Union vor der Wahl
„Angela, Du hast wie immer recht“

Bei der Bundespräsidentenwahl am Samstag mussten Angela Merkel und Horst Seehofer gemeinsam protokollarische Pannen überspielen. Die rivalisierenden Führungsspitzen der Union sollten in dieser Kooperation mehr als ein flüchtiges Intermezzo sehen, müssen sie sich doch auch künftig zusammenraufen, um im Europawahljahr Erfolge feiern zu können.

BERLIN. Horst Köhler war am Samstag mit hauchdünner Mehrheit rasch gewählt. Soweit zur Hauptsache. Doch dass es dabei protokollarisch im Detail nicht mit rechten Dingen zugegangen sei, das beschäftigt die Politik seitdem. Und so mussten am Montag auch Angela Merkel und Horst Seehofer dazu Stellung nehmen. Die Blumen zum Gratulieren etwa hatten im Reichstag schon auf den Plätzen der Parteichefs gelegen, da war noch gar nicht verkündet, dass Köhler gewonnen hatte. Als das immerhin klar war, riet Seehofer Merkel, mit ihrem Strauß zum frisch gewählten Staatsoberhaupt zu marschieren. So beraten setzte sich die Kanzlerin in Bewegung - und musste promt kehrtmachen, als der Präsident erst das Wort ergriff, um sich zu bedanken. "Du hattest wie immer Recht, Angela", flachst Seehofer jetzt. "Ich werde bei Gelegenheit daran erinnern", scherzt sie. "Das galt nur für die Vergangenheit", legt Seehofer nach.

Da stehen sie also, die beiden, die die Union in diesem Jahr zu Wahlsiegen führen sollen und flachsen. Angela Merkel, im lila Blazer, beide Hände fest am Pult. Horst Seehofer, rechts von ihr, ein Baum von einem Mann, die Beine lässig über Kreuz. Journalisten fragen, Merkel antwortet, Seehofer hört zu. Es geht um Konzepte für Opel, Staatshilfen für Arcandor, Ärger mit den Milchbauern und Nordkorea. Nur um das, worüber sie eigentlich reden wollten, geht es so gut wie nicht - Europa. Um dem lahmen Europawahlkampf etwas Schwung zu geben, hatte sich die Führungsspitze von CDU und CSU am Montag in Berlin getroffen. Beide Parteien treten mit getrennten Programmen an, Schnittmengen daraus stellen sie aber unter einen gemeinsamen Wahlaufruf, den sie am Montag präsentierten. Doch intern bestimmt derzeit vielmehr die Frage nach dem Umgang mit den demonstrierenden Bauern die Debatte.

Bald 17 Jahre dauert die gemeinsame Vergangenheit von Merkel und Seehofer schon, solange machen sie Politik im Bund, Jahre, von denen Seehofer nicht sagen würde, dass Merkel immer Recht hatte. Angela Merkel, die in diesem Jahr das Kanzleramt verteidigen will und bekannt ist für ihre taktische Finesse im Umgang mit machtbewussten Unions-Männern, und Horst Seehofer, der ewige Außenseiter, den die Wahlkatastrophe der CSU an die Parteispitze brachte - ob beide im Superwahljahr erfolgreich sind, hängt auch davon ab, wie sie sich zusammenraufen. Für Seehofer geht es dabei schon bei der Europawahl am 7. Juni um viel - seine Partei muss in Bayern so viele Stimmen holen, dass sie bundesweit über die Fünf-Prozent-Hürde springt.Daher wollten beide am Montag Einigkeit demonstrieren. "Für eine starke Stimme in Europa" betiteln sie ihren Wahlaufruf. Die Inhalte: Gottesbezug für die EU-Verträge, Nein zum Türkeibeitritt, Wachstum für Arbeitplätze, die Unabhängigkeit der EZB, Parolen, hinter denen sich alle hier leicht versammeln können.

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