Unions-Wahlkampf
Wirtschaftskompetenz verzweifelt gesucht

Nächste Woche will Angela Merkel ihr Kompetenzteam vorstellen. Doch der zentrale Posten des Finanz- und Wirtschaftsexperten ist noch immer unbesetzt. Nun wird der Ruf nach einer Rückkehr von Merkels größtem parteiinternen Konkurrenten immer lauter.

co BERLIN. Größtes Hindernis für eine klare Kompetenzaufteilung im Finanzbereich ist Edmund Stoiber. Der CSU-Chef will erst nach der voraussichtlichen Bundestagswahl am 18. September entscheiden, ob er nach Berlin wechselt oder Ministerpräsident in Bayern bleibt. Stoiber ließ Interesse sowohl am Außenministerium als auch an einem Superministerium für Finanzen und Wirtschaft erkennen. Solange er sich aber die Option aufs Finanzministerium offen hält, fällt es Merkel schwer, einen anderen profilierten Politiker für diese Stelle in ihrem Kompetenzteam zu begeistern.

Doch nach der Empörung über Stoibers Ost-Äußerungen müsste Merkel endlich einen Mann für Wirtschaft und Finanzen berufen, der zum Konzept passt und das Image der Union aufpoliert. In den Blickpunkt rückt vor allem einer: Friedrich Merz. Merz, der in der Wirtschaft stark verankert ist und mit seinem Bierdeckel-Steuermodell vor allem im Mittelstand große Popularität genießt. Doch das Verhältnis zwischen Merz und Merkel gilt weiterhin als angespannt, seit die CDU-Chefin ihm nach der Bundestagswahl 2002 den Fraktionsvorsitz weggenommen hatte.

Bildergalerie: Merkels voraussichtliches Kompetenzteam

Merz hatte sich dann im Oktober 2004 auch aus Ärger über die Steuerpolitik der Union aus der Fraktionsspitze zurückgezogen. Führende CDU-Politiker brachten Merz trotzdem immer wieder für einen Posten in einem möglichen Kabinett von CDU-Chefin Angela Merkel ins Gespräch. Hamburgs CDU-Vorsitzender Dirk Fischer und Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) betonten jüngst, auf Merz' Sachverstand könne man nicht verzichten.

Merkel könnte Merz erneut düpieren

Doch selbst, wenn Merkel Merz jetzt holte, müsste sie ihn womöglich nach der Wahl wegen der Ansprüche Stoibers wieder wegschicken - und damit erneut düpieren. Wenn Merkel Merz, der keine Verwaltungserfahrung hat, überhaupt als Finanzminister ins Kalkül zieht, dann erst nach der Wahl.

Der bisherige Hauptkandidat Stoiber hat sich bislang mit Merkel noch nicht auf eine Funktion im Kompetenzteam oder einen Posten im Kabinett geeinigt. Laut Medienberichten drängt Landesgruppenchef Michael Glos in München Stoiber zur Übernahme eines Regierungsamts. Doch Stoiber ziert sich weiter. Den Ärger, den er jetzt durch seine abfälligen Bemerkungen über Ostdeutschland ausgelöst hat, könnte den heimatverbundenen Bayern noch darin bestärken, besser im sicheren München zu verweilen.

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