Unternehmer Heraeus

"Wir brauchen radikalere Konsequenzen für Zocker-Banken"

Der erfolgreiche Unternehmer Jürgen Heraeus fordert im "Handelsblatt", dass die Banken, die mit virtuellen Geschäften arbeiten, reale Konsequenzen fürchten müssen.
21 Kommentare

Jürgen Heraeus, langjähriger Vorstandschef und derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des weltweit tätigen Familienunternehmens Heraeus, fordert radikalere Konsequenzen für Banken, die mit virtuellen Geschäften arbeiten. "Keiner weiß, wie teuer eine Pleite von Lehman Brothers geworden wäre. Aber die Geschäfte müssen von der Politik so getrennt werden, dass man die, die Casino spielen, auch pleitegehen lassen kann", sagte Heraeus dem "Handelsblatt". Heraeus, der am kommenden Freitag 75 Jahre alt wird, warnte zugleich davor, dass das Feuer der Finanzwelt wie schon 2008 auf die Industrie übergreifen wird.

Angesichts der akuten Staatsverschuldung, einer der Auslöser der aktuellen Krise, sprach sich Heraeus gegen eine Steuersenkung auf breiter Front aus. "Es ist unangebracht, eine Steuerentlastung durchzusetzen, bei der die Reichen am meisten entlastet werden", sagte er dem Handelsblatt: "Für die Wohlhabenden müssen wir die Steuern nicht reduzieren." Allerdings dürfe es auch keine neuen Steuerbelastungen geben. "Das ist doch lächerlich, dass es in einem riesigen Bundeshaushalt nicht möglich sein soll, drei bis fünf Prozent einzusparen. Das schaffen die Unternehmen alle paar Jahre. Deshalb bin ich gegen Steuererhöhungen, die immer der leichteste Weg sind", sagte Heraeus.

Der erfolgreiche Unternehmer - bis 1999 hat er als Vorstandschef über zwei Jahrzehnte das Familienunternehmen zu einem internationalen Spezialisten für Vorprodukte etwa für die IT- oder Dentalindustrie gemacht - prognostizierte eine deutliche Abwertung des Euros. "Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben."

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21 Kommentare zu "Unternehmer Heraeus: "Wir brauchen radikalere Konsequenzen für Zocker-Banken""

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  • Cogito:
    Dem Aufschrei von Juergen Heraeus sollten mehr "Industrie Kapitäne" folgen. Es ist schon erschreckend zu sehen wie die Finanzindustrie hunderte Milliardensummen in dubiosen Transaktionen (Kredit finanzierte, hochgehebelte Derivate, vielfach in Schattenbörsen (OTC) gehandelt) jongliert und das erzielte "virtuelle" in reales Geld konvertiert und in ihre eigene Tasche wirtschaftet und das Risiko über CDOs und CDS (teilweise verschleiert) weltweit verkauft. So werden dringend benötigte Gelder der Realwirtschaft entzogen.

    Da kommt es mir wie ein Hohn vor, dass diese Vorgehensweise der Finanzinstitute von der Politik im Sinne von "Eigenkapitalbildung" noch gefördert wird.

    Es wird Zeit, dass sich die Realwirtschaft hier mal klare Worte spricht. Von der Politik sind hier nur wirkunslose "Worthülsen" wie Transaktionssteuer und Vergemeinschaftung der entstehenden Schulden zu erwarten.

    Bravo Juergen Hambrecht!

  • Politiker sind systembedingt genausowenig in der Lage, sich mit ihren Ausgaben an die Realitäten anzupassen, wie ein Hund, Wurstvorrat zu horten! Wenn die Steuerein-nahmen steigen, werden nicht etwa die Staatsfinanzen konsolidiert, nein, man erfindet flugs ein paar neue staatliche Aufgaben. Dieser Katalog staatlicher Aufgaben, den wir Wähler ja auch brav immer wieder ergänzen, wird nie kritisch in regelmäßigen Zeitab-ständen überprüft. Deshalb muß man die Steuern knapp halten, das ist die einzige Chance, den Leviathan zu zügeln...

  • Die Äußerungen des Verfassers zum Thema Aufspaltung der Geschäftsbereiche von Banken kann man vorbehaltlos unterstützen. Trennt den Eigenhandel vom Rest, dann können Kunden und deren Geschäfte im Falle einer Insolvenz innerhalb kurzer Zeit von einer anderen Bank übernommen werden und die Zockerbude geht halt pleite.

