Unternehmer Heraeus
"Wir brauchen radikalere Konsequenzen für Zocker-Banken"

Der erfolgreiche Unternehmer Jürgen Heraeus fordert im "Handelsblatt", dass die Banken, die mit virtuellen Geschäften arbeiten, reale Konsequenzen fürchten müssen.
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Jürgen Heraeus, langjähriger Vorstandschef und derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des weltweit tätigen Familienunternehmens Heraeus, fordert radikalere Konsequenzen für Banken, die mit virtuellen Geschäften arbeiten. "Keiner weiß, wie teuer eine Pleite von Lehman Brothers geworden wäre. Aber die Geschäfte müssen von der Politik so getrennt werden, dass man die, die Casino spielen, auch pleitegehen lassen kann", sagte Heraeus dem "Handelsblatt". Heraeus, der am kommenden Freitag 75 Jahre alt wird, warnte zugleich davor, dass das Feuer der Finanzwelt wie schon 2008 auf die Industrie übergreifen wird.

Angesichts der akuten Staatsverschuldung, einer der Auslöser der aktuellen Krise, sprach sich Heraeus gegen eine Steuersenkung auf breiter Front aus. "Es ist unangebracht, eine Steuerentlastung durchzusetzen, bei der die Reichen am meisten entlastet werden", sagte er dem Handelsblatt: "Für die Wohlhabenden müssen wir die Steuern nicht reduzieren." Allerdings dürfe es auch keine neuen Steuerbelastungen geben. "Das ist doch lächerlich, dass es in einem riesigen Bundeshaushalt nicht möglich sein soll, drei bis fünf Prozent einzusparen. Das schaffen die Unternehmen alle paar Jahre. Deshalb bin ich gegen Steuererhöhungen, die immer der leichteste Weg sind", sagte Heraeus.

Der erfolgreiche Unternehmer - bis 1999 hat er als Vorstandschef über zwei Jahrzehnte das Familienunternehmen zu einem internationalen Spezialisten für Vorprodukte etwa für die IT- oder Dentalindustrie gemacht - prognostizierte eine deutliche Abwertung des Euros. "Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben."

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Unternehmer Heraeus: "Wir brauchen radikalere Konsequenzen für Zocker-Banken""

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  • Cogito:
    Dem Aufschrei von Juergen Heraeus sollten mehr "Industrie Kapitäne" folgen. Es ist schon erschreckend zu sehen wie die Finanzindustrie hunderte Milliardensummen in dubiosen Transaktionen (Kredit finanzierte, hochgehebelte Derivate, vielfach in Schattenbörsen (OTC) gehandelt) jongliert und das erzielte "virtuelle" in reales Geld konvertiert und in ihre eigene Tasche wirtschaftet und das Risiko über CDOs und CDS (teilweise verschleiert) weltweit verkauft. So werden dringend benötigte Gelder der Realwirtschaft entzogen.

    Da kommt es mir wie ein Hohn vor, dass diese Vorgehensweise der Finanzinstitute von der Politik im Sinne von "Eigenkapitalbildung" noch gefördert wird.

    Es wird Zeit, dass sich die Realwirtschaft hier mal klare Worte spricht. Von der Politik sind hier nur wirkunslose "Worthülsen" wie Transaktionssteuer und Vergemeinschaftung der entstehenden Schulden zu erwarten.

    Bravo Juergen Hambrecht!

  • Politiker sind systembedingt genausowenig in der Lage, sich mit ihren Ausgaben an die Realitäten anzupassen, wie ein Hund, Wurstvorrat zu horten! Wenn die Steuerein-nahmen steigen, werden nicht etwa die Staatsfinanzen konsolidiert, nein, man erfindet flugs ein paar neue staatliche Aufgaben. Dieser Katalog staatlicher Aufgaben, den wir Wähler ja auch brav immer wieder ergänzen, wird nie kritisch in regelmäßigen Zeitab-ständen überprüft. Deshalb muß man die Steuern knapp halten, das ist die einzige Chance, den Leviathan zu zügeln...

  • Die Äußerungen des Verfassers zum Thema Aufspaltung der Geschäftsbereiche von Banken kann man vorbehaltlos unterstützen. Trennt den Eigenhandel vom Rest, dann können Kunden und deren Geschäfte im Falle einer Insolvenz innerhalb kurzer Zeit von einer anderen Bank übernommen werden und die Zockerbude geht halt pleite.

    Nicht einverstanden bin ich mit der Aussage über Steuersenkungen bzw. -erhöhungen. Der "erfolgreiche" Unternehmer ist auch deshalb so erfolgreich gewesen, weil Spitzenverdiener seit Herrn Kohl in einem Steuerparadies leben und so auf Kosten der anderen Steuerzahler ihr Vermögen überproportional steigern konnten. Es wird meiner Meinung nach Zeit, von diesem Geld über zielgerichtete Steuern für Reiche (die Definition, wann man reich ist, überlasse ich gerne der Politik) einen Teil wieder einzusammeln. Denn in all diesen Jahren hatten die staatlichen Haushalte ein Defizit.

    Der Vorschlag, statt Steuererhöhungen nun Kosten zu sparen ist grundsätzlich ja nicht falsch. Nur sollte ein erfolgreicher Unternehmer, der sich mit Bilanzen und GuV auskennen sollte, mit einem Blick in die öffentlichen Haushalte erkennen, dass auch ohne Mittelverschwendung nicht genug Geld vorhanden ist, um die heutigen Ausgaben für z.B. Renten, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Straßenbau usw. zu decken, geschweige denn für notwendige Investitionen für zukünftige Generationen.

    Der Vorschlag des Jubilars ist in dieser Hinsicht ein weiteres Beispiel für das grundsätzliche Problem unserer Gesellschaft: Andere sollen den Gürtel enger schnallen, während mir weiterhin gebratene Tauben in den Mund fliegen sollen.

    Ich wünsche eine gelungene Geburtstagsfeier ! :-)

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