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11.04.2008 
Nach dem Skandal

Unternehmer Heraeus ist Unicef-Vorsitzender

Die Ex-Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoff – bereits Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe – hatte vor der Wahl ihre Bereitschaft erklärt, die neue Vorsitzende des skandalgeplagten Kinderhilfswerks Unicef zu werden. Doch dann kam alles ganz anders.

Der Familienunternehmer Jürgen Heraeus ist der neue Vorsitzende von Unicef. Lupe

Der Familienunternehmer Jürgen Heraeus ist der neue Vorsitzende von Unicef.

HB BERLIN. Der Hanauer Unternehmer Jürgen Heraeus ist überraschend zum neuen Vorsitzenden der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks Unicef gewählt worden. Zu seinen Stellvertreterinnen wurden am Freitag in Berlin die Ex-Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoff und die Journalistin Maria von Welser ernannt. Mit dem neuen Vorstand will Unicef den Weg aus seiner Vertrauenskrise finden. Linsenhoff galt zuvor als eine mögliche Favoritin.

Jürgen Heraeus (71) ist gebürtige Hanauer und gilt als eine der großen Wirtschaftspersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Familienunternehmen Heraeus, das er 1983 übernahm, verwandelte er von einem Edelmetallhändler zu einem internationalen Technologiekonzern mit über 10 000 Mitarbeitern. 2000 wechselte er in den Aufsichtsrat, sorgte 2003 aber als Aufseher der MG AG für Schlagzeilen: Dort feuerte er den umstrittenen Chef Kajo Neukirchen.

Unicef Deutschland war im Februar wegen eines undurchsichtigen Finanzgebarens und dem Vorwurf der Verschwendung von Spendengeldern in Verruf geraten. Die Vorsitzende Heide Simonis war unter Verweis auf unüberbrückbare Meinungsunterschiede zurückgetreten. Auch Geschäftsführer Dietrich Garlichs hatte sein Amt niedergelegt.

Bereits gestern war die Vorstandswahl des deutschen Unicef-Komitees mit einer Überraschung zu Ende gegangen, nachdem weder Alexander Rittweger, der Chef von Loyalty Partner, die Payback vertreiben, noch der Gründer der Werbeagentur Scholz & Friends, Thomas Heilmann, überhaupt nur den Sprung ins Komitee geschafft hatten. Sie hatten den Reformprozess innerhalb des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen vorantreiben sollen. Es sei deutlich geworden, dass in Teilen des Komitees eine gewisse Wirtschaftsfeindlichkeit herrsche, verlautete danach aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Nun übernimmt mit Heraeus doch ein Mann der Wirtschaf den deutschen Unicef-Vorsitz. Der Familienunternehmer war gestern neu in den Vorstand gewählt worden.

Seit Beginn der Krise im November hat die Organisation 37 000 Fördermitglieder verloren und 20 Prozent an Spenden gegenüber dem Vorjahr eingebüßt. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung sollte nun der Neuanfang besiegelt werden.

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