Union will in drei Schritten ins Kanzleramt
Homestories aus dem Indianerreservat

Die Wahl in Schleswig-Holstein soll für die Union der erste von drei Schritten ins Kanzleramt werden. Heide Simonis will das vor allem mit alten Hüten verhindern. Eine Halndelsblatt-Reportage.

KIEL. Das Empfangszimmer der Meierei Witzwort erinnert an ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Die Tischreihen drohen unter der Last von Sahnetorten, Kuchen und Brötchentürmen zusammenzubrechen. Alles sieht nach einer gemütlichen Kaffeerunde aus. Tatsächlich erwarten die Bauern aus dem Kreis Husum-Eiderstedt an diesem windigen Februartag ihre Ministerpräsidentin.

Heide Simonis, 61, hat sich angesagt, es ist Wahlkampfzeit in Schleswig-Holstein. Doch aus dem netten Plausch wird nichts. Und das liegt daran, dass die SPD-Politikerin den Männern wieder einmal mächtig auf die Nerven geht. Hans Friedrichsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, hält es denn auch nicht allzu lang auf seinem Stuhl. Nach ein paar netten Begrüßungsworten eines Kollegen springt er auf und zieht mit seinen kräftig-rauen Händen eine Resolution, wie er sie selbst nennt, aus seiner zu engen Cordjacke.

Die Bauern der Halbinsel lächeln zufrieden. Seit Jahren kämpfen sie gegen die "Regelungswut" der Naturschutzverbände, gegen die ihrer Meinung nach überbordenden Auflagen des grünen Koalitionspartners von Simonis. Ihre Botschaft kurz vor der Landtagswahl am Sonntag ist eindeutig: "Die Landesmutter überlässt in unverantwortlicher Weise den Grünen in Kiel die Themen Umwelt und Landwirtschaft." Die Bauern in Eiderstedt sind sich einig: "Wir wollen einen Wechsel, wie immer er auch ausfällt."

CDU-Spitzenkandidat Peter Harry Carstensen, 57, marschiert mit seinem breitesten Lächeln in das Bürgerhaus von Kronshagen. Der Spielmannszug plätschert vor sich hin. 400 ältere Damen warten auf ihn. Diesmal hat die Frauen-Union zu Kaffee und Kuchen geladen, am Ende dürfen die Gäste die obligatorische Primel mit nach Hause nehmen. Die Vorsitzende Karin Sodtke kündigt "einen interessanten und sympathischen Menschen aus der CDU" an. Dabei muss man wissen: Der letzte sympathische CDU-Kandidat, der in Kronshagen bei den Damen kurz vor dem Valentinstag vorbeigeschaut hatte, ist einst Volker Rühe gewesen. Und der ist gegen Simonis im CDU-Spendenskandal untergegangen. "Das hat aber nichts zu bedeuten", wie Karin Sodtke schnell sagt und Carstensen dabei anlächelt.

Das Programm für die Damen lässt keine Wünsche offen. Zuerst spricht der Kandidat, dann gibt es einen Loriot-Sketch, der mit den Sprechblasen der Politiker, zum Schluss steht ein ägyptischer Derwisch mit Bauchtanz auf der Bühne.

Der Wahlkampf in Schleswig-Holstein steuert seinem Höhepunkt entgegen. Rot-Grün liegt in den Umfragen knapp vor Schwarz-Gelb. Am Sonntag dreht sich aber nicht nur alles um die Frage "Simonis oder Carstensen?". Es geht um viel mehr. Um das vorletzte rot-grüne Länderprojekt, um Angela Merkels Kanzlerkandidatur und nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen letztlich um die Macht im Kanzleramt. Simonis nennt das auf allen Veranstaltungen mantrahaft einen "Dreisprung". Ihre Aufgabe besteht darin, einen gewaltigen Anlauf zu nehmen und - weil es für alle in der SPD fatal wäre - beim Absprung auf keinen Fall zu übertreten.

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