Unterschiedliche finanzielle Vorstellungen
Tarifverhandlungen für Stahl auch im Osten gescheitert

Für die ostdeutsche Stahlindustrie hat die IG Metall wie schon für Westdeutschland das Scheitern der Tarifverhandlungen erklärt. Am 17. Mai entscheidet die IG Metall Berlin-Brandenburg über die weitere Vorgehensweise.

HB BERLIN. Die Gewerkschaft habe im Osten den Schritt der Kollegen im Westen nachvollzogen, nachdem die Ost-Arbeitgeber zuletzt dasselbe Angebot wie in Westdeutschland unterbreitet hätten, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft am Montag in Berlin. Das aktuelle Angebot gleiche nicht einmal die Inflationsrate aus.

Die Stahlarbeitgeber hatten im Osten und Westen Einkommenserhöhungen von 2,4 Prozent über 19 Monate und zusätzlich eine Einmalzahlung von 800 Euro angeboten. Die Gewerkschaft fordert aber in beiden Tarifgebieten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt und beruft sich dabei auf die derzeit boomende Stahlkonjunktur.

In der ostdeutschen Stahlindustrie sind rund 8000 Menschen beschäftigt, im Westen rund 85 000. Die beiden Tarifbezirke unterscheiden sich nur noch in der Arbeitszeit: Im Osten soll die 35-Stunden-Woche flächendeckend erst 2009 durchgesetzt werden.

Am 17. Mai werde die Tarifkommission im Osten über das weitere Vorgehen beraten, sagte der Gewerkschaftssprecher aus Berlin. Die Kollegen im Westen sind schon einen Schritt näher am Streik: Dort hat die Tarifkommission bereits die Urabstimmung beantragt, über die der IG-Metall-Vorstand am morgigen Dienstag in Frankfurt entscheiden will. Der westdeutsche IG-Metall-Verhandlungsführer Detlef Wetzel hatte sich optimistisch gezeigt, dass die Belegschaft in Urabstimmungen für einen Arbeitskampf votieren wird. Ein Streik könne dann voraussichtlich am 23. Mai beginnen, am Tag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Die deutschen Stahlwerke sind wegen eines seit gut eineinhalb Jahren anhaltenden Booms derzeit noch voll ausgelastet. Durch den zunehmenden Lageraufbau der Kunden und durch gestiegene Stahlimporte in die EU sind die Preise jüngst aber leicht unter Druck geraten. Führende Stahlhersteller wie ThyssenKrupp oder Salzgitter haben daher mit Produktionskürzungen reagiert. Ein Ende des Stahlbooms ist nach Einschätzung des deutschen Stahlverbands aber nicht in Sicht. Zuletzt hatten die Stahlarbeiter 1978 für die Einführung der 35-Stunden

-Woche gestreikt. Dieses Ziel setzte die IG Metall allerdings erst sechs Jahre später durch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%