Unter Plagiatsverdacht
Niedersachsens Kultusminister in der Krise

Ein neuer Plagiatsverdacht belastet den niedersächsischen Kultusminister und damit den Dienstherrn von 70.000 Lehrern. Seine Rechtfertigung ist der von zu Guttenberg nicht unähnlich.
  • 2

HannoverDer Minister soll in seiner Dissertation an vielen Stellen inhaltliche und wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet haben, berichtete am Mittwoch die „Zeit“.

Althusmann räumte am Mittwoch mögliche handwerkliche Fehler beim Zitieren ein und entschuldigte sich dafür. Zugleich betonte er aber, dass er keinerlei Textpassagen ohne Quellenangabe kopiert habe. Alle übernommenen Textstellen seien mit Autor und Seitenzahl angegeben worden. Er habe die Universität Potsdam um die Überprüfung seiner 2007 abgegebenen Arbeit gebeten. Dies werde etwa vier Wochen in Anspruch nehmen.

Konsequenzen für seine politischen Ämter schloss er zunächst aus. „Für meine Ämter habe ich, auch nachdem ich den Ministerpräsidenten gestern informiert habe, entschieden, dass dies eine Krise ist, die ich durchzustehen habe.“

Althusmann promovierte als externer Doktorand an der Uni Potsdam mit einer Arbeit über die Organisation der öffentlichen Verwaltung. Die Universität Potsdam will die Vorwürfe prüfen. Der zuständige Dekan der Uni beschäftige sich damit, sagte die Sprecherin der Universität Potsdam, Birgit Mangelsdorf, am Mittwoch. „Das ist nicht innerhalb weniger Stunden zu erledigen.“

Aber Althusmann bereut die Dissertation nach eigenem Bekunden nicht. Trotz der Belastung als Landtagsabgeordneter und Familienvater habe er jahrelang vor allem in den Ferien an seiner Doktorarbeit gearbeitet. „Zwischendurch gab es Überlegungen, ob es noch zu vollenden ist. Aber ich wollte es auch, weil ich nichts mehr hasse, als etwas anzufangen und nicht zu Ende zu bringen“, sagt er.

Der CDU-Minister ist nicht der Einzige, der derzeit mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert ist. Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis muss um die Aberkennung seines Doktortitels bangen. Allerdings wies das FDP-Vorstandsmitglied die Vorwürfe in einer Stellungnahme an den Promotionsausschusses der Universität Bonn als haltlos zurück. „Nach eingehender Prüfung ist festzustellen, dass in der Dissertation kein einziger Text aus einem Werk übernommen wurde, das nicht in einer Fußnote oder im Literaturverzeichnis erwähnt wurde“, zitiert das Blatt aus dem Schreiben. Zwar habe er Fehler gemacht und durch verschiedene Zitierweisen Missverständnisse erleichtert. Im Wesentlichen gelte aber: „Fremde Gedanken sind belegt, fremde Gedanken sind als fremd gekennzeichnet.“

Seite 1:

Niedersachsens Kultusminister in der Krise

Seite 2:

Fall Guttenberg löste Enthüllungswelle aus

Kommentare zu " Unter Plagiatsverdacht: Niedersachsens Kultusminister in der Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nehmen wir mal an :
    Jede Seite einer schweren Dokta-Arbeit von 1000 Seiten zeigt in der Fußnote die zitierte Quelle,
    das Dumme ist nur, woran soll man erkennen, daß nicht alle Seiten komplett kopiert wurden, wenn die Gänsefüßchen fehlen,
    Ein Handwerklicher Fehler soll das also sein ?
    Was sagt denn sein Bundepräsident als Mentor dazu ,
    der ihn ins Amt gehievt hat?

  • "...mögliche handwerkliche Fehler" damit entschuldigen sich unsere Möchtegern-Doktoren laufend.
    Dass ich nicht lache.
    Eine Dissertation ist eine wissenschaftliche Arbeit in der in erster Linie mal meine wissenschaftliche Tätigkeit, Recherche einzufließen hat.
    Aber genau daran mangelt es doch bei all diesen Möchtegerns. Wann haben die denn wissenschaftlich gearbeitet?
    Dieses Land besteht offenkundig nur noch aus Lügnern und Betrügern.
    Es ist gut, dass es vroni-plag gibt und nun mal so nach und nach unsere Blender, die sich als Eliten bezeichnen, entlarvt werden.
    Auch Röslers Arbeit ist umstritten und scheint ja wohl nichts weiter zu sein als ein Abschreiben eines wissenschaftliches Textes. Sie unmfaßt genau 56 Seiten, das ist alles andere, nur keine Dr.-Arbeit
    http://www.shortnews.de/id/893472/Illegale-Inhalte-in-der-Doktorarbeit-auch-bei-Philipp-Roesler

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%