Unternehmen klagen über zu viel Regulierung
Deutsche Forscher sind besser als ihr Ruf

Der Forschungsstandort Deutschland ist besser als sein Ruf. Das zeigt eine Umfrage des Handelsblatts bei großen deutschen Unternehmen. Gleichzeitig kritisieren Spitzenmanager aber, es dauere zu lange, bis aus Forschungsergebnissen innovative Produkte entstünden. Deutschland müsse den Wissensverbund zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verbessern, fordern die Manager.

DÜSSELDORF. Will Deutschland als Forschungsstandort auch noch in 20 Jahren in der ersten Liga der großen Industrienationen mitspielen, muss sich nach Ansicht vieler Unternehmen einiges ändern. So seien Genehmigungsprozesse für Produkte mit neuen Technologien leider oft zu schwerfällig und zu langsam, sagte etwa BMW-Entwicklungsvorstand Burkhardt Göschel dem Handelsblatt: „Unsere Wettbewerbsfähigkeit könnte durch Deregulierung und die Schaffung weltweiter Standards verbessert werden.“

Dass die Politik inzwischen vermehrt die Bedeutung von Innovationen und Innovationsfähigkeit thematisiert, sieht die Industrie durchaus positiv. „Den Worten müssen aber auch Taten folgen“, merkt Udo Oels, Forschungsvorstand des Bayer-Konzerns an. Hier gebe es erhebliche Diskrepanzen. „Gerade die chemische Industrie leidet unter einem aus unserer Sicht überzogenen Regulierungsdrang“, kritisiert Oels.

Tatsächlich ist die Leistungsfähigkeit bei Forschung und Entwicklung (F&E) hier zu Lande enorm. Das erkennen Forschungsvorstände und -manager an. Gleichwohl dürfe man sich darauf nicht ausruhen. Die Konkurrenz schläft nicht. So wird immer auch Kritik laut, zum Beispiel diese: Staatliche Mittel sollten verstärkt in den Ausbau zukunftsträchtiger Technologien fließen anstatt in die Subventionierung alter Industrien. Auch bei der schnellen Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte könnte es besser laufen. „Forschung, Risikokapital, Industrie und Politik sollten für dieses Ziel noch enger verzahnt sein“, sagt Michael Kaschke, Vorstand der Carl Zeiss AG. Wie Vorstandskollegen aus anderen Unternehmen sieht Kaschke auch beim Bildungssystem im Vergleich zu anderen Ländern Verbesserungspotenzial: „Das beginnt bei der Förderung in der Vorschule und endet bei den häufig fehlenden Perspektiven für unseren akademischen Nachwuchs.“ Es gibt noch viel zu tun.

In einer zehnteiligen Serie nimmt sich das Handelsblatt nun des Forschungsstandortes Deutschland an. Dabei geht es um eine Bestandsaufnahme, Verbesserungsmöglichkeiten und Ausblicke. Ist die Förderpolitik der Regierung auf der Höhe der Zeit? Was müssen Unternehmen und Universitäten tun, um besser zu kooperieren? Wächst die Technologiefeindlichkeit in der öffentlichen Meinung und auch auf der politischen Ebene, wie es der Forschungsvorstand von BASF, Stefan Marcinowski, vermutet? Und wie viel Grundlagenforschung benötigt eine Gesellschaft?

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