Union
Volker Kauder schwimmt sich frei

Der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat mit seinen kritischen Äußerungen zu Plänen der Familienministerin von der Leyen für Unruhe gesorgt. Doch es wird angenommen, dass hinter der Dissonanz System steckt und Kauder eine Rolle spielt. Das Ziel: Wählerstimmen.

BERLIN. Er ist kein Mann, der gern für Aufregung sorgt – Volker Kauder. Aber vergangene Woche wirkte es kurze Zeit so, als habe der nüchterne Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Aufstand gegen die Regierung gewagt. Denn seine Kinderkrippen-Äußerungen nach der Koalitionsrunde wurden als Demontage der Familienministerin Ursula von der Leyen gewertet. Prompt geriet die Berliner Politszene über die angeblich aufgebrachte Kanzlerin und die schmollende Ministerin in Wallung.

Inzwischen ist die aufgeregte Karawane weitergezogen und hat sich anderen Themen zugewendet. In der Fraktionssitzung am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch klargestellt, es sei unstrittig, dass es einen Mehrbedarf an zusätzlichen Krippenplätzen gebe. Beim Kabinettsfrühstück am Mittwochmorgen herrschte bereits wieder Harmonie, sagte ein Unions-Minister. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es zwar keinen Bruch zwischen der CDU-Seite der Regierung und der CDU-Fraktion gibt, sehr wohl aber eine neue Rolle, die Kauder einnimmt – nicht zum ersten Mal.

„Das ist ein Spiel mit verteilten Rollen“, sagt ein Kabinettsmitglied mit kurzem Draht zur Kanzlerin. Merkel sei sehr einverstanden damit, dass der Mann aus Tuttlingen den verwaisten konservativen Flügel der Klientel der Partei und von der Leyen das liberale Großstadtpublikum anspreche. Meinungsvielfalt sei nötig, wenn die CDU mit dem Krippen-Vorstoß ihre Wählerklientel verbreitern wolle, ohne auf der anderen Seite zu viele Anhänger zu verprellen. Kauder gilt immerhin als strammer Verfechter konservativer Werte, er hatte das Thema Spätabtreibungen in den Koalitionsvertrag geboxt und schon mit dem Elterngeld seine Schwierigkeiten.

Der Fraktionsvorsitzende habe seit Jahresbeginn bewusst und in Absprache mit dem Kanzleramt eine neue Strategie eingeschlagen, heißt es in der Fraktionsspitze. Die ersten eineinhalb Jahre der Legislaturperiode kam es vor allem darauf an, die Regierung zu stabilisieren. Kauders Aufgabe bestand vor allem darin, ein halbwegs belastbares Vertrauensverhältnis zu seinem SPD-Konterpart Peter Struck aufzubauen und die Fraktion auf Linie zu halten. Jetzt, da die Regierung und ihre Chefin in ruhigerem Fahrwasser segelten, solle er klarere Kante zeigen – vor allem gegenüber dem Koalitionspartner.

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