Union stellt Parteichefin als Kandidatin auf
Merkel nimmt Kanzleramt ins Visier

Mit einer demonstrativ einmütigen Nominierung der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zur ersten Kanzlerkandidatin in Deutschland hat die Union den Kampf um den Machtwechsel im Herbst aufgenommen.

HB BERLIN. Die Herausforderin von Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) kündigte für den Fall eines Regierungswechsels eine große Steuerreform, eine Abkoppelung der Sozialbeiträge von den Lohnkosten und einen Umbau der Pflegeversicherung an.

"Angela Merkel hat das volle Vertrauen und die volle Unterstützung von CDU und CSU, sie hat die CDU in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg geführt", sagte der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber nach einer Sitzung der Präsidien von CDU und CSU in Berlin. Sein Vorschlag für Merkel sei einstimmig unterstützt worden. Merkel kündigte für den 11. Juli das Wahlprogramm der Union an, in dem auch Eckpunkte für eine große Steuerreform festgelegt werden sollen. Weitere Ziele der Union nach einem Regierungswechsel seien der Abbau von Bürokratie und Massenarbeitslosigkeit, sagte Merkel. Sie wurde mehrfach vom rhythmischen Applaus von etwa 100 Unionspolitikern und-anhängern unterbrochen, die in die CDU-Zentrale gekommen waren. Präsidiumsmitglieder mahnten in der Sitzung mit Blick auf den internen Streit über den Kurs in der Steuerpolitik nach Angaben von Teilnehmern zur Zurückhaltung.

"Ich werde alles tun, dass Sie die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden", sagte Stoiber unter großem Beifall zu Merkel. Die CSU werde die gleiche Einigkeit garantieren, die er 2002 als Kanzlerkandidat durch Merkel gehabt habe. Stoiber sprach von einer großartigen Bilanz Merkels. Die 50-Jährige habe wesentlich dazu beigetragen, dass elf der 16 Bundesländer inzwischen eine unionsgeführte Regierung hätten. Außerdem habe sie die Unions-Bundestagsfraktion als Vorsitzende zusammengehalten und zu einer geschlossenen Formation geprägt. In der Sitzung der Unionsspitzen hatte Stoiber nach Angaben von Teilnehmern das Wort ergriffen und erklärt, nach seiner Überzeugung solle Merkel die Union in den anstehenden Bundestagswahlkampf führen. Als dann großer Applaus aufgekommen sei, habe der bayerische Ministerpräsident den Beifall zur offiziellen Zustimmung der Unionsspitze erklärt.

Stoiber sagte auf die Frage, wann er nach jahrelangem Machtkampf seine eigenen Ambitionen für eine erneute Kandidatur aufgegeben und sich auf Merkel als Spitzenkandidatin eingestellt habe, die Grundentscheidungen für den Bundestagswahlkampf seien bereits Anfang Mai gefallen.

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