Uno-Klimasekretariat
Deutsche Wirtschaft bezieht Klimaschelte

Das Uno-Klimasekretariat hat die deutsche Wirtschaft davor gewarnt, die internationalen Klimaschutzbemühungen zu gefährden. „Wenn man beginnt, an den zentralen Elementen des Klimaschutzpakets der Europäischen Union zu zerren, stellt sich die Frage, wie Deutschland seine Reduktionsziele erreichen will“, sagte Yvo de Boer, Leiter des Uno-Klimasekretariates, dem Handelsblatt.

BERLIN. Er beobachte „wachsende Nervosität“ in Deutschland und anderen Mitgliedstaaten und warnte, es stehe nicht weniger als die Glaubwürdigkeit der europäischen Klimaschutzbemühungen auf dem Spiel, sagte de Boer.

Derzeit laufen in Brüssel der Verhandlungen über den Emissionshandel ab 2013 auf vollen Touren. Die deutsche Wirtschaft fühlt sich von den Plänen der EU-Kommission in doppelter Hinsicht betroffen: Zum einen sollen die Energiekonzerne künftig alle Emissionszertifikate ersteigern müssen; das dürfte die Strompreise spürbar steigen lassen. Außerdem soll auch das produzierende Gewerbe schrittweise in die Auktionierung der Zertifikate einbezogen werden. Viele Unternehmen befürchten erhebliche Wettbewerbsnachteile.

Der Leiter des Uno-Klimasekretariates räumte ein, die EU-Mitgliedstaaten seien durchaus unterschiedlich betroffen. Allerdings werde das Ausmaß der Betroffenheit oftmals überzeichnet. Es gebe eine Reihe von Unternehmen, „die die Lage so darstellen, als schicke sie der Emissionshandel direkt in den Bankrott“. Tatsächlich stehe die Industrie, die wirklich ernsthaft betroffen sei, für gerade einmal zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Niemand wolle Europas Industrie zerstören. „Aber es muss auch klar sein, dass gerade die energieintensiven Unternehmen ihren Anteil werden tragen müssen“, sagte de Boer.

Die Kritik, der Emissionshandel bevorzuge einseitig die Franzosen, wies de Boer zurück. „Ich habe nicht den Eindruck, dass Frankreich sich zu einem wichtigen Stromexporteur entwickeln wird“, sagte er. Die deutschen Energiekonzerne argumentieren dagegen, der Emmissionshandel stärke Frankreichs Stromerzeuger, die mehr als 80 Prozent des Stroms aus Kernkraft gewinnen und daher nur wenige Emissionszertifikate benötigen. Die deutsche Stromproduktion dagegen basiert zu großen Teilen auf Stein- und Braunkohle und ist daher besonders kohlendioxidintensiv.

„Natürlich wird es am Ende des Tages Gewinner und Verlierer geben“, sagte de Boer. Dennoch sei der Wandel zum klimaschonenden Wirtschaften alternativlos. Europa müsse in dieser Frage eine Vorbildrolle übernehmen und schnell für klare Verhältnisse sorgen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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