, das nach stundenlanger Verzögerung begann, doch noch eine Einigung geben könnte. Der Sprecher der Ärztegewerkschaft, Athanasios Drougias, sagte: „Es wird ernsthaft verhandelt.“ Weiter erklärte er: „Herr Möllring scheint zurückgerufen worden zu sein“.

Unterdessen streikten am Dienstag nach weiteren Angaben des Marburger Bundes erneut bundesweit rund 12 000 Ärzte. Allein bei einer Kundgebung in Würzburg gingen nach Angaben der Ärztegewerkschaft 6 000 Mediziner von Universitätskliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern aus ganz Deutschland auf die Straße.

Montgomery zeigte sich enttäuscht über den Ablauf der Gespräche. „Man ist mittlerweile auf alles gefasst bei dem Stil der Tarifverhandlungen“, sagte er. Das Vorgehen der Arbeitgeber bezeichnete er als eine „Posse“ und die Verhandlungen als „unprofessionell“. Zugleich kündigte er an, dass die Streiks der Ärzte weiter gehen werden.

Am vergangenen Wochenende hatten sich die Tarifpartner nach fast acht Wochen andauernden Streiks in einem Verhandlungsmarathon wesentlich angenähert, aber noch keinen Durchbruch erzielt. In den Tarifverhandlungen geht es um die Gehälter von 22 000 Ärzten.

Ursprüngliche hatte der Marburger Bund 30 Prozent mehr Gehalt sowie bessere Arbeitsbedingungen für die Ärzte an Unikliniken und psychiatrischen Krankenhäusern gefordert. Die öffentlichen Arbeitgeber appellierten an die Ärzte, an ihre Verantwortung für die Patienten zu denken. Es sei ein positives Signal, dass gemeinsam Kompromissmöglichkeiten gefunden und skizziert wurden.

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