Unsauberes wissenschaftliches Arbeiten
Keine Beweise für Plagiat durch Entwicklungsminister Müller

Auch er soll in seiner Doktorarbeit Zitate nicht sauber gekennzeichnet haben: Diesen Vorwurf machte eine Plagiatsjäger jüngst Entwicklungsminister Müller. Doch dessen Hochschule sieht keine Belege, lehnt Konsequenzen ab.
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RegensburgDie Universität Regensburg sieht in der Doktorarbeit von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) keine Hinweise auf ein Plagiat. Dem Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens fehle die Grundlage, teilte die Hochschule am Dienstag mit. „Die Art und Weise, wie vom Autor benutzte Literatur und Quellen dokumentiert sind, ist nicht darauf angelegt, die eigentliche intellektuelle Autorschaft an Erkenntnissen, Ideen, Argumenten oder Thesen zu verschleiern.“

Nach Angaben der Universität fand der Ombudsmann für solche Fälle, Professor Christoph Meinel, keine Hinweise, dass die 1987 vorgelegte Dissertation gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis verstößt. Auch an den wenigen Stellen, wo Wortfolgen übernommen worden seien, ohne sie durch Anführungszeichen zu markieren, werde die Herkunft durch Anmerkungsziffern und Seitennachweis belegt.

Mit den Vorwürfen war Anfang April der Nürnberger Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder an die Öffentlichkeit getreten: Müller habe in seiner Doktorarbeit „Die Junge Union Bayern und ihr Beitrag zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“ Texte aus Arbeiten des Politologen und späteren CDU-Politikers Wolfgang Hackel übernommen, ohne diese mit Anführungszeichen als Zitat zu kennzeichnen. Müller habe erst mehrere Seiten nach Zitatbeginn die Quelle erwähnt.

Der Vorwurf, die Doktorarbeit teilweise abgeschrieben zu haben, hat in der Vergangenheit zu Rücktritten mehrerer Politiker geführt: etwa des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), und der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie alle haben ihren Doktortitel verloren. Schavan war erst kürzlich vor Gericht mit einer Klage gegen die Aberkennung gescheitert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unsauberes wissenschaftliches Arbeiten: Keine Beweise für Plagiat durch Entwicklungsminister Müller"

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  • Irgendwie drängt sich doch die Vermutung auf, dass dieser oder diese sogenenannten "Plagiatsjäger" aus dem Linken-Lager kommen - ist es vielleicht nur Neid?!?
    Wie auch immer, grundsätzlich sind bewusste und starke "Vergehen" nicht richtig und zu ahnden aber man darf wohl aus meiner Sicht auch nicht ganz vergessen, wie die Technologie vor ca. 15-25 Jahren aussah - da war es eben nicht so einfach alles online nachzulesen, mit Programmen Texte zu "matchen" etc. insofern geht das jetzige Hexentreiben aus meiner Sicht zu weit. Was würde der jetzige Plagiatsjäger ohne die modernden Mittel tun?

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