Unterstützung für Wowereit
Steinmeier in den Tiefen des Berliner Landtagswahlkampfs

Am 17. September entscheiden die Berlin über ihren Senat. Der SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit hofft auf die Unterstützung des Genossen Frank-Walter Steinmeier. Doch die Distanz der Leute zur fremden Welt des Außenministers ist groß.

BERLIN. Der Weg zur Basis führt die Treppe runter, vorbei an der Vitrine mit den Dokumenten des einst ruhmreichen Zehlendorfer Männergesangvereins und der Einladung zum Skatabend an jedem Mittwoch. Er führt Frank-Walter Steinmeier in einen überfüllten, überhitzten Schankraum des Zehlendorfer "Ratskellers". Am Morgen hatte der Bundesaußenminister noch die deutschen Botschafter aus aller Welt begrüßt und mit Luxemburgs Premierminister palavert. Jetzt ist er mitten im Berliner Landtagswahlkampf angekommen. Vor ihm sitzt das SPD-Wählervolk des Stadtbezirks Steglitz-Zehlendorf und beäugt ihn neugierig.

Kampf der Kulturen im Kleinen. Anzug trägt hier kaum jemand, geschweige denn Krawatte. Steinmeier zieht als erste Abrüstungsmaßnahme rasch das Sakko aus, um nicht zu fremd zu wirken. Dann beginnt der Praxistest für die "sozialdemokratische" Außenpolitik.

Als Wahlkämpfer ist der frühere Kanzleramtschef bisher nicht in Erscheinung getreten. Mit seiner trockenen Sprechweise gilt er - anders als sein Vorgänger Joschka Fischer - nicht gerade als Einpeitscher, eher als dröge. So schafft er es, den Wahlkampftermin im "Ratskeller" innerhalb von Minuten in ein außenpolitisches Seminar zu verwandeln. Die große weite Welt schnurrt im "Ratskeller" zusammen. Häppchenweise zerlegt Steinmeier die Krisen vor den SPD-Anhängern - erst den Libanon, dann den Kampf der Kulturen.

Aber nach einer halben Stunde ist dann die Basis selbst mit Fragen dran. Und plötzlich wird die tiefe Kluft zwischen dem Nahost-Vermittler und Minister Steinmeier und vielen SPD-Wählern selbst im bürgerlichen Zehlendorf spürbar. Warum er Israel nicht schärfer kritisiere? Wieso Deutschland Steuermittel für den Aufbau des Libanons bereitstelle, den doch andere zerbombt hätten? Was die Bundeswehr im Kongo verloren habe? Warum die EU nicht mit der gewählten Hamas-Regierung reden wolle, wollen die Leute wissen.

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