Unterhaltszahlungen
Tabelle der Rosenkriege

Für drei Dinge ist Düsseldorf über seine Stadtgrenzen hinaus bekannt: das Altbier, den Löwensenf und seine Flaniermeile, die Königsallee. Wer in ihren Luxusgeschäften einkaufen gehen kann, hat womöglich noch nicht Berührung gehabt mit einer vierten „sozialen“ Errungenschaft.

HB DÜSSELDORF. Sie ist seit nunmehr 45 Jahren fest mit dem Namen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt verbunden: die Düsseldorfer Tabelle.

Seit 1962 legt das Düsseldorfer Oberlandesgericht darin auf wenigen DIN-A4-Blättern die Sätze und Regeln fest, nach denen Familienrichter von Flensburg bis zum Bodensee über die Unterhaltsansprüche von Kindern und Partnern bei Scheidung entscheiden. Alle zwei Jahre wird aktualisiert. Rund 200 000-mal leistete das Regelwerk letztes Jahr seinen Beitrag zur schnellen Wiederherstellung des Rechtsfriedens im Rosenkrieg. Genauso viele Ehen wurden 2006 geschieden.

Jeder dritte Verheiratete kann übrigens nach den Daten des Statistischen Bundesamts einigermaßen sicher sein, dass er früher oder später mit der unerbittlichen Tabelle Bekanntschaft macht. Da tröstet es wenig, dass immer noch die ganz große Mehrheit der Ehen getreu dem traditionellen Eheversprechen mit dem Tod des Partners endet.

Die neue Liste, die gestern veröffentlicht wurde, enthält ein echtes Novum: Ab 2008 gilt die Düsseldorfer Tabelle auch voll für die unteren Einkommensgruppen in den neuen Bundesländern. Trennungskinder haben künftig in Ost- und Westdeutschland Anspruch auf den gleichen Mindestunterhalt. Hintergrund ist die 2008 in Kraft tretende Reform des Unterhaltsrechts. Sie ist der Grund, warum die Düsseldorfer überhaupt erstmals zum Weihnachtsfest eine neue Tabelle vorlegten. Die letzte hatten sie erst im Sommer veröffentlicht. Sie sah erstmals sinkende Unterhaltssätze vor, weil die Nettogehälter gesunken waren.

Nun steigen die Sätze für die Kinder wieder, weil nach der Reform ihr Unterhaltsanspruch absoluten Vorrang hat. Im Durchschnitt klettern sie um zwei auf 202 bis 507 Euro monatlich. Für die rund 150 000 Scheidungskinder im Jahr ist die Tabelle ein Segen und ganz nebenher ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut.

Vor allem für Väter bleibt sie jedoch ein Schreckgespenst: Denn ihnen garantiert sie vom eigenen Einkommen nur einen Selbstbehalt von 900 Euro im Monat. Nur wer mehr als 5 100 Euro brutto verdient, ist außen vor. Für ihn gelten statt der Düsseldorfer Einheitsliste die zum Teil immer noch ungeschriebenen Gesetze eines ganz gewöhnlichen Scheidungskriegs.

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