Unternehmenssteuerreform
Bedenken gegen die Zinssteuerpläne wachsen

Die Unternehmensteuerreform muss offenbar doch noch größere politische Hürden nehmen, als Spitzenpolitiker von Union und SPD zuletzt glauben machten. Der Grund sind die Ergebnisse der so genannten 1 000- Fälle-Rechnung:

BERLIN. Dabei haben Beamte des Bundesfinanzministeriums und von vier Länderfinanzministerien verschiedene Modelle einer Zinsbesteuerung auf 1 000 reale Unternehmensteuerfälle angewendet. Anders als erwartet erwies sich dabei ausgerechnet das zuletzt als konsensfähig geltende Modell einer „Zinsschranke“ als äußerst problematisch für Unternehmen mit niedrigen Gewinnen. Das geht aus internen Papieren des Bundesfinanzministeriums hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Kernpunkt der zum 1. Januar 2008 geplanten Unternehmensteuerreform ist eine deutliche Senkung der Steuerlast für AGs und GmbHs von heute knapp 39 Prozent auf gut 29 Prozent. Die Steuerausfälle will die Koalition auf fünf Mrd. Euro begrenzen. Außerdem will sie es internationalen Konzernen erschweren, über interne Kredite Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verlagern. Diskutiert werden in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Leitung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mehrere Modelle. Sie sollen die heute uneingeschränkte Abzugsfähigkeit von Zinskosten begrenzen. Steinbrück hatte sich dabei von seinem ursprünglichen Vorhaben, einen Teil der Zinskosten zum Gewinn zu addieren, bereits verabschiedet und sich den Vorschlägen der Union angenähert: Sie will die Zinsen nur zum Teil sofort als Kosten akzeptieren und den Rest auf Folgejahre vortragen lassen.

Die 1 000-Fälle-Rechnung ergab nun aber, dass gerade Unternehmen, deren Gewinn nahe null liegt, durch das Modell „Zinsschranke“ am stärksten belastet werden. Steinbrücks Modell „Hinzurechnung“ wiederum schneidet vor allem bei hoher Fremdfinanzierung schlecht ab. Zudem erfuhr das Handelsblatt aus einem ostdeutschen Finanzministerium, dass mindestens 20 Prozent der Unternehmen bei jeder Form der Zinsabzugsbeschränkung ernsthaft Probleme bekämen: Wegen ihrer Eigenkapitalschwäche finanzieren sie sich zu extrem hohen Anteilen aus Krediten. Nur hohe Freibeträge oberhalb einer Mill. Euro könnten dies verhindern.

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