Unternehmenssteuer
Gewerbesteuer-Boom hält dieses Jahr wohl an

Auch in diesem Jahr wird die Gewerbesteuer den meisten Kämmerern viel Freude bereiten. Nach einer Umfrage des Handelsblatts unter Steuerschätzern wird die wichtigste Kommunalsteuer auch 2006 kräftig zulegen.

DÜSSELDORF. „Die Gewerbesteuer wird sich positiv von den anderen Steuern absetzen“, sagte Michael Bräuninger vom Hamburgischen Welt-Wirtschaftsarchiv. „Wenn keine Schocks dazwischen kommen, bleiben Konjunktur und Gewinnentwicklung freundlich. Das schlägt dann bei der Gewerbesteuer deutlich zu Buche“, betonte Rüdiger Parsche vom Ifo-Institut.

Im vergangenen Jahr hatte die aufkommensstärkste Unternehmensteuer sich fulminant entwickelt und mit 32,1 Mrd. Euro gut 13 Prozent mehr in die Kassen gespült als noch 2004 – die letzte Steuerschätzung im November hatte lediglich 31 Mrd. Euro vorhergesagt. Besonders stark war der Anstieg in Ostdeutschland mit 22,6 Prozent. Das Comeback der Gewerbesteuer ist zum einen auf die günstige Gewinnsituation zurückzuführen. Außerdem hatte die rot-grüne Bundesregierung bereits 2004 Schlupflöcher geschlossen und die Verlustverrechnungsmöglichkeiten verschärft.

Als Folge der günstigen Entwicklung verringerte sich das Finanzierungsdefizit der Kommunen im abgelaufenen Jahr um 1,6 Mrd. Euro auf nur noch 2,3 Mrd. Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Die Gesamteinnahmen der Kommunen stiegen 2005 um 3,9 Prozent auf 151,1 Mrd. Euro; die Ausgaben wurden um 2,8 Prozent auf 153,3 Mrd. Euro erhöht. Dieter Vesper vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erwartet, dass die Gewerbesteuer dieses Jahr noch einmal um gut zwei Mrd. Euro zulegen könnte. „Dann müsste das kommunale Finanzierungsdefizit auf alle Fälle auf Null sinken.“

Etwas ausgebremst wird die Gewerbesteuer durch das Wachstumspakt der Regierung, das der Bundestag am Freitag verabschiedete. Damit werden die Abschreibungsbedingungen für die Wirtschaft verbessert. „Das schlägt voll auf die Gewerbesteuer durch“, sagte Kristina van Deuverden vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Laut Gesetz verringert die Anhebung des Faktors für degressive Abschreibungen auf 30 Prozent das Gewerbesteueraufkommen dieses Jahr um 365 Mill. Euro; 2007 steigen die Ausfälle auf 1,275 Mrd. Euro. Berücksichtige man diesen Bremseffekt, dürfte die Gewerbesteuer dieses Jahr noch um fünf bis sechs zulegen, schätzt van Deuverden.

Wesentlich zurückhaltender äußerte sich der Städtetag. „Wir gehen unverändert nur von einem sehr leichten Zuwachs der Gewerbesteuer aus“, sagte ein Sprecher. Auch der Städte- und Gemeindebund sieht keinen Grund zur Entwarnung. „Die finanzielle Lage ist weiter sehr kritisch“, so Präsidialmitglied Gerd Landsberg.

Interne Berechnungen des Städtetags zeigen, dass der Gewerbesteuerboom nicht nur von den erhöhten Vorauszahlungen der Unternehmen getragen wird. Ähnlich stark stiegen die Steuernachzahlungen für Vorjahre. Sie legten in den Städten seit 2002 jährlich im zweistelligen Prozent-Bereich zu. Die Daten deuten darauf hin, dass im Jahr 2001, als die Konjunktur rapide abstürzte, die Wirtschaft ihre Vorauszahlungen zu stark kürzte und daher in den Folgejahren Nachzahlungen leisten musste. Als die Konjunktur wieder anzog, wurden zudem die Vorauszahlungen wohl nicht ausreichend erhöht. Dem Städtetag zu Folge gingen die Nachzahlungen aber im dritten und vierten Quartal 2005 rapide zurück. Dies könnte auf eine Normalisierung des Einnahmentrends hindeuten, hieß es in mit den Daten vertrauten Kreisen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%