    Nicht einverstanden bin ich mit der Aussage über Steuersenkungen bzw. -erhöhungen. Der "erfolgreiche" Unternehmer ist auch deshalb so erfolgreich gewesen, weil Spitzenverdiener seit Herrn Kohl in einem Steuerparadies leben und so auf Kosten der anderen Steuerzahler ihr Vermögen überproportional steigern konnten. Es wird meiner Meinung nach Zeit, von diesem Geld über zielgerichtete Steuern für Reiche (die Definition, wann man reich ist, überlasse ich gerne der Politik) einen Teil wieder einzusammeln. Denn in all diesen Jahren hatten die staatlichen Haushalte ein Defizit.

    Der Vorschlag, statt Steuererhöhungen nun Kosten zu sparen ist grundsätzlich ja nicht falsch. Nur sollte ein erfolgreicher Unternehmer, der sich mit Bilanzen und GuV auskennen sollte, mit einem Blick in die öffentlichen Haushalte erkennen, dass auch ohne Mittelverschwendung nicht genug Geld vorhanden ist, um die heutigen Ausgaben für z.B. Renten, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Straßenbau usw. zu decken, geschweige denn für notwendige Investitionen für zukünftige Generationen.

    Der Vorschlag des Jubilars ist in dieser Hinsicht ein weiteres Beispiel für das grundsätzliche Problem unserer Gesellschaft: Andere sollen den Gürtel enger schnallen, während mir weiterhin gebratene Tauben in den Mund fliegen sollen.

    Ich wünsche eine gelungene Geburtstagsfeier ! :-)

  • Bravo Herr Heraeus,
    das ist in etwa das, was ich seit der Lheman Crisis sage: was immer es kostet, lasst die Zoicker fallen. Das schmerzt maechtig, auch die Kunden, die reinfallen (habe aucxh dazu gehoert), ist aber noetig. Jetzt sehen wir, dass die Zocker ihre Schulden auf die Staaten abgewaelzt haben und lustig weiter Poker spielen. Die haben die Staaten ausgetrickst, ebenso wie ihre Kunden.

    Was die System anbelangt, so denke ich dass die Handelssielraeume auf Kredit massiv beschnitten werden muessen. 5o% Kapitaleinsatz fuer jedes Geschaeft.

    Und schon haben wir Ruhe.


    Rainer
    rrepke@bigpond.net.au

  • @ jneugebauer

    Die Frage ist doch - wem nutzt das System und wer will/soll es ändern?
    die, denen das System nutzt (also Banken und "Geldadel"), die werden einen Teufel tun das System zu ändern oder auch nur auf die "Idiotie" des Systems hinzuweisen. Die, denen das System Schadet (also die Masse der Bevölkerung), wird schon in der Schule beigebracht, das es das "einzig Wahre" ist und sie glauben das auch noch. Und die, die es erkannt haben und es gerne ändern würden sind in der Minderzahl ;-)))

    Eine Änderung dieses Systems kann also nur aus der Basis kommen. Das wird aber erst dann passieren, wenn es der Basis durchweg schlecht geht - nicht vorher!

  • Laut einer Vermögensaufstellung aus dem Jahr 2001 ist Herr Heraeus 3facher MILLIARDÄR !!! Laut einem Bericht der WiWo waren es im Jahr 2008 bereits 6,5 Milliarden Euro!!! Wie man sein Vermögen durch PRODUKTIVE ARBEIT innerhalb von 7 Jahren mehr als verdoppelt, soll uns Herr Heraeus einmal erklären!

    Das Handelsblatt lässt in letzter Zeit Leute zu Wort kommen, welche von der jetzigen Situation profitieren aber nach außen hin, den "Gerechten" zeigen wollen.

  • @ drfriedrichhumboldt

    Zitat: "Die Transfer-/Haftungsunion ist ein Irrweg: Er löst keines der fundamentalen Probleme, sondern versclimmert nur und würde in einer riesigen"

    Mal eine Frage am Rande: Glauben Sie denn wirklich, das die Probleme "gelöst" werden sollen?
    Oder geht es nicht eher darum, das System noch eine Weile am laufen zu halten, bevor es endgültig zusammenbricht?

