0 Bewertungen
17.03.2006 
Vorbereitung für Zuwanderer

Unionspolitiker loben Nacktszenen-DVD

Die Debatte um Zuwanderung geht weiter: Für Aufregung sorgt jetzt eine DVD aus den Niederlanden, mit der sich einbürgerungswillige Ausländer mit landestypischen Szenen auf einen Test vorbereiten. Zu sehen sind barbusige Frauen und sich küssende Homosexuelle. Vorbildlich, finden auch deutsche Politiker.

HB BERLIN. Die Kamera zoomt auf zwei sich küssende Männer, in der nächsten Szene läuft eine Frau „oben ohne“ über den Strand: Wer in die Niederlande einwandern will, muss sich diesen Film ansehen - um von vornherein klarzustellen, ob er sich auch wirklich mit dem Leben in der liberalen niederländischen Gesellschaft identifizieren kann.

Wer schmusende Schwule oder halb nackte Frauen nicht sehen will, braucht dann gar keine weiteren Anträge mehr auszufüllen. Um einen seit Mittwoch verpflichtenden Test für Sprache und Kultur zu bestehen, muss jeder Einwanderungswillige noch in seinem Heimatland eine 105 Minuten lange DVD mit dem Titel „In die Niederlande kommen“ kaufen.

Deutsche Politiker sind von dem Modell begeistert. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete die niederländische Einbürgerungspraxis als "sehr interessant". Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte in der Bild-Zeitung: "Eine solche DVD wäre ein ideales Hilfsmittel, um Menschen bereits in ihrem Herkunftsland nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Geschichte, Kultur und Rechtsordnung Deutschlands vertraut zu machen." CSU-Innenexperte Stephan Mayer forderte: "Es ist wichtig, Informationen über Deutschland zu vermitteln." Denn in einigen muslimischen Staaten stehe sogar die Todesstrafe auf Lebens- oder Ausdrucksformen, die in Deutschland anerkannt seien. Dazu zählten beispielsweise sexy Kleidung auf der Love Parade oder auch offene Homosexualität.

Auch der Münchner Staatsrechtsprofessor Peter Huber steht hinter den Vorschlag. „Es ist nicht nur legitim, es ist auch Aufgabe des Staates, zum Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung für einen Grundkonsens in der gesamten Gesellschaft zu sorgen.“ Wenn dies durch die Zusendung entsprechender DVDs geschehe, die auf das Leben in Deutschland vorbereiteten, sei aus rechtlicher Sicht nichts einzuwenden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: FDP-Spitzenpolitiker Burkhard Hirsch bezeichnet Idee als „absoluten Schwachsinn“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Finanzkrise: Nationale No...

    Finanzkrise: Nationale Notprogramme

    Der Vertrauensverlust in der internationalen Finanzwirtschaft zwingt die Politik zu umfangreichen Rettungsaktionen. In der Europäischen Union wird derzeit jedoch vor allem an nationalen Lösungen gebastelt. Wer tut was?Bildergalerie 

  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Merkel & Co überhöhen den Staat  Artikel in Merkliste

07.10.2008 von Thomas Hanke

Merkel verkalkuliert sich: Sie spekuliert auf das Vertrauen der Bürger in den Staat, füllt dessen Aufgaben aber nicht überzeugend aus. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Wo steht der Feind?  Artikel in Merkliste

07.10.2008 von Andreas Rinke

Durch Verhandlungen mit den Taliban könnte den westlichen Soldaten der Feind abhanden kommen. Eine Klärung ist erforderlich. Kommentar