Unicef
Kinder zu lang in Sammelunterkünften

Geflohene Kinder und Jugendliche seien in deutschen Flüchtlingsunterkünften häufig auf viel zu engem Raum untergebracht und kaum vom Übergriffen und Gewalterfahrungen geschützt, sagt das Uno-Kinderhilfswerk Unicef.
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BerlinUnicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, beklagt in Deutschland eine zu lange Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Massenunterkünften. „Viele Mädchen und Jungen halten sich viel zu lange in Sammelunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen auf“, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, am Dienstag vor Journalisten in Berlin. Die Kinder und Jugendlichen seien dort häufig auf viel zu engem Raum untergebracht und kaum vor Übergriffen und Gewalterfahrungen geschützt. Diese Art der Unterbringung sei auch wegen des oft nicht gewährleisteten Zugangs zu Schulbildung ein besonders großes Hindernis für die Integration. In den vergangenen beiden Jahren sind etwa 350.000 minderjährige Flüchtlinge in Begleitung ihrer Eltern nach Deutschland gekommen.

Nach der Unicef-Studie „Kindheit im Wartezustand“ wurden ein Viertel der befragten Kinder Zeugen von Gewalt und Übergriffen in Flüchtlingsunterkünften, zehn Prozent wurden selbst zum Opfer. In Not- und Sammelunterkünften gebe es zudem kaum Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre, vielfach herrschten auch schlechte hygienische Bedingungen. Aufgabe der Politik müsse es daher sein, die Aufenthaltsdauer in Sammelunterkünften für Familien mit Kindern soweit wie möglich zu begrenzen, da diese generell „nicht kindgerecht“ seien.

Besonders problematisch sei, dass die Unterbringung von Minderjährigen in Sammelunterkünften in vielen Fällen dem Zugang zu Kitas und der Durchsetzung der Schulpflicht im Weg stehe. „Tristesse und Warten statt Integration und Lernen prägen den Alltag vieler Kinder“, sagte Schneider. Dies stelle auch für die Eltern ein Integrationshindernis dar, da Kinder eigentlich die Fähigkeit hätten, die deutsche Sprache besonders schnell zu erlernen und somit die Integration der gesamten Familie fördern könnten.

Unicef kritisierte zudem den Gesetzesentwurf zur Durchsetzung der Ausreisepflicht, der eine Ausweitung der Personengruppe vorsieht, die unbefristet zum Verbleib in Erstaufnahmeeinrichtungen verpflichtet werden könnte. Damit wäre nach der Einschätzung von Unicef einer großen Zahl von Kindern dauerhaft der Zugang zu Schulen und Integration verwehrt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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