    Leider steht dies zu befürchten! Und leider steht auch zu befürchten, das der Ausweg garantiert nicht von "Oben" kommt, sondern nur durch die Basis erzwungen werden kann (wie die Geschichte uns zeigt). Es wäre spitze, wenn ich mich irren würde, aber die Zeichen zeigen leider in diese Richtung.

    Wenn man die Augen aufmacht, dann merkt man, das es in vielen Teilen der Welt schon zu brodeln anfängt. Wie lange es dauert, bis dies bei uns ankommt, kommt auf den Einfaltsreichtum der "Eliten" an, aber auch hier zeigen sich die ersten Anzeichen der Unzufriedenheit. Nicht mehr alle lassen sich durch "schöne Worte" über die wahren Absichten hinwegtäuschen!

  • Ich finde es erschreckend, dass die Öffentlichkeit immer noch nicht erkannt hat, dass die Schulden unsere Geldmenge bilden und welche Konsequenz das letztlich hat.

    Die ganzen Diskussionen über Zockerbanken, Euro-Rettung, Umschuldung von Griechenland, ausgeglichener Haushalt etc. sind völlig sinnlos, denn unser Geldsystem erlaubt keine Netto-Schuldentilgung.

    Würde jeder Schuldner gleichzeitig anfangen zu tilgen, dann würde am Jahresende die gesammte Zinssumme ausfallen, da diese Zinssumme nicht in der Geldmenge vorhanden ist und nur durch neue Kredite geschöpft werden kann. Und dieser Komplettausfall der Zinssumme würde sich jedes Jahr wiederholen, eben solange wie getilgt wird.

    Aber was heisst das eigentlich? Eine Zinsausfall ist letztlich ein Zahlungsaufall, auch Pleite genannt. Wir würden also massive Staatspleiten, Unternehmenspleiten und Privatinsolvenzen erleben. Quasi am laufenden Band. Das wäre die schlimmste Depression der Menschheitsgeschichte.

    Aber ewige Kreditexpansion geht auch nicht. Wir brauchen daher endlich Ideen für ein neues Geldsystem und wie man den Übergang möglichst schmerzlos gestaltet. Warum wird darüber nirgends geredet?

  • Die Transfer-/Haftungsunion ist ein Irrweg: Er löst keines der fundamentalen Probleme, sondern versclimmert nur und würde in einer riesigen wirtschaftlichen Misere enden, Dazu käme mit der ESM/Wirtschaftsregierung aber die politische Katastrophe für unser Land und die anderen beteiligten europäischen Staaten und am Ende das (gewollte?) Ende unserer Demokratie.

    Der EFSF und Eurobonds müßen daher ungedingt verhindert werden. Sie gestatten es den Finanzprofiteuren, unbegrenzten und unkontrollierten Zugang auf das nationale Vermögen der (noch) produktiven Mitglieder des EURO (sprich Deutschland, Holland etc) unter dem fadenscheinigen Vorwand der Solidarität zu erhalten.

    Der ordentliche und richtige Weg ist entweder der Ausschied Griechenlands aus der EU, dann deren Schuldenschnitt mit den verantwortlichen Banken und die Abwertung der Drachme , um die griechische Wirtschaft und den griechischen Wohlfartsstaat wieder wettbewerbsfähig zu machen und auf ein solides Fundament zu stellen, oder eben der Austritt Deutschlands und die Rückkehr zur Deutschen Mark, die Deutschland bereits schon einmal ein in aller Welt geachtetes Wirtschaftswunder gab und wieder geben wird.

    Was wir brauchen, neben der DM, ist ein System, in dem nicht die Banken, sondern das Volk wieder im Mittelpunkt stehen, in dem nicht das Volk den Banken, sondern die Banken der Wirtschaft und die Wirtschaft dem Wohle des Volkes zu dienen hat. Erst durch diese finanzpolitische Emanzipation wird ein Land befreit von diesen asozialen Profiteuren und kann wieder daran gehen, die harte Arbeit dem Wohl und der Zukunft des Landes wieder zukommen zu lassen.

  • Ach so ?!

    Und was ist denn mit den gierigen und zinsgeilen Kunden, die Ihre möglichen Verluste über den Einlagensicherungsfonds sozialisiert bekommen ?!

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