Unternehmenssteuerreform
So rechnen die Experten

Die geplante Unternehmensteuerreform soll den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken. Der Handelsblattcheck erläutert die Hintergünde und Berechnungen der Experten.

Die Reform:

Die von der großen Koalition geplante Unternehmensteuerreform soll den Standort Deutschland stärken. Kernstück ist die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von heute 25 auf 15 Prozent in 2008. Die Gewerbesteuer-Messzahl wird von fünf auf 3,5 Prozent verringert. Im Gegenzug kann die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abgezogen werden. Die hälftige Hinzurechnung von Dauerschuldzinsen in die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer wird durch eine 25prozentige Hinzurechnung aller Zinsen sowie Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen ersetzt. Es gilt ein Freibetrag von 100 000 Euro. Die heutigen Regeln zur Gesellschafter-Fremdfinanzierung (Paragraf 8a KStG) werden eine neue Zinsschranke ersetzt. Das Halbeinkünfteverfahren für Dividenden wird abgeschafft und durch eine Abgeltungsteuer für alle Kapitaleinkünfte ersetzt; der Steuersatz beträgt 25 Prozent, zzgl. Soli.

Das Modell:

Die Konsequenzen der geplanten Steueränderungen für deutsche Unternehmen werden für den Handelsblatt-Steuerreformcheck mit dem Computersimulationsprogramm „European Tax Analyzer“ berechnet, das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und der Uni Mannheim entwickelt wurde. Dessen Kern bildet ein Unternehmensmodell, das die effektive Steuerbelastung von Unternehmen mit Sitz in verschiedenen Ländern unter Berücksichtigung aller relevanten Steuersysteme, Steuerarten, Tarife und Bemessungsgrundlagen über einen Zeitraum von zehn Jahren berechnet. Der Zehn-Jahres-Zeitraum wird gewählt, da Steuergesetze häufig Auswirkungen auf die Verteilung von Steuern in mehreren Jahren haben. So erhöhen etwa verschärfte Abschreibungsregeln die Belastung unter dem Strich nicht, gleichwohl aber die Steuerschuld in den einzelnen Jahren. Daraus resultieren dann Zinseffekte.

Das Unternehmen:

Im Ausgangsfall wird ein Musterunternehmen in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft mit typischen Bilanz- und Erfolgsrelationen für das verarbeitende Gewerbe betrachtet. Als Datenbasis dient die Bilanzstatistik der Bundesbank. Die Kapitalgesellschaft hat 10 Anteilseigner. Dabei handelt es sich durchweg um natürliche Personen, die im gleichen Land wie die Kapitalgesellschaft ansässig sind. Die Anteilseigner beziehen jährlich 750 000 Euro Dividende. Außerdem erhalten sie Zinsen gut 1,2 Mill. Euro. aus Gesellschafterdarlehen. Das entspricht sechs Prozent des Gesellschafterdarlehens von gut 20 Mill. Euro.

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