Union rüstet sich für Machtwechsel - Kauder bestätigt
CDU demonstriert Selbstbewusstein

Als die Kandidatin mit ihrer Rede zu Ende ist, springen rund 12 000 Delegierte und Anhänger wie auf Knopfdruck von ihren Sitzen.

HB DORTMUND. Die Jungen mit den orangefarbenen T-Shirts recken ihre Plakate hoch: "Wechsel wählen", "Angie" oder "Wir werden Kanzlerin".

"Angie, Angie", tönt es von den Rängen der Dortmunder Westfalenhalle an diesem Nachmittag - drei Wochen vor der Wahl. Angela Merkel winkt. Die Unions-Ministerpräsidenten und Mitglieder des "Kompetenzteams" strömen mit auf die Bühne. Ein Moderator ruft: "Angela Merkel - die Hoffnung, die Lösung, die Zukunft für unserer Land."

Nie zuvor war die CDU in einem Wahlkampf "amerikanischer" angetreten als an diesem Sonntag. Nur ein Meer von Luftballons fehlte. Ansonsten hätte die Veranstaltung auch gut jenseits des großen Teiches stattfinden können, auch wenn dort noch mehr und erbarmungsloser auf die Emotionsdrüse gedrückt wird.

Sieben Jahren nach dem Verlust der Macht wollte die Partei den Sieg fast herbeijubeln. Merkels Rede war Teil einer Inszenierung, die noch den SPD-Wahlparteitag 1998 in Leipzig in den Schatten stellte.

Der galt bis dahin als Maßstab für die Verbindung von Show und Politik, als Blaupause für die Emotionalisierung des Wahlkampfs.

Merkel passte sich in ihren 50 Minuten voll in dieses Konzept ein.

Sie verließ zwar nicht die Grundlinie ihrer Wahlkampfreden, den Menschen eher die Konzepte der Union zu erklären als plump schwarz-weiß zu malen. Sie spitzte aber schon zu, bemühte auffällig oft das Wort "Richtungswahl". "Wir wollen es grundlegend anders machen, damit es grundlegend besser wird." Deutschland stehe vor einer "entscheidenden Weichenstellung wie 1949", war ein anderer markanter Satz.

Trommler, Laser und Rock-Songs: Stunden vor dem Einzug der Kandidatin, ihres Wahlteams und der Riege der Ministerpräsidenten wurde dem Saalpublikum eingeheizt. Die Mitglieder der Musical-Gruppe "Mayqueen" spielten Songs der legendären Band "Queen" und ihres Sängers Freddy Mercury. Auch Generalsekretär Volker Kauder, erklärter Fan von "Queen" und später mit Top-Ergebnis offiziell im Amt bestätigt, schwang in der ersten Reihe Hüfte und Arme.

Zum Abschluss ihres Auftritts spielten die Musiker "We are the champions" - nur wenige im Saal waren von der Auswahl des Stücks für diesen Anlass überrascht. Ganz vom Geist der Stunde gefangen, hatte kurz davor der Sänger in den Saal gerufen: "Vielen Dank, liebe CDU'ler." Und selbstverständlich wurde auch so ein Satz mit lautem Gejohle quittiert.

Die CDU gab sich modern. Und doch knüpften die Christdemokraten mit dem Veranstaltungsort Westfalenhalle bewusst an die Zeit Helmut Kohls an. Der Ex-Kanzler hatte dort mehrmals mit ähnlichen "Feldmessen" die heiße Phase des Wahlkampfs eingeläutet, aus denen er vier Mal als Sieger hervorgegangen war. Mit lauten "Helmut, Helmut"-Rufen wurde Kohl dann auch begrüßt, als er durch die Reihen schritt. Seite an Seite mit Merkel verfolgte Kohl das Polit-Spektakel und kam zum Schluss sogar mit auf die Bühne.

Die Union demonstrierte Selbstbewusstsein, obwohl auch in den zurückliegenden Wahlkampfwochen nicht alles nach Wunsch gelaufen war. CSU-Chef Edmund Stoiber, der mit seinen Aussagen über das Wahlverhalten der Ostdeutschen für Spannungen zwischen CDU und CSU gesorgt hatte, wurde nicht übermäßig herzlich begrüßt. Merkel reichte ihm in ihrer Rede aber die Hand.

Die Grußworte der zehn CDU-Ministerpräsidenten sollten die Geschlossenheit der Union symbolisieren. Mancher im Saal wird da aber auch die Schlagzeilen vom Wochenende im Kopf gehabt haben, aus denen Streit über die Steuerpläne von Merkels Finanzfachmann Paul Kirchhof abzulesen waren. Der starke Beifall, als Merkel Kirchhof lobte, war auch ein Wink an dessen Kritiker. Der mögliche Sieg sollte nicht noch auf der Zielgeraden verspielt werden.

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