Unternehmenssteuerreform
Wirtschaft rechnet mit Be- statt Entlastung

Die deutsche Wirtschaft geht davon aus, dass ihr die Unternehmenssteuerreform keine Entlastung verschafft, wie es die Bundesregierung versprochen hat - im Gegenteil: Eine neue, bisher unveröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Belastung deutlich höher ausfällt als von der Koalition veranschlagt.

saf BERLIN. „Allein die Änderungen bei der Behandlung von Finanzierungsaufwendungen kostet die Wirtschaft mehrere Mrd. Euro. Die positiven Standorteffekte der Steuerreform können so nicht eintreten“, sagte Klaus Bräunig, Sprecher der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). In einer neuen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, kommen der BDI und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu dem Ergebnis, dass kein anderes Land die Abzugsfähigkeit von Zinskosten so stark einschränkt wie künftig Deutschland. Die Absicht der Regierung, Steueraufkommen im Inland zu erhalten, sei verständlich, doch schieße die Zinsschranke weit über das Ziel hinaus.

Die umfangreiche Studie von BDI und KPMG zeigt, dass die Belastung der Wirtschaft deutlich höher ausfällt als die Regierung veranschlagt. „Ursprünglich wollte die Regierung mit der Einführung der Zinsschranke nur die schwarzen Schafe unter den Unternehmen erwischen, die mit einer hohen Fremdfinanzierung ihre Steuerlast drücken. Doch mit den vorliegenden Plänen ist jede Branche betroffen“, sagte Bernd Erle, stellvertretender Vorstandssprecher von KPMG.

Anders als das Bundesfinanzministerium kommen BDI und KPMG zu dem Ergebnis, dass „die einschneidenden Wirkungen der Zinsschranke auch durch die Escape-Klausel nicht wesentlich gemildert“ werden. Das liege vor allem daran, dass die Eigenkapitalquote einer Gesellschaft um die Buchwerte der Unternehmensbeteiligungen gekürzt wird. „Jedes Unternehmen, das Beteiligungen über Kredite finanziert hat, ist davon betroffen“, sagte KPMG-Vorstand Erle. Konkret führe dieses Konstrukt dazu, dass selbst deutsche Konzerne, die eine hohe Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent aufweisen, nicht von der Zinsschranke verschont würden.

Unter dem Strich fürchtet der BDI Nachteile Deutschlands im globalen Wettbewerb. „Das Ergebnis wird sein, dass viele unternehmerische Aktivitäten in Deutschland nicht mehr stattfinden können. Damit gefährdet die Regierung ihre eigene High-Tech-Strategie sowie wichtige Impulse für Wachstum und Beschäftigung, sagte Bräunig. Als Ausweg schlagen der BDI und KPMG vor, auf die negative Bewertung von Beteiligungen zu verzichten. Zudem sollten die Finanzierungsaufwendungen bis 50 Prozent vom um Abschreibungen bereinigten Gewinn abgezogen werden dürfen.

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