Union fällt in Emnid-Umfrage auf 40,5 Prozent
Verzweifelter Kampf gegen Schwarz-Rot

Eine Woche vor der Bundestagswahl und nach Umfrageneinbußen für die Union nehmen die Warnungen vor einer großen Koalition massiv an Schärfe zu. Eine Zusammenarbeit von SPD und Union bedeute Stillstand, hieß es am Wochenende übereinstimmend bei Unions-Politikern, Industrie und Gewerkschaften. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), der in Sachsen mit der SPD regiert, sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") sogar von einer "Horrorvision". Doch angesichts der jüngsten Umfrageergbnisse wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es genau so kommt.

HB BERLIN. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel forderte nach "FAS"-Informationen ihre Ministerpräsidenten dazu auf, gegen ein solches Bündnis Stimmung zu machen. Hauptgrund für die Spekulationen über eine große Koalition sind jüngste Umfragen, nach denen Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr hat. Die FDP rief auf ihrem Parteitag in Berlin zu einer "Zweitstimmen-Kampagne" auf. Die Union kündigte an, den Wahlkampf bis zur letzten Sekunde zu führen.

Vehemente Kritik gab es auch erneut an einem möglichen Zusammenschluss von SPD und Grünen mit der Linkspartei. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte dem Berliner "Tagesspiegel", im Falle eines rot-rot-grünen Bündnisses werde es "einen dramatischen Stimmungseinbruch" in der Wirtschaft geben. Allerdings schloss Kanzler Gerhard Schröder (SPD) am Sonntag in einem Interview mit privaten Hörfunksendern erneut kategorisch ein Zusammengehen mit der Linkspartei aus: "Das wird es nicht geben - weder mit mir noch mit der Führung der SPD." SPD-Chef Franz Müntefering sagte: "Merkel verleumdet uns, wenn sie es trotzdem immer wieder behauptet."

Die aktuellen Kurse der Wahlprognosebörse "Wahlstreet"

Schröder zeigte sich trotz des Umfragerückstands der SPD gegenüber der Union zuversichtlich, am nächsten Sonntag als Sieger aus der Bundestagswahl hervorzugehen. Schon aus Respekt vor den Wählern dürfe die Opposition aber nicht so tun, als ob die Wahl schon gelaufen sei. Von der SPD fühlt er sich nach eigenen Angaben nun wieder voll unterstützt. "Diese Diskussionen gehören der Vergangenheit an", sagte Schröder der "Sächsischen Zeitung". Wegen der fehlenden Unterstützung aus seiner Fraktion hatte er nach der verlorenen Vertrauensfrage den Bundespräsidenten gebeten, den Bundestag aufzulösen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lehnte ein Bündnis von Union und SPD ebenso ab wie die IG Metall - allerdings aus unterschiedlichen Gründen. BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung": "Die SPD kämpft für ein "Weiter so". Die Union will einen neuen Aufbruch. Das passt nicht zusammen." Eine große Koalition wäre "eine ganz schlechte Lösung für unser Land", sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann im Deutschlandfunk. "Insofern wünschen wir einen Regierungswechsel", sagte Thumann.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Eine Demokratie lebt davon, dass der Regierung eine starke Opposition gegenübersteht. In einer großen Koalition würde dieser Grundsatz hintangestellt." Die Linkspartei könnte seiner Ansicht nach dafür sorgen, dass es am 18. September "eine Mehrheit links von der Mitte gibt". Ob es dann aber zu einer rot-rot-grünen Koalition komme, müssten die Parteien untereinander besprechen.

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