„Unter Strom“
Unions-Fraktion begeistert sich für Elektromobilität

Heute stellt die Nationale Plattform für Elektromobilität ihren ersten Zwischenbericht offiziell vor. Die Union unterstützt den Bericht und die Forderung der Industrie nach Hilfen für Elektromobilität. Branchenkenner indes bewerten die bisherigen Pläne eher skeptisch.
  • 2

HAMBURG/BERLIN. Die Union bewertet den ersten Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität positiv. Der Bericht verdeutliche, dass „die entscheidenden Handlungsempfehlungen zu erwarten sind“, sagte Andreas Jung (CDU), Beauftragter für Elektromobilität der Unionsfraktion, dem Handelsblatt. Jung sieht die Forderung der Industrie nach Milliardenhilfen weniger skeptisch als etwa Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) oder Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). „Das Gremium fordert ja nicht, dass der Bund das alleine stemmen soll“, sagte Jung. Es gehe vielmehr um gemeinsame Anstrengungen von Bund, Ländern, EU und der Privatwirtschaft. „Unter diesem Blickwinkel sind das erreichbare Größenordnungen“, sagte Jung.

Die im Frühsommer von der Bundesregierung ins Leben gerufene Plattform Elektromobilität legt heute einen ersten Zwischenbericht vor. Details waren vorab bekannt geworden. Die Plattform – ein Forum von Regierung, Autoindustrie, Zulieferern, Stromversorgern und Wissenschaftlern – hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland weltweit zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen. Bis 2020 sollen eine Million Elektromobile auf Deutschlands Straßen fahren.

Wirtschaft fordert vier Milliarden

Das Expertengremium geht in seinem Zwischenbericht von etwa vier Milliarden Euro bis 2013 aus, die in Forschung, Entwicklung und Qualifizierung gesteckt werden sollen. Diese Forderung hat kritische Stellungnahmen der Regierung ausgelöst. Die Minister Brüderle und Ramsauer sind zwar bereit, öffentliche Gelder in Forschung und Entwicklung zu stecken; bereits das zweite Konjunkturpaket sieht dafür 500 Millionen Euro vor. Forderungen nach einer direkten Bezuschussung des Kaufs von Elektroautos wollen sie jedoch im Keim ersticken. In anderen Ländern sind solche Zuschüsse bereits Realität.

Jung schließt zwar ebenfalls direkte Verkaufshilfen aus, betont aber: „Es wird nicht ohne Investitionsanreize gehen. Da sollten wir offen sein.“ Jung denkt etwa an Anreizprogramme wie es sie bei der energetischen Gebäudesanierung seit langem gibt. Außerdem hält er steuerliche Sonderabschreibungsmöglichkeiten für die Errichtung der Ladeinfrastruktur für einen gangbaren Weg. Nicht-monetäre Anreize sollten nach Jungs Überzeugung sofort eingesetzt werden. Dazu zählt etwa, Elektrofahrzeugen die Benutzung von Busspuren zu erlauben.

Branchenkenner bewerten die bisherigen Pläne skeptisch. Das Angebot an E-Mobilen werde schon in naher Zukunft die Nachfrage übersteigen, warnt Autoprofessor Willi Diez, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Aus seiner Sicht wird die Nachfrage bis 2015 weltweit nur bei rund einer halben Millionen Fahrzeuge liegen. Nicht ausgelastete Produktionskapazitäten wären die Folge.

Kaufprämie in der Diskussion

Diez fürchtet daher, dass der Ruf nach Kaufprämien lauter wird: „Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge haben nur dann eine Marktchance, wenn ihre Anschaffung massiv staatlich bezuschusst wird. Andernfalls werden die ersten Elektro-Serienfahrzeuge zum Ladenhüter.“ Einer Wirtschaftlichkeitsanalyse des IFA zufolge rechnet sich ein Elektrofahrzeug erst nach einer Fahrleistung von 150 000 Kilometern – dann könnte aber schon wieder eine neue Batterie fällig sein.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " „Unter Strom“: Unions-Fraktion begeistert sich für Elektromobilität"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schon vergessen?
    Es ist noch nicht lange her da wurden Milliarden bezahlt, daß 9 Jahre alte Autos verschrottet werden. Ein Auto kann durchaus 15-20 Jahre seinen Zweck gut erfüllen. Nur die industrie schwätzt uns auf, daß ein Auto mit 9 Jahren alt ist. Die sogenannte Umweltprämie, (welch ein Hohn) war das Geld aus dem Fenster geworfen. Nun wäre eine Prämie sinnvoll um eine neue Technologie anzustoßen aber das Geld ist inzwischen in den USA und Korea.

  • Wie immer wartet die industrie mit Neuentwicklungen, bis Subventionen winken. Die CDU ist mal wieder williger Anweisungsempfänger der Automobillobby.
    Wie wäre es denn, die eigenen Gewinne ins Unternehmen zu stecken und davon zu entwickeln? Dieses System ist unseren Unternehmenslenkern aber inzwischen zuwider.
    Da lebt es sich mit Teil-Staatswirtschaft schon rentabler; es lebe die Gewinnmaximierung auf Steuerzahlers Kosten! Aber dann bitte auch anteilmässig die Gewinne in Steuerzahlers Tasche!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%