„Unterirdische Polemik“
Steinbrücks Rösler-Attacke bringt FDP in Rage

Mit einem Rundumschlag setzt Steinbrück erste Duftmarken für eine mögliche SPD-Kanzlerkandidatur. Dem politischen Gegner wirft er völliges Versagen in der Euro-Krise vor. Das lässt die FDP nicht auf sich sitzen.
  • 12

Düsseldorf/BerlinDer Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, hat die Kritik von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Euro-Krisenmanagement der Liberalen scharf zurück gewiesen. „Interessanter als die Übungen in Parteipolemik wären Hinweise von Steinbrück, welche Schlüsse er aus der von Rot-Grün mitverursachten Schuldenkrise zieht“, sagte Lindner Handelsblatt Online. „So muss man leider den Eindruck gewinnen, Steinbrück wolle im Rennen um die Kanzlerkandidatur nur seinen Konkurrenten Gabriel im Bereich unterirdischer Polemik rechts überholen.“

Steinbrück hatte das Erscheinungsbild der Koalition in der Krise in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung hart kritisiert: „Unbestritten ist auch bei neutralen Beobachtern: Das Krisenmanagement der großen Koalition war deutlich besser. Und die Regierung war damals personell stärker aufgestellt - was Persönlichkeit, Kompetenz und ein gewisses politisches Gewicht betrifft. Und jetzt? Eine Primanerriege, Leichtgewichte wohin man blickt.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete fügte hinzu: „Bei manchem Interview von FDP-Chef (Philipp) Rösler denke ich: Das ist eine alte Loriot-Aufnahme. Diese Unbedarftheit und Naivität - Entschuldigung, wir reden hier vom deutschen Wirtschaftsminister und Vizekanzler.“

Auch am Griechenlandkrisen-Management von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) ließ Steinbrück kein gutes Haar – und sprach von einer „Hü-Hott-Politik“, die die beiden betrieben. „Erst sagt die Kanzlerin, die Griechen bekommen keinen Cent – obwohl sie weiß, dass es ohne Hilfe der EU nicht geht. Dann kommt es scheibchenweise – erst ein bisschen, dann immer mehr.“ Merkel,  Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, EZB-Chef Jean-Claude Trichet und EU-Kommissionschef Barroso hätten vielmehr die klare Botschaft aussenden müssen: „Wir lassen uns den Euro nicht zerschießen.“ Zudem wäre ein „starkes Signal an die Märkte mit einer Entschuldungsaktion für Griechenland unter Beteiligung der Gläubiger“ nötig gewesen. Dann stünde Europa heute besser da.

Als „historisches“ Versagen der gegenwärtigen Regierung und „persönliches“ Versagen der Kanzlerin bezeichnete Steinbrück zudem den Missstand, dass den Bürgern nicht klar gesagt worden sei, wozu die Rettungsmaßnahmen nötig sind. Stattdessen kämen unterschiedliche Signale. „Und der Koalitionspartner, die untergehende FDP, darf ungestraft die anti-europäische Karte spielen“, sagte Steinbrück. „Und das in einer brenzligen Situation, in der wir vor der Frage stehen: Spielt Europa künftig politisch und wirtschaftlich in einer Liga mit Amerika und Asien – oder läuft das Projekt Europa vor die Pumpe.“ Fakt sei, alleinstehend sei Deutschland ein Abstiegskandidat.

Seite 1:

Steinbrücks Rösler-Attacke bringt FDP in Rage

Seite 2:

Steinbrück strebt Rot-Grün an

Kommentare zu " „Unterirdische Polemik“: Steinbrücks Rösler-Attacke bringt FDP in Rage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kurze Antwort:

    JA!

    Und viele Wähler leider auch!

  • Langfristig wäre das sicher schön, aber auch problematisch.

    Vorteil: besser abgestimmte Wirtschaftsprogramme, und -entwicklung

    Nachteil: Verlust der staatlichen Souverenität mit allen Konsequenzen

    Probleme: Vielvölkerstaaten neigen immer dazu sich national zu seperieren-->Zusammenbruch
    Wirtschaftlich und gesellschaftlich sind zu große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten-->Unruhen in einigen Bevölkerungsgruppen
    ...

  • Was genau wäre denn so schlimm, wenn es die Vereinigten Staaten von Europa geben würde? Auf kurz oder lang ist es doch sicher ein Vorteil?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%