Unternehmen verweigert Preissenkung
Kassen werfen Pfizer Profitsucht vor

Die Kassen haben dem Arzneimittelunternehmen Pfizer Profitsucht wegen seiner Entscheidung vorgeworfen, seinen Preis für den Cholesterinsenker Sortis nicht auf den Festbetrag zu senken, den die Krankenkassen ab 2005 maximal erstatten dürfen. „Die Profitmaximierung einzelner Pharmaunternehmen ist aber nicht die Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagte ein Sprecher der Betriebskrankenkassen.

pt BERLIN. Pfizer hat als erstes Unternehmen öffentlich angekündigt, seine Preise nicht an die gesetzlichen Vorgaben anzupassen. Außerdem kündigte es Klage gegen die Entscheidung des gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen an, das patentgeschützte Sortis gemeinsam mit anderen nicht patentgeschützten Medikamenten der gleichen Wirkstoffklasse, den so genannten Statinen, einem Festbetrag zu unterwerfen.

Festbeträge gibt es seit den 80er Jahren. Sie wurden eingeführt, um Hersteller von Markenmedikamenten zu bewegen ihre Preise an die Preise billigerer Nachahmerprodukte anzugleichen. Mit der Gesundheitsreform wurden erstmals seit 1995 auch patentgeschützte Medikamente in die Festbetragsregelung einbezogen.

Friedemann Schwegler, medizinischer Direktor von Pfizer Deutschland, hält dies im Fall von Sortis nicht für gerechtfertigt. Nach seiner Ansicht belegen neue Studien eindeutig, „dass es für viele Patienten zu Sortis unter den Statinen keine Alternative gibt“. Bei Sortis handele es sich daher um eine echte Innovation, die nach dem Gesundheitsreformgesetz nicht unter Festbetrag gestellt werden dürfe.

Dem widersprach der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen. „Eine überlegene Wirksamkeit von Sortis lässt sich allenfalls für die Behandlung weniger schwerer Akuterkrankungen wie einem Herzinfarkt belegen.“ Dagegen gebe es für den Hauptanwendungsbereich der Statine, die Prävention von Gefäß- und Herzerkrankungen, preiswerte Alternativen, sagte er dem Handelsblatt. Daher habe der Bewertungsausschuss zu Recht gemeinsame Erstattungshöchstpreise für alle Statine festgelegt. Derzeit werden laut Pfizer fünf Statine zu Lasten der Kassen verordnet. Sortis hat mit 39,5 Prozent den höchsten Marktanteil, gefolgt von drei Nachahmermedikamenten und dem ebenfalls patentgeschützten Medikament Locol des Unternehmens Novartis.

Müller-Oerlinghausen warf Pfizer vor, mit seiner Entscheidung die Politik erpressen zu wollen. „Ich kann nur hoffen, das die kassenärztlichen Vereinigungen nun die Ärzte ermuntern werden, ihren Patienten Sortis nicht mehr zu verordnen.“ Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) forderte in einer gemeinsamen Erklärung mit Kassen und gemeinsamem Bundesausschuss die Versicherten auf, mit ihren Ärzten über einen Ersatz von Sortis zu reden.

Dagegen will Pfizer nun in einer Anzeigenkampagne die rund 1,5 Millionen Patienten, die derzeit Sortis einnehmen, dazu bewegen, dem Medikament treu zu bleiben. Dabei fährt das Unternehmen schwere Geschütze auf. Würde Sortis durch andere Medikamente ersetzt, steige das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, warnte Pfizer-Deutschland-Chef Walter Köbele. Vor allem Kinder mit angeborener Fettsucht, 680 000 Herzinfarktpatienten und 5,6 Mill. Diabetiker würden ohne Sortis nicht mehr angemessen medikamentös versorgt.

Quelle: Handelsblatt

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