Union warnt vor Kostenlawine
Wahlkämpfer entdecken die Knirpse

Der Pisa-Schock zeigt Wirkung - bis hin zu den Knirpsen. Alle Wahlprogramme kündigen die bessere Förderung schon der Vorschulkinder an. FDP, Grüne und SPD fordern unisono eine bessere Ausbildung der Erzieherinnen und teilweise Gebührenfreiheit von Kindergärten.

BERLIN. Die Liberalen plädieren gar für ein obligatorisches Kindergartenjahr vor der Schule - Unterstützung kommt von grünen Spitzenpolitikern wie Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Einzig die Union schert aus: Sie begnügt sich im Bundestagswahlkampf damit, Sprachkurse für Vorschulkinder zu fordern. Schließlich sei Bildungspolitik "Ländersache", erläutert Bundestags-Fraktionsvize Maria Böhmer die Zurückhaltung.

International hinkt Deutschland bei der Betreuung und Förderung der Drei- bis Sechsjährigen stark hinterher. Trotz Rechtsanspruch besuchen noch immer acht Prozent der deutschen Fünf- bis Sechsjährigen keinen Kindergarten, rügte unlängst die OECD. Von den Kindern aus Geringverdiener-Haushalten besucht sogar ein Drittel nie einen Kindergarten. So entsteht schon im Kindergartenalter der in der Bundesrepublik extrem enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg oder-misserfolg.

Massiv kritisiert die OECD auch das niedrige Niveau der deutschen Erzieherinnenausbildung. In fast ganz Westeuropa werden die Betreuerinnen der Kleinsten an Hochschulen ausgebildet, hier zu Lande genügt der Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule plus zweijähriger Erzieherinnenfachschule. Voraussetzung ist die Mittlere Reife. Das Niveau der Bewerberinnen ist zudem stark gesunken: "Früher waren es 40 Prozent Abiturientinnen, heute sind es nur noch Realschülerinnen, deren Notendurchschnitt zwischen 3 und 4 liegt", so Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Hauptargument der Union gegen eine Fachhochschul- oder gar Uni-Ausbildung ist bisher die Sorge vor höheren Personalkosten für rund 195 000 Erzieherinnen. Auch die FDP fordert daher eine FH-Ausbildung nur für die Kita-Leiterinnen - auch wenn das "bildungspolitisch eigentlich unverantwortlich ist", räumt die Bildungsexpertin der Bundestags-Fraktion, Ulrike Flach, ein.

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