Unions-Fraktion feiert Merkel
„Die Woche fängt ja gut an“

Nach ihrem Rüffel beim Parteitag der CSU wird Kanzlerin Angela Merkel in der Fraktionssitzung in Berlin geradezu frenetisch gefeiert – auch von den CSU-Abgeordneten. Doch am Ende gibt es einen, der nicht mehr klatscht.

BerlinÜber Balsam für die Seele freut sich auch eine Bundeskanzlerin. Volker Kauder läutet im Fraktionssaal von CDU und CSU die Sitzungsglocke, danach beginnt er an diesem Montagabend mit einem Dank. Zehn Jahre sei Angela Merkel nun schon Bundeskanzlerin, sagt er ¬ woraufhin es stehende Ovationen gibt, „so wie ich es noch nie erlebt habe“, wie ein CDU-Abgeordneter später erzählen wird. Volker Kauder sagt dann: „Dies ist der angemessene Umgang mit einer Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.“ Was folgt ist ein „frenetischer Applaus“ – im Wesentlichen bei den CDU-Abgeordneten, wie es später heißt.

Angela Merkel hätte allen Grund gehabt, mit gedämpfter Stimmung in die Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu kommen. Da war zum einen der Staatsakt für Helmut Schmidt am Vormittag, bei dem sie vor 1.800 Trauergästen aus aller Welt sprach und ihren Vor-Vor-Vorgänger ehrte und würdigte. Da war aber vor allem noch das Wissen um den Parteitag der CSU vom Freitag.

Auch da hatte Merkel eine Rede gehalten, ohne große Emotionen, eher erklärend, warum ihr Kurs der europäischen und internationalen Lösung der Flüchtlingsfrage der Richtige ist und Instrumente der nationalen Abschottung ¬- etwa einer Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme, die die CSU fordert – nichts für sie sind. Europa dürfe kein Schaden nehmen, hatte sie vor den CSU-Delegierten gesagt und die mit dem Schengen-Abkommen verbundene Reisefreiheit verteidigt. Sogar ihren Vor-Vorgänger Helmut Kohl zitierte sie: „Deutschland ist unser Vaterland. Europa ist unsere Zukunft.“ Deutschland gehe es auf Dauer nur gut, wenn es Europa gut gehe. Und deshalb gelte: „Abschottung ist keine Lösung im 21. Jahrhundert.“ Sie ging am Ende ohne Applaus und mit einem Rüffel von CSU-Chef Horst Seehofer im Gepäck heim.

Jetzt im Bundestags-Fraktionssaal genießt die Kanzlerin die Unterstützung in der eigenen Fraktion. Sie ist es, die sie trägt, ihre Politik unterstützt – wenn es sich auch in der Flüchtlingsfrage zu ändern droht. Volker Kauder erinnert an das Erreichte in der Regierungszeit, natürlich eine Gemeinschaftsleistung. Aber ohne Angela Merkel sei all das nicht möglich gewesen. In der Tat: Ohne die Kanzlerin, so sagen es alle Demoskopen, hätten CDU und CSU 2013 nicht fast die absolute Mehrheit erreicht, hätten nicht so viele Unionspolitiker einen Sitz im Bundestag. Merkel erhält von Kauder einen Blumenstrauß.

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Auch Gerda Hasselfeldt ergreift das Wort

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