Unternehmen und Selbständige machen für ihre Favoriten mobil
Wirtschaft schaltet sich in Wahlkampf ein

In der letzten Phase des Wahlkampfs machen zunehmend Unternehmer und Selbstständige für ihre Favoriten mobil: Von Stuttgart aus wirbt jetzt eine Initiative von Unternehmenseignern für einen Wahlsieg von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Und neben einer bereits bekannten Manager-Initiative engagiert sich eine neue Gruppe von Mittelständlern und Selbstständigen für eine Wiederwahl von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

HB BERLIN. Die Initiativen werden in beiden Volksparteien als wichtig erachtet, weil für beide Spitzenkandidaten das Image wirtschaftlicher Kompetenz wichtig ist. Merkel hatte deshalb auch den früheren Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer zu ihrem wirtschaftspolitischen Berater ernannt. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hatte zudem ein Treffen Merkels mit einer Gruppe von Top-Managern von Dax-Unternehmen organisiert. Am Wochenende schaltete die CDU Anzeigen, in denen sich unter anderem der BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Strube, der SAP-Gründer Dietmar Hopp sowie Tengelmann-Gesellschafter Karl-Erivan Haub zu Merkel bekennen.

Die Ernennung von Pierers gilt auch deshalb als geschickter Schachzug, weil der frühere Siemens-Manager zuvor Bundeskanzler Schröder beraten hatte. Schröder hat stets einen engen Kontakt zu etlichen Top-Managern gepflegt und war früher deshalb auch als "Genosse der Bosse" bezeichnet worden.

In einer von dem Stuttgarter Unternehmensberater Brun-Hagen Hennerkes organisierten Kampagne sprechen sich nun rund zwei Dutzend Unternehmenslenker in bundesweiten Zeitungsanzeigen für einen Wahlsieg Merkels aus. Grund sei, dass die Familienunternehmen "unter Rot-Grün ausbluten". In der Anzeige, die unter anderem von Theo Müller, Inhaber des Unternehmens Müller-Milch, unterschrieben wurde, heißt es: "Wir brauchen Kompetenz in der Politik und keine Show." Beteiligt haben sich an der Aktion unter anderem auch GFT Technologies AG, Albrecht Fürst von Castell-Castell und das Modehaus Walz in Ulm.

Hennerkes selbst war durch die Gründung der "Stiftung Familienunternehmen" bekannt geworden. "In den vergangenen Wochen sind rund 100 Unternehmen gefragt worden, ob sie sich beteiligen wollen", sagte sein Mitarbeiter Thomas Hund. "Mit der Aktion soll deutlich werden, dass es wichtige Familienunternehmer gibt, die die gesellschaftlichen Werte unterstützen, für die die CDU steht." Die CDU-Spitze sei von der Aktion informiert. Ende der Woche sollten weitere Anzeigen in regionalen "Bild"-Ausgaben erscheinen - nachdem das Boulevard-Blatt dafür extra seine Preise gesenkt habe. Bereits 2002 hatte Hennerkes eine Anzeigenkampagne von Unternehmern zu Gunsten des damaligen Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber organisiert.

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