Unicef
Nothelfer in Not

Die Reputation des Kinderhilfswerks Unicef hat Schaden genommen. Daran kann auch der Rücktritt des umstrittenen Unicef-Geschäftsführers Dietrich Garlichs nichts ändern. Hoch dotierte Beraterverträge und satte Provisionen – die Vorstandsetage von Unicef ist zu freizügig mit ihrem Geld umgegangen. Nun fordert die Basis einen echten Neuanfang.

DORTMUND. Bloß nicht auffallen. Bloß nicht zeigen, dass man dazugehört zu dieser Truppe, die im Stundenrhythmus in den Radionachrichten mit dubiosen Geschäften, mit Misswirtschaft, mit der Verschwendung von Spenden in Verbindung gebracht wird. Bloß nicht angesprochen werden auf all diese fragwürdigen Vorgänge. „Eigentlich wollte ich in den letzten Tagen mit zwei vollen Sammeldosen zur Bank und das Geld einzahlen“, erzählt Kerstin Lausten. „aber ich hab’ es nicht gemacht. Ich konnte nicht, ich hab mich geschämt.“

Auf den Spendenbüchsen, mit denen sich Lausten nicht mehr in die Öffentlichkeit traut, steht in weißen Buchstaben auf blauem Hintergrund „Unicef“. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, eine große, stolze Organisation, die seit Jahrzehnten Kindern in den ärmsten Ländern der Welt hilft, die Impfstoffe, Schulhefte und Moskitonetze beschafft, die ehemalige Kindersoldaten betreut und Kampagnen gegen sexuelle Ausbeutung und die Beschneidung von Mädchen. Eine Organisation mit einem tadellosen Image. Bis jetzt.

Inzwischen müssen sich die Menschen, die Unicef unterstützen, permanent rechtfertigen. Mit welchen Argumenten? Das wissen sie selbst nicht mehr so genau. „Es wird schwieriger, die Sache zu verteidigen, den Leuten glaubhaft zu versichern, dass ihre Spenden bei den Kindern in Afrika landen“, sagt die 55-jährige Lausten, die vor gut einem halben Jahr in Lünen am östlichen Rand des Ruhrgebiets mit Mitstreitern eine Unicef-Geschäftsstelle aufbaute.

Nur wenige Monate später nahm ein Skandal seinen Lauf. Seit November erschüttern Vorwürfe die deutsche Sektion der Organisation. Da ist von hoch dotierten Beraterverträgen für pensionierte Unicef-Mitarbeiter die Rede, von satten Provisionen für Spendenvermittler, davon, dass zu freizügig mit Geld umgegangen wurde. Im Mittelpunkt steht dabei Dieter Garlichs, seit 18 Jahren Geschäftsführer des Kinderhilfswerks.

Aus Protest gegen ihn und das Verhalten des restlichen deutschen Unicef-Vorstands tritt die einstige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis vor einer Woche als Vorstandsvorsitzende des Kinderhilfswerks zurück.

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