Unions-Streit
Zeit des Lächelns ist vorbei

Karl-Theodor zu Guttenberg galt lange als Shootingstar der Großen Koalition. Doch im Streit um Staatshilfen für Opel musste der junge Wirtschaftsminister seine erste Niederlage einstecken. Auch im System Merkel will er nicht klein beigeben und stößt mit seiner Politik an seine Grenzen.

BERLIN. Zwei Plätze trennen die Kanzlerin im noblen Konferenzsaal des Hotels Adlon von ihrem Wirtschaftsminister. Es könnte ein Sicherheitsabstand sein. Seit der umstrittenen Opel-Rettung ist das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg belastet – weil der Wirtschaftsminister sich mit seiner Forderung nach einer geordneten Insolvenz des angeschlagenen Autobauers in der Regierung nicht durchsetzen konnte.

Merkel redet an diesem Dienstagmorgen nicht nur über die Vorzüge der Sozialen Marktwirtschaft, sondern auch über die des Shooting-Stars in der Großen Koalition. „Ich respektiere die Bedenken des Bundeswirtschaftsministers“, sagt sie – und es klingt wie der Versuch einer Wiedergutmachung. Sie sei ihm dankbar dafür, dass er auf die Risiken für den Steuerzahler bei der Opel-Rettung geachtet habe, sagt die Kanzlerin. Die Charmeoffensive kommt bei zu Guttenberg nicht an. Er nickt nur mechanisch der Kanzlerin entgegen, auf ein höfliches Lächeln verzichtet er.

Im System Merkel will er nicht klein beigeben. Er werde unbeirrt seine Kräfte für eine wertegebundene Marktwirtschaft einsetzen, sagt er.

Der junge Minister und die Kanzlerin – es ist auch die Geschichte einer schnellen Entfremdung. Zu Guttenberg wollte die Opel-Rettung mit Hilfe Magnas und deutscher Steuergelder verhindern, Merkel setzte sie durch. Doch der Eindruck, ihr Minister würde düpiert, darf nicht entstehen. Denn mit zu Guttenberg hat Merkel ein Problem gelöst, das sie in der Union seit dem Abgang des Wirtschaftsexperten Friedrich Merz verfolgte – dem Wirtschaftsflügel der Partei fehlte der Kopf.

Merkel weiß sehr wohl, dass sie zu Guttenberg dankbar sein kann, dass er eine lange Zeit offene Flanke besetzt. Auf den ersten Blick wird das nicht jedermann deutlich: „Der muss sich heute doch fühlen wie Glos gegen Ende seiner Amtszeit“, sagt einer, der zu Guttenberg gut kennt. Zu Guttenbergs Vorgänger Michael Glos hatte sich auch öffentlich bitter darüber beklagt, Merkel nehme ihn nicht ernst.

Lange dachte zu Guttenberg, in Sachen Opel sei er auf der Seite der Sieger, lange glaubte er an die Kraft der Argumente, seiner Argumente. Bis zuletzt hielt er daran fest, eine geordnete Insolvenz sei für Opel die beste Lösung. Politisch fuhr der Zug da schon lange in eine andere Richtung.

Kritiker werfen zu Guttenberg Naivität vor. „Der merkt nicht, wenn unter dem Tisch getreten wird. Er kämpft mit offenem Visier für seine Argumente“, sagt einer. Es ist eine seltsame Kritik: Aufrichtigkeit, die einem Menschen eigentlich gut ansteht, soll im Berliner Politikbetrieb fehl am Platze sein. In der Union lieben sie zu Guttenberg genau deswegen. Dort hat sein Beharren auf einer Insolvenz als beste Lösung für Opel viele Anhänger.

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