Unternehmerfreundlichkeit
Preisverdächtiges aus der Provinz

In eher ländlichen Regionen ist nicht mit optimalen Standortbedingungen für Unternehmen zu rechnen – eine Vermutung, welche die Kleinstadt Hückeswagen im Bergischen Land widerlegt: Der Ort wurde vom TÜV als unternehmerfreundliche Stadt ausgezeichnet. Die Stadtverwaltung hat die Zeichen der Globalisierung erkannt und macht Unternehmen den Verbleib in der Heimat auf besondere Weise schmackhaft.

HÜCKESWAGEN. Wer will, kann in der „Wüste“ wohnen. Oder im „Posthäuschen“. Oder er schnarcht seinen Rausch gleich in „Kleinkatern“ aus. Ländlich abgeschieden klingen die Ortsteile von Hückeswagen, provinzielles Panorama gibt es hier im Übermaß. Rosa glänzende Schweinchen und ein schwarz-weißes Indianer-Pony grüßen den Besucher von sattgrünen Hügeln, jeder Zweite lebt in einem schieferverkleideten Haus, alldieweil der Fremde sein Fremdsein daran erkennt, dass die Einwohner ihn neugierig beglotzen. Und der Bürgermeister hört tatsächlich auf dem Namen Uwe Ufer – als hätte ihn ein Kinderbuchautor erfunden.

Doch Hückeswagen in der Nähe von Radevormwald ist mitnichten ein Hintermwald, es steckt viel Sein im provinziellen Schein. Die 17 000-Seelen-Gemeinde im Oberbergischen darf sich seit kurzem TÜV-geprüft „erste unternehmerfreundliche Stadt“ nennen – und könnte damit Vorbild für das ganze Land werden. „Ich möchte“, lautet denn auch des Bürgermeisters Botschaft, „dass das bald Standard in ganz Deutschland ist“. Der Mann kennt keine Selbstzweifel – und der Erfolg keine Kritiker.

42 Jahre ist Uwe Ufer alt, ein netter, parteiloser Protz, der im Hückeswagener Schloss residiert und der hier etwas geschaffen hat, wovon wohl viele Unternehmer träumen: eine Stadtverwaltung, die kurze Bearbeitungszeiten garantiert. Verlegen wird Ufer deshalb auch nur einmal, als er zugeben muss, dass er selbst nicht in Hückeswagen wohnt. Auf einem Bild hinter seinem Schreibtisch steht in großen rosa Lettern nur ein Wort: „Besser.“

Es ist das Wort der Zukunft, auch hier auf dem Land. Denn die Globalisierung geht längst über die Dörfer, in der Provinz tobt der Standortwettbewerb. Selbst kleine Firmen liefern mittlerweile ins Ausland und können sich nicht mehr einfach dort niederlassen, wo es hübsch gemütlich ist – auch die Infrastruktur muss stimmen. Wer da als Bürgermeister keine Ideen hat, der hat bald keine Steuerzahler mehr – und keine Wähler.

In Hückeswagen haben sie das bereits vor Jahren begriffen und fahren jetzt die Ernte ein. Zusammen mit Nagold in Württemberg ist Hückeswagen seit Mai die erste deutsche Stadt, deren Verwaltung unter dem Gesichtspunkt der Mittelstandsfreundlichkeit zertifiziert wurde. Dortmund, Erfurt und Rheda-Wiedenbrück wollen es ihnen nun gleichtun. Auch sie sind der Anfang 2006 gegründeten Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierter Kommunalverwaltungen (GMKEV) beigetreten, die die Standardisierung vorantreibt. Dortmund soll schon in wenigen Wochen zertifizierungsreif sein.

Hückeswagen, ein Modell für Deutschland? Ufer ist davon überzeugt. 13 Kriterien mussten seine Mitarbeiter erfüllen, seither prangt auf allen Flyern der Stadt das eigens entworfenen Gütesiegel neben der Stadtsilhouette. „Wir wollen so sein wie ein mittelständisches Unternehmen“, sagt Ufer. Und für Unternehmen gilt vor allem eins: Zeit ist Geld. Reaktion auf Anrufe und E-Mails innerhalb eines Tages – der TÜV hat seinen Haken dahinter gesetzt. Eingangsbestätigung und Nennung eines Ansprechpartners innerhalb von drei Tagen – klappt ebenso wie das erste Informieren über Verfahren innerhalb von sieben Tagen. Besonders wichtig für ansässige wie ansiedlungswillige Unternehmen ist aber, dass Bauanträge spätestens nach 40 Tagen bearbeitet und Rechnungen innerhalb von 15 Tagen bezahlt sind. „Und pro Anliegen gibt es nur noch einen Ansprechpartner“, wirbt Ufer.

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