„Unterm Strich“
Steinbrück sieht Ungeheuer in der SPD

Peer Steinbrück gilt als Mann der klaren Sprache. Und damit geizt der ehemalige Finanzminister in seinem Buch „Unterm Strich“ nicht: Darin rechnet er nicht nur mit einer Verkommenheit in Teilen der Wirtschaftselite ab – sondern auch mit seiner eigenen Partei, der SPD. Am Donnerstag stellte Steinbrück sein Buch vor.
  • 10

gie/HB HAMBURG. Das Beste kommt ganz zum Schluss. Einige Passagen seien für die eigene Partei schwer verdaulich, warnt er schon auf den ersten Seiten. Doch zunächst wendet sich Peer Steinbrück wichtigeren Dingen zu. Zunächst räsonniert der Wortakrobat in seinem am Donnerstag vorgestellten Buch „Unterm Strich“ über den unaufhaltsamen Abstieg Europas aus der politischen Champions-League.

Der Ex-Finanzminister wirft den Blick in den Abgrund bei der Finanzkrise. Er empört sich über Verkommenheit von Teilen der Wirtschaftselite und mangelnde Standfestigkeit der politischen Klasse. Der Sozialstaat bisheriger Prägung wird zum Auslaufmodell erklärt.

Schließlich setzt er die Kavallerie in Marsch, diesmal nicht gegen die Eidgenossen, sondern gegen die eigenen. Beim Blick in das real existierende Innenleben der Partei fällt dem zeitweiligen SPD-Vize so gut wie nichts Vorteilhaftes ein. Wer in die Tiefenschichten der SPD eintauche, könne „auf ein Ungeheuer von Loch Ness stoßen, das um des lieben Friedens willen lieber nicht geweckt werden soll“, weiß der Autor aus dem Eingemachten zu berichten. „Es gibt eine Schicht von Parteiaktivisten, die einem intoleranten Jakobinismus anhängen und Meinungsoffenheit bereits für einen Verrat an Prinzipien halten.“

Wer sich mit den selbst ernannten Sittenwächtern anlege, gegen den würden aus Hinterzimmern heraus „kleine Revolutionstribunale“ angezettelt. „Manchmal hatte ich den Verdacht, dass es in meiner eigenen Partei in den Statuten nicht aufgeführte geheime Glaubenskongregationen geben müsse, die über die Einhaltung der Lehrmeinung wacht.“

Als Kuriosa lässt der 63-Jährige die ritualisierten Abläufe in den SPD-Spitzengremien gelten - „ebenso der Kampf um Spiegelstriche bei Texten, die außerhalb der SPD die Aufmerksamkeit von ablaufendem Badewasser haben“. Bei solchen Sitzungen seien die Wortführer vor allem Leute, „deren Geltung und Einfluss in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihren persönlichen Wahlerfolgen stehen“. Auch krachende Niederlagen in Serie schadeten ihrem Einfluss im Parteiapparat nicht.

Seite 1:

Steinbrück sieht Ungeheuer in der SPD

Seite 2:

Kommentare zu " „Unterm Strich“: Steinbrück sieht Ungeheuer in der SPD"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Er übersieht, dass die Linken für alle innerhalb der Solidarität der beitragsbemessungsgrenze steht.

    Auch wenn so mancher 900 Euro brutto bild Leser die FDP wählt.

  • Steinbrück sit udn bleibt ein Großmaul.
    Warum hat er denn die Finanzkriste so schlecht gemanagt? Eine insolvenz der HRE-bank wäre nicht der Untrgang Deutschlands gewesen.
    Auch hat er doch allen Unsinn über Jahre mitgemacht, er war doch Teil des Sysgtems.
    Es ist eigenltich bescvhämend, immer hinterher zu schimpfen.
    in seiner Kritik an der SPD stimem ich ihm zu. ber auch hier muß man sagen, warum ließen denn er und auch andere alles zu?

  • Also ich mag ihn, aber sein buch ist natürlich grauenhaft. Es macht uns vor, daß wir keine Wahl hatten, aber wir konnten etwas tun !

    Er und Sanio haben ein paar banken zuviel gerettet und uns mit dem drohenden Weltuntergang Eindruck gemacht. Götterdämmerung ist immer schon ein gewaltig überschätztes Thema in diesem Lande gewesen. Ein Verliererthema, er ist der Siegfried, der trotz aller Tugenden zuerst stirbt. Na ja, Tugenden ? So in etwa, es fallen natürlich auch Späne. Steinbrück aber sagt zur richtigen Zeit die richtigen Dinge, die sich dann nur im Nachhinein als - naja- ungerade herausstellen.

    Die Welt wäre ohne iKb und HRE Rettung nicht zusammengebrochen. Wenn die bäuerin Licht in den Schweinestall läßt und die Türe laut zuknallt, dann fallen immer die überzüchteten Schweine mit Herzstillstand um, die sowieso 13-15 Rippchen, statt nur 12 hatten. Wollen wir die jetzt am Leben erhalten ? Klar, wenn die Welt nur noch überzüchtete Schweine kennt, sollte man besser die Türe leise zumachen, so wie Steinbrück und Sanio es uns vorgemacht haben. Also alle banken mit Steuergeldern retten. Aber sind wir so unfähig, ist unser Finanzsystem so beschissen ?? Wenn ein einzelner Tisch mit 6 Händlern 4 Mrd EUR Verlust machen kann, was eine bank zugrunde richtet, dann ist etwas grundlegend falsch, aber nicht alle bänker sind dewegen schlecht.

    Die hier zitierte Kritik an der Partei ist gut. Nach Sarrazin und Steinbruecks büchern sind Gabriel und Nahles vollkommen entzaubert und im Abseits. Sie sind Dogmatiker, Parteineurotiker in einer Zeit in der sich alles ändert - keine Chance. Wowereit, der von beiden Autoren am schärfsten in Zentrum der Kritik gerückte könnte gerade deshalb wohl das nun kommende Spektakel gut überleben. Abwahl von Sarrazin ? Lobeshymnen auf Steinbrück ? Polarisierung vernichtet deren Schöpfer - also Vorsicht. Die SPD tut gut daran, aud die Ü55 Generation zu hören und deren Rat zu folgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%