Unter Amnesty-Aufsicht
Politik fordert Menschenrechtshinweise in Reisekatalogen

Ist es tolerabel, in einer noblen Hotelanlage unter Palmen einen Cocktail zu trinken, und draußen vor der Mauer leben die Menschen in Unfreiheit? Nein, sagen Politiker und fordern Konsequenzen.
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BerlinDie Grünen haben sich offen für einen Vorstoß aus der CDU gezeigt, in Reisekatalogen künftig mit Hinweisen auf die Menschenrechtslage im Urlaubsland hinzuweisen. „Der Vorschlag taugt nur dann, wenn die Hinweise für die Menschenrechtslage auch tatsächlich von unabhängigen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch redaktionell verantwortet werden“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, Handelsblatt Online. „Ansonsten besteht die Gefahr der Schönfärberei und der Falschinformation durch die Reiseveranstalter.“

Beck reagierte damit auf einen Vorschlag des Tourismuspolitikers Klaus Brähmig (CDU).  „Ich plädiere dafür, in den Reisekatalogen freiwillig auch darauf hinzuweisen, wie es ein Land unter anderem mit den Menschenrechten hält“, sagte der Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses im Bundestag der Zeitung „Die Welt“. „Wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, in Länder zu reisen, die von einem diktatorischen Regime regiert werden“, begründete Brähmig seinen Vorstoß. Touristen trügen eine „sehr große ethische Verantwortung“.

Von Boykottaufrufen halte er dagegen nichts. Er gönne es jedem, in der Sonne zu liegen und seine Ferien zu genießen, sagte Brähmig. „Aber was ist das für ein Gefühl, in einer noblen Hotelanlage unter Palmen einen Cocktail zu trinken, und draußen vor der Mauer leben die Menschen in Unfreiheit?“

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Unter Amnesty-Aufsicht: Politik fordert Menschenrechtshinweise in Reisekatalogen"

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  • Menschenrechtshinweise in Reisekatalogen, das ist eine sehr gute Idee.
    Fangen wir doch mal mit der Liste an und ratet mal wer ganz oben steht? Richtig, USA!
    Dann Israel, Neu Seeland (siehe Kim), Großbritannien, Schweden (Wiki Leaks, Assange), Frankreich, Italien, Deutschland,...
    Besser wäre aber ein Hinweis, in welchem Land die Menschenrechte geachtet werden, diese dürfte aber recht überschaubar sein.
    Jemand der sich Gedanken über die Menschenrechte im Urlaub macht, gleichzeitig aber ein EiFone im Sack trägt sollte lieber die Klappe halten.

  • leider eben nicht: ein Boykott wird nicht zwingend zu demokratischen Umwälzungen führen. Dagegen werden Reisende stigmatisiert, wenn sie solche Ziele auswählen. Betroffen sind von dem CDU-Vorschlag vermutlich die Einkommensschwachen, denn die fraglichen Staaten bieten oftmals die preiswertesten Reisen an. Statt der faktischen Einschränkung der Reisemöglichkeiten für Einkommensschwache sollten unsere Urlauber im Gastland für unsere Demokratie werben. So hat "Westbesuch" in der vormaligen DDR einen wertvollen Beitrag zur Förderung des Wunsches nach Freiheit und Reisefreiheit geleistet. Einige Politiker haben dies offenkundig vergessen oder sind zu jung, um diesen Beitrag bewerten und nutzbringend verwerten zu können.

  • Wenn man sowas wieder lesen muss, wie klugscheisserisch unsere Politiker meinen uns belehren zu müssen, dann wünscht man sich manchmal in einem zunehmend zentraleren Teil des Stammhirns, dass die Weltfinanzkrise gnadenlos zuschlagen möge um uns von derartig realitätsfremden Personen zu bfreien.